POLITIK
06/02/2017 12:52 CET | Aktualisiert 06/02/2017 16:55 CET

Parteienforscher Korte erklärt starke SPD-Umfragen mit "allgemeiner Merkel-Müdigkeit"

Parteienforscher Korte erklärt starke SPD-Umfragen mit "allgemeiner Merkel-Müdigkeit"
Reuters
Parteienforscher Korte erklärt starke SPD-Umfragen mit "allgemeiner Merkel-Müdigkeit"

  • In einer aktuellen Umfrage liegt die SPD mit 31 Prozent vor der CDU

  • "Der Merkelmalus der Union wird sichtbar", sagt der renommierte Parteienforscher Karl-Rudolf Korte

  • Es werde sichtbar, dass Merkels Amtszeit ein Verfallsdatum habe

  • Dennoch sei es zu früh, die Kanzlerin schon abzuschreiben

Aus der Sicht der Union sind es dramatische Zahlen: Die Sozialdemokraten liegen in einer aktuellen "Bild"-Umfrage einen Prozentpunkt vor CDU und CSU. Es ist das erste Mal seit der Kanzlerschaft von Gerhard Schröder.

Wären am Sonntag Wahlen, würden demnach 31 Prozent der Deutschen der SPD um Kanzlerkandidat Martin Schulz ihre Stimme geben. Die Union von Kanzlerin Angela Merkel käme nur auf 30 Prozent.

Der renommierte Parteienforscher Karl-Rudolf Korte glaubt, dass eine "Merkel-Müdigkeit" bei den Wählern für die starken Ergebnisse der SPD verantwortlich sind. "Der Merkelmalus der Union wird sichtbar", sagt der Professor der Universität Duisburg-Essen im Gespräch mit der Huffington Post.

"Es wird klar, dass Merkels Amtszeit ein Verfallsdatum haben kann"

Es gebe Wähler - auch aus den Reihen der CDU - die Merkel den zeitweiligen Grenz-Kontrollverlust persönlich anlasten, sagt Korte. "Zudem gibt es eine allgemeine Merkelmüdigkeit, die im Augenblick durchschlägt."

Hinzu komme: Bei der Union fühlten sich nun all jene bestätigt, die gerne mit einem anderen Kandidaten in den Bundestagswahlkampf gezogen wären. "Es wird klar, dass auch Merkels Amtszeit ein Verfallsdatum haben kann", sagt Korte.

"Was der Union fehlt, sind emotionale Gestaltungsziele"

Der Union müsse nun erklären, warum die Kanzlerin nach zwölf Jahren Amtszeit weitere vier Jahr benötige, um Deutschland sicherer zu machen. Die große Frage ist also: Gelingt ihr das?

Auf der gemeinsamen Pressekonferenz mit CSU-Chef Horst Seehofer hätte die Kanzlerin dafür heute Gelegenheit gehabt. Aber: "Das klang wie ein Werkstattbericht mit Reperaturarbeiten ohne zündende Ideen. Was der Union fehlt, sind emotionale Gestaltungsziele", sagt Parteienfroscher Korte.

Die werde Merkel aber nicht formulieren, weil sie "in Wirklichkeiten statt Möglichkeiten arbeitet." Das sei durchaus ein Erfolgsrezept über viele Jahre gewesen. "Dennoch: die Union hat noch nicht wirklich damit angefangen, ihr Klientel zu mobilisieren.“

Parteienforscher Korte fasst die vergangenen Wochen so zusammen: "Was wir gerade erleben, sind die Frühjahresfestspiele für die SPD. Weiter geht es mit der Bundespräsidentenwahl, die Steinmeier gewinnt. Besser könnte es für die Sozialdemokraten im Augenblick nicht laufen."

"Ein Fehler wäre es, wenn sich Schulz zu sehr in ein Lager begibt"

Dennoch: Es ist zu früh, Merkel schon abzuschreiben. Bis zur Wahl sind es noch acht Monate, bis dahin kann noch viel passieren.

Es würde Schulz zum Beispiel dramatisch schaden, wenn ein Teil der Partei nicht hinter ihm stehen würde. "Dieses Problem hat die SPD in fast jedem Wahlkampf", sagt Parteienforscher Korte.

Ein Fehler wäre es auch, wenn sich Schulz zu sehr in ein Lager begibt. "Sollte er zum Beispiel einen zu deutlichen Linksruck signalisieren, würde er damit einen großen Teil seiner Anhänger verschmähen."

Flüchtlingskrise: Helft den Helfern!

Die Flüchtlingskrise bewegt die Deutschen wie kein anderes Thema. Viele blicken fassungslos auf das, was sich an Europas Grenzen abspielt. Auf das Leiden und die Nöte der Hilfesuchenden.

Dabei gibt es zahlreiche Menschen und Organisationen, die vor Ort helfen, die Probleme zu lösen. Wie ihr selbst aktiv werden könnt, erfahrt ihr bei unserem Kooperationspartner Betterplace.

(ks)