POLITIK
06/02/2017 18:03 CET | Aktualisiert 07/02/2017 04:51 CET

Angstforscher stellt bei "Hart aber Fair" eine besorgniserregende Diagnose über Trump

Bei Hart aber Fair ging es einmal mehr um US-Präsident Trump
ARD Screenshot
Bei Hart aber Fair ging es einmal mehr um US-Präsident Trump

  • Bei "Hart aber Fair" haben Experten Zuschauerfragen über Donald Trump beantwortet

  • Psychologe Borwin Bandelow stellte dem US-Präsidenten eine angsteinflößende Diagnose

Es war eine besondere Sendung für Moderator Frank Plasberg. Bei "Hart aber Fair“ stand am Montag ausnahmsweise nicht die politische Debatte im Mittelpunkt, sondern die Fragen der Zuschauer.

Die wollten von den geladenen Experten wissen: Wie gefährlich ist der Kurs des US-Präsidenten Donald Trump? Was bedeuten die viel diskutieren politischen Maßnahmen Trumps tatsächlich für die Deutschen?

Die Antworten im ARD-Talk lieferten Ina Ruck, ARD-Studioleiteri in Washington, CDU-Transatlantikexperte Jürgen Hardt, DIW-Präsident Marcel Fratzscher, der Psychiater und Angstforscher Borwin Bandelow und Politologe Christian Hacke.

Die erste Zuschauerin sympathisierte merklich mit dem US-Präsidenten. Sie fragte: "Was ist so schlimm daran, wenn ein Politiker das tut, was er im Wahlkampf versprochen hat?" Sie hält Trump für einen authentischen Politiker und merkte an: "Immerhin haben die Amerikaner ihn gewählt."

Die Experten versuchten mit altbekannten Argumenten zu relativieren. Man müsse erst einmal abwarten, ob Trump tatsächlich seine Wahlversprechen hält, erklärte CDU-Außenpolitiker Jürgen Hardt und würgte die Frage so schnell ab.

Ruck: "Wir wissen nicht, wer gerade das Sagen hat"

Dann ging es wieder einmal um Angst.

ARD-Korrespondentin Ina Ruck machte den Anfang. Sie fühle sich von Trump an ihre Zeit als Berichterstatterin in Russland, an das autokratische System Wladimir Putins, erinnert. Das zeige sich zum einen am Verhältnis der US-Regierung zur amerikanischen Presse, zum anderen an der Machtstruktur in Washington.

Ruck führte aus: "Wir wissen nicht, wer gerade das Sagen hat. Hat es das Kabinett? (...) Oder hat es vielleicht dieser dubiose Kreis von Beratern? Auch da haben wir wieder ein Putin-Déja-vu." Politologe Hacke sprang ihr zur Seite: "Da gibt es schon Figuren, die machen mich nicht ruhiger."

Angst macht auch das Szenario, das der Politologe dann skizzierte. Bei Trump sehe er einen beunruhigenden "Fanatismus“, sagte Hacke. Der Professor erklärte zur Thematik des Einreiseverbots und dem Mauerbau zu Mexiko: "Trump will nicht-weiße Amerikaner aus dem Land drängen. Da steckt Methode dahinter.“

"Ist Trump ein Psychopath?"

Dann wird es spannend: Ist Trump ein Psychopath, will eine Zuschauer wissen. Viele Merkmale des Präsidenten ließen darauf schließen. Er erfülle eine bedenkliche Anzahl der Kriterien der "Psychopathen-Checkliste“ des renommierten kanadischen Psychologen Robert D. Hare.

Der Psychologe der Runde, Borwin Bandelow, lehnte es zwar zunächst ab, eine Ferndiagnose abzugeben. Trotzdem ließ er bald durchblicken, dass er Warnzeichen bei Trump sehe. "Er ist, was Kritik angeht, beratungsresistent, was sich nicht nur auf seine Frisur beschränkt“, erklärte Bandelow unter schallendem Applaus.

"Trump ist beratungsresistent"

Trump sei ein Narzisst, er wolle nicht "America great machen“, er wolle "Donald Trump great machen“. Politiker, die sich selbst so in den Mittelpunkt stellen würden, hätten in der Geschichte schon oft "ihr Land zu Grunde gerichtet“.

Bandelow sieht Parallelen zum türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan und – wie schon ARD-Korrespondentin Ruck – zum russischen Präsidenten Wladimir Putin.

Bandelow: "Trump hat die Lizenz zum Töten"

Und Bandelow wird noch deutlicher: Trump habe eine "Impulskontrollstörung“. Das erkläre seine "impulsiven Handlungen“, die Plasberg anhand eines Videoausschnitts, in dem Trump einen behinderten Reporter nachäffte, veranschaulichen wollte.

Trump mache ihm Sorgen, gibt Bandelow zu. Es klingt fast wie eine düstere Vorahnung: "Er bewundert ja James Bond.“ Jetzt als US-Präsident habe er "die Lizenz zum Töten".

Der US-Präsident habe neben seinem Narzissmus auch einen "manipulativen Charme". Gerade die Leute, die nicht Nutznießer seiner Politik seien, habe Trump damit im Wahlkampf eingelullt. "Er hat auch diese Art in sehr kurzen Sätzen zu sprechen", erklärt Badelow: "Und das kommt bei den Menschen eben gut an."

Badelow weiter: "Dieser manipulative Charme, da steckt natürlich nichts hinter, er kann diese Versprechen gar nicht einhalten."

(cho)