POLITIK
06/02/2017 14:33 CET

Eine automatische Geschwindigkeitsbegrenzung für Autos? Durch diesen Unsinn entsteht ein riesen Schaden

Eine automatische Geschwindigkeitsbegrenzung für Autos? Durch diesen Unsinn entsteht ein Riesenschaden
Morris MacMatzen / Reuters
Eine automatische Geschwindigkeitsbegrenzung für Autos? Durch diesen Unsinn entsteht ein Riesenschaden

Liebe EU-Kommission in Brüssel!

Hier spricht ein leidenschaftlicher Großstadtbewohner. Seit ich 20 bin, besitze ich keinen PKW mehr. Im Winter fahre ich sehr gern U-Bahn. Sobald das Eis von den Radwegen weg getaut ist, hole ich mein Fahrrad aus dem Keller. Ich kenne die Tücken des Straßenverkehrs. In Berlin gleich Fahrradfahren oftmals einem brutalen Kampfsport, der Elemente des Drängelns, des Schubsens und des Faustkampfs miteinander verbindet. Mir ist sehr wohl bewusst, dass motorisierte Raser dabei die größte Gefahr darstellen. Jeder Fahrradfahrer hat in meiner Stadt schon Nahtod-Erfahrungen gemacht. Und so gut wie immer waren Autofahrer involviert, die entweder generell zu schnell unterwegs waren oder deren Geschwindigkeit der Verkehrssituation nicht angemessen war. Jedes Mal, wenn ich in eine solche Situation komme, zweifle ich an der Menschheit. Wie sehr muss man eigentlich seine Mitbürger verachten, um sie wegen ein paar Stundenkilometern mehr in Lebensgefahr zu bringen?

Zweifel an der Menschheit

Aber ehrlich, liebe EU-Kommission: Noch stärkere Zweifel an der Menschheit bekomme ich, wenn ich von Euren Plänen für ein automatisches Bremssystem bei Autos lese. Künftig sollen Neuwagen in der Europäischen Union nicht mehr über das jeweils gültige Tempolimit beschleunigt werden können. Und kommt man - etwa auf einer Autobahn - in einen Straßenabschnitt mit Tempobeschränkungen, soll eine spezielle Technologie auch gegen den Willen des Fahrers einen Bremsvorgang einleiten. Experten glauben, dass dadurch die Zahl der Verkehrsopfer um 37 Prozent gesenkt werden könnte. Womit auch gleich das passende Totschlag-Argument geliefert wäre: Denn wer kann schon dagegen sein, dass die Zahl der von Rasern überfahrenen Menschen gesenkt wird? Bei den Moralaposteln ist lauter Applaus zu hören.

Es gibt keine Demokratie ohne die Freiheit, Fehler zu machen

Was für ein Schaden durch diesen Unsinn entsteht, mag den wenigsten derzeit bewusst sein. Unsere Freiheit, mehr noch, unser gesamtes demokratisches System haben wir einer Einsicht zu verdanken, die sich glücklicherweise im 18. Jahrhundert mit der Aufklärung durchzusetzen begann: Der Mensch ist von Natur aus mit Verstand ausgestattet. Deswegen darf man ihm sehr wohl zutrauen, eigene Entscheidungen zu treffen. Nicht immer sind diese Entscheidungen gut, manchmal sogar außerordentlich dumm. Aber nur, wenn wir Entscheidungen treffen können, sind wir wirklich frei. Das macht verdammt noch mal ein demokratisches Land aus. Die Einführung eines automatisches Bremssystem wäre nicht nur eine unerträgliche Gängelei. Es müsste auch – vor allem für die Elitenkritiker von rechts – als weiterer Beweis dafür herhalten, wie sehr "die da oben" ihre Bürger verachten. Dieser Verbots-Irrsinn ist nämlich ein Acker, auf dem die Populisten sehr gerne ernten gehen.

Lasst die Raser lieber zahlen

Die Zahl der Verkehrstoten sinkt übrigens seit Jahrzehnten. Und nicht jeder Autofahrer ist ein potenzieller Mörder, so wie es ein automatisches Bremssystem suggeriert, das alle gleichsam aufs Tempolimit zwingt. Um den Rüpeln im Straßenverkehr dennoch Einhalt zu gebieten, gibt es ein sehr gutes Mittel: drastische Geldstrafen. Kein Lieferwagenlenker und kein Berufskraftfahrer würde sich daran stören, wenn Geschwindigkeitsübertretungen von über 40 Stundenkilometern innerhalb von Ortschaften mit einem Monatsgehalt Geldbuße belegt würden. So irre fährt nämlich niemand, der es gewohnt ist, Verantwortung zu übernehmen. Wenn dabei Menschen in Gefahr waren, etwa in der Nähe von Schulen, könnte man diese Strafe auch auf zwei Monatsgehälter verdoppeln. Nicht genügend Abstand beim Überholen von Radfahrern? Kann man wegen der dadurch entstehenden Gefahrensituation gern mit 300 Euro bestrafen. Fahrradfahrer, die auf Gehwegen Passanten touchieren? Sollen jedes Mal bitte 250 Euro Strafe zahlen. Die abschreckende Wirkung solcher Geldbußen dürfte sich auch auf die Verkehrsstatistik auswirken. Wer entscheiden darf, muss dann eben auch mit den Konsequenzen seiner Entscheidungen leben lernen. Das wäre eine demokratische Verkehrspolitik.