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06/02/2017 11:29 CET

Stoibers Ex-Wahlkampfleiter ätzt gegen Unions-Gipfel: "SPD und CDU können besser zusammenarbeiten als CSU und CDU"

ullstein bild via Getty Images
Der ehemalige Wahlkampfleiter Edmund Stoibers, Michael Spreng, nennt die Versöhnung von CDU und CSU "verlogen"

  • Der ehemalige Wahlkampfleiter Edmund Stoibers, Michael Spreng, nennt die Versöhnung von CDU und CSU "verlogen"

  • Die CSU könnte nach der Wahl in die Opposition gehen

Am Montag hat auch die CSU CDU-Chefin Angela Merkel als Kanzlerkandidatin nominiert. Auf dem Treffen der Parteipräsidien in München waren der bayerische Ministerpräsident Horst Seehofer und Merkel bemüht, Einigkeit zu demonstrieren.

Nach mehr als eineinhalb Jahren, in denen Seehofer sich alles andere als zurückhielt mit Kritik an der Kanzlerin, ist die Versöhnung jedoch nicht für alle Beobachter glaubwürdig. Am schärfsten rechnete der Journalist und Politikberater Michael Spreng mit dem Treffen ab.

Spreng kennt die Union, er leitete 2002 den Wahlkampf des damaligen CSU-Chefs Edmund Stoiber, später beriet er den CDU-Kandidaten Jürgen Rüttgers im Landtagswahlkampf in Nordrhein-Westfalen.

"Die verlogenste Veranstaltung des Jahres"

Die Kritik von Spreng fällt vernichtend aus. Das Treffen von Merkel und Seehofer bezeichnete er auf seinem Blog "sprengsatz" bereits am Samstag als "eine der verlogensten politischen Veranstaltungen des Jahres". Sprengs Begründung: Nur der "gemeinsame Machterhaltungstrieb lässt das Unvereinbare wieder vereinbar erscheinen."

Denn eigentlich würden CDU und CSU nicht mehr zusammen gehören. Die Positionen sind zu verschieden, besonders in der Flüchtlingspolitik und bei der Forderung Seehofers nach einer Obergrenze für Zuwanderung.

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Die CSU in der Opposition wäre kein Schaden

Am Montag haben Seehofer und Merkel vereinbart, über die Obergrenze erst nach der Wahl wieder zu sprechen. Für Spreng ist das nicht genug.

Er prognostiziert sogar: Wenn ohne CDU/CSU nach der Wahl keine Regierung gebildet werden könnte, könnte die CSU wirklich in der Opposition landen - wie Seehofer in der Vergangenheit so gerne angekündigt hatte.

Spreng argumentiert: "Denn Seehofers CSU will kein Bündnis eingehen, das keine Obergrenze vereinbart. Und er lehnt eine Koalition mit den Grünen ab." In letzte Konsequenz hieße das, dass die CSU in die Opposition gehen müsste.

Für den Unions-Insider Spreng wäre das aber gar kein Schaden für die Bundesrepublik, im Gegenteil: "Eine Regierung nur aus CDU und SPD oder aus CDU, SPD und den Grünen könnte loyaler und wahrscheinlich erfolgreicher zusammenarbeiten als CDU und CSU."

Momentan spreche vieles im Wahlkampf jedoch für die SPD. Die Unglaubwürdigkeit der Aussöhnung von CSU und CDU würde die Wähler zu einem "authentischen Mann wie Martin Schulz" treiben.

Harte Worte von einem ehemaligen Wahlkampfleiter der CSU.

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(ks)