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04/02/2017 17:00 CET | Aktualisiert 17/02/2017 12:28 CET

Machtkampf im Weißen Haus - jetzt gibt es Streit in Trumps Team

Es rumpelt in Trumps Kiste - Machtkämpfe in Trumps Team
Jonathan Ernst / Reuters
Es rumpelt in Trumps Kiste - Machtkämpfe in Trumps Team

  • Donald Trump ist seit zwei Wochen Präsident der Vereinigten Staaten

  • Doch bereits jetzt sind interne Konflikte in seinem Team ausgebrochen

  • Die Gründe sind vielfältig, doch Streit war vorherzusehen

Es ist eine Entscheidung, die Donald Trumps Tatendrang vorerst ausbremst. Die US-Regierung hat die vom Präsidenten verfügten Visa-Sperren für zehntausende Ausländer am Samstag aufgehoben.

Es läuft also nicht alles nach Plan, auch nicht intern. Denn zwischen dem Weißen Haus und den Regierungsbehörden gibt es Streit.

So soll es zwischen Trumps Chefstrategen Stephen Bannon und Heimatschutzminister John Kelly gekracht haben, wie die "Washington Post" berichtet.

Kelly habe sich einer Anweisung Bannons im Zuge des Einreisestopps widersetzt. Laut der US-Zeitung tat der Innenminister das, da Bannon ihm schlicht nicht vorgesetzt ist - unabhängig davon, ob der Chefberater eine hohe Position im Weißen Haus inne hat und dem Präsidenten nahesteht. Nähe zu Trump ist also nicht immer auch Trumpf.

Mehr zum Thema: Der Schattenpräsident: Trump-Berater Stephen Bannon ist der mächtigste Mann der Welt - und er ist gefährlich

Trumps weiteres Problem: Er hat noch nicht alle Schlüsselstellen in der Regierung mit eigenen Leuten, andere Positionen vor Kurzem überhaupt erst neu besetzt. Das ist hinderlich, wenn es darum geht, Dekrete kurz nach der Amtsübernahme durch die Instanzen zu peitschen, so wie es Trump in den ersten Tagen seiner Amtszeit vorhatte.

Streit unterschiedlicher Fraktionen

Doch Zwist droht ihm auch in seinem eigenen Team.

Trumps innerer Zirkel besteht neben Bannon aus Schwiegersohn Jared Kushner, Stabschef Reince Priebus, Beraterin Kellyanne Conway, seiner Tochter Ivanka und Berater Stephen Miller.

Einerseits misstrauen diese den Behörden. Wie ein Insider gegenüber "Politico" erzählt, glaubt Trumps Team nicht, dass all ihre Anweisungen und Vorhaben wie gewünscht umgesetzt werden.

Andererseits gibt es auch innerhalb des Zirkels starken Dissens.

"Bereits jetzt streiten unterschiedliche Fraktionen um die Aufmerksamkeit des 70-Jährigen, dazu sucht der Präsident weiterhin in seinem Bekanntenkreis außerhalb des Weißen Hauses Rat", kommentiert die "Süddeutsche Zeitung" (SZ).

So begleiten einige Berater Trump inzwischen auf Veranstaltungen, wo sie eigentlich nichts zu suchen hätten. Nur um dem Präsidenten nahe zu sein - und damit die eigene Stellung zu betonen.

Lagerkampf bei Trump

Laut "SZ" gibt es derzeit zwei Lager: Auf der einen Seite Bannon und Miller (die, nicht zu vergessen, eben auch mit Kelly oder Außenminister Rex Tillerson in Konflikt stehen). In den Anfangstagen scheint Trump besonders auf sie zu hören. Den beiden steht Priebus gegenüber. Alternative Rechte gegen politisches Establishment der Republikaner.

Pikantes Detail: Bannon ließ Trump das Dekret zum Einreisestopp ausgerechnet an einem Freitagnachmittag kurz vor Sonnenuntergang unterschreiben. So konnte Kushner, der gläubiger Jude ist und bereits auf dem Weg in den Sabbat war, nicht mehr eingreifen.

Ist doch Trumps Schwiegersohn "ein beschwichtigendes Element gegenüber seinem launenhaften Boss", wie "Vanity Fair" das Verhältnis der beiden umschreibt.

Wer bekommt Trumps Ohr?

Aus Sicht von "CNN" sind größere Konflikte nur noch eine Frage der Zeit: Die Mitglieder des inneren Zirkels "haben alle gegensätzliche Sichtweisen auf zentrale Fragen - eine Dynamik, die sich bereits bei Trumps Wahlkampf gezeigt hatte und nun auch in seiner Administration zu erwarten ist."

Zudem sprachen Analysten im US-Fernsehen bereits kurz nach Bekanntgabe der zentralen Personalien von einer Fülle an Konfliktpotenzial. Das könnte sich früher oder später entladen, wenn Trump seine zahlreichen Wahlversprechen nicht einhält. Denn beiden Seiten kann es Trump schließlich nicht recht machen.

Es bleibt also abzuwarten, ob er eher auf den gemäßigteren Priebus oder den Hardliner Bannon hört. Egal wie sich Trump entscheidet - Streit ist programmiert.