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04/02/2017 05:14 CET | Aktualisiert 04/02/2017 08:19 CET

"Nicht jeder, der als Messias gefeiert wird, ist auch einer": Union rückt im Kampf gegen Schulz zusammen

SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz
NurPhoto via Getty Images
SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz

  • Unions-Politiker teilen weiter gegen Martin Schulz aus

  • CDU und CSU wollen sich im Kampf gegen die SPD versöhnen

  • Am Sonntag und Montag kommt es zu Gipfeltreffen zwischen den Unionsparteien

Die SPD freut sich derzeit über ihre Wiedergeburt. In den Umfragen legt die Partei stark zu und ihr Kanzlerkandidat Martin Schulz würde aktuell Angela Merkel in der Direktwahl schlagen.

Kein Wunder, dass Politiker in der Union nervös werden.

In den vergangenen Tagen kamen immer wieder Attacken aus der CDU gegen Schulz. Jetzt hat sich auch CDU-Vize Julia Klöckner eingeschaltet.

"Politischer Gegner ist jetzt klar"

Sie hält Schulz für maßlos überschätzt. "Nicht jeder, der als Messias gefeiert wird, ist auch einer. Auch Herr Schulz wird noch den Tatsachenboden berühren", sagte Klöckner der "Welt" mit Blick auf die steigenden Umfragewerte für die SPD.

"Wir sind im Februar und nicht im Wahlmonat September, deshalb rate ich zu Gelassenheit und guter Vorbereitung."

Klöckner legte später auf Twitter nach. In Bezug auf Schulz Äußerung, dass es in Deutschland nicht gerecht zugehe, schrieb sie: "Und das liegt sicher daran, dass seine Partei seit Jahrzehnten in keiner Regierung und er noch nie in Brüssel gewesen ist. Sicher. Nicht."

CDU-Präsidiumsmitglied Jens Spahn sagte dem "Kölner Stadt-Anzeiger": "Es haben hoffentlich jetzt alle verstanden, dass der politische Gegner nicht die eigene Schwesterpartei ist." Spahn spielte damit auf den Streit in der Union um den Flüchtlingskurs an.

"SPD bleibt unser Hauptgegner"

An diesem Sonntag kommen zunächst die Parteispitzen in München zusammen, am Montag folgt eine Sitzung beider Parteipräsidien, auf der Merkel auch von der CSU als gemeinsame Kanzlerkandidatin ausgerufen werden soll.

CDU-Generalsekretär Peter Tauber sagte der Deutschen Presse-Agentur, mit der Kandidatur von Martin Schulz lägen die Alternativen nun auf der Hand: eine bürgerliche Regierung unter Merkel oder Rot-Rot-Grün unter dem Sozialdemokraten Martin Schulz.

"Wir haben immer klar gesagt, die SPD bleibt unser Hauptgegner. Da ist die Frage, wer der Kanzlerkandidat ist, gar nicht so wichtig."

In den vergangenen Tagen hatte vor allem eine Millionen-Abfindung bei VW für Streit zwischen der CDU und SPD gesorgt.

Streit um Abfindungen bei VW

Jens Spahn, CDU-Staatssekretär im Finanzministerium, sagte etwa: "Gegen Boni wettern, aber üppigen Zahlungen für Parteifreunde zustimmen - das passt nicht zusammen."

Der Auslöser war eine Zahlung von zwölf Millionen Euro an das scheidende VW-Vorstandsmitglied Christine Hohmann-Dennhardt. Die Juristin ist SPD-Mitglied - und ihre Abfindung genehmigte der Aufsichtsrat, in dem unter anderem Niedersachsens Ministerpräsident und Parteifreund Stephan Weil sitzt.

Die Retourkutsche der SPD lies nicht lange auf sich warten:

"Es ist schwer irritierend, dass sich ausgerechnet Jens Spahn in die Debatte um zu hohe Managergehälter einmischt", sagt etwa der finanzpolitische Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion Lothar Binding im Gespräch mit der Huffington Post. Alle Vorstöße der SPD gegen hohe Managergehälter seien in den vergangenen Jahren stets am Widerstand der Union gescheitert.

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