LIFE
02/02/2017 11:33 CET | Aktualisiert 02/02/2017 12:02 CET

Universität verabreicht Studenten lebensgefährliche Koffein-Dosis, weil ein Komma verrutscht ist

Studenten tranken die Koffein-Dosis von 300 Tassen Kaffee - auf ein Mal
Kerkez via Getty Images
Studenten tranken die Koffein-Dosis von 300 Tassen Kaffee - auf ein Mal

Dieser Fehler bei einer Experiment macht sprachlos: An einer englischen Universität hat das Forschungspersonal die Koffein-Dosis mit dem Handy berechnet - und dabei ein Komma falsch gesetzt. Zwei Sport-Studenten hätte dieses Missgeschick fast das Leben kosten können. Die Universität wurde nun zu einer Strafzahlung verurteilt.

Das Experiment klingt zunächst harmlos. Die Forscher der Northumbria University in Newcastle wollten im Jahr 2015 die Auswirkungen von Koffein auf körperliches Training herausfinden. Das berichtet der englische Sender BBC.

Dafür mussten die Freiwilligen auch dem deutschen Nachrichtensender n-tv zufolge einen Mix aus Wasser, Orangensaft und Koffeinpulver trinken .

So wie die beiden Sportwissenschaftler Alex R. und Luke P., die heute 20 Jahre alt sind.

Das Personal berechnet Koffein-Dosis mit dem Handy

Nachdem die Universität aber von Koffein-Tabletten auf Pulver umgestiegen ist, mussten die Forscher am Tag des Vorfalls umrechnen: Und zwar wie viel des Koffeinpulvers den Studenten gegeben werden darf.

Das Studien-Personal kalkulierte dem Bericht zufolge die Dosis auf einem Handy - und setzte dabei das Komma an die falsche Stelle. Das Problem: Es war kein Arzt bei dem Experiment anwesend, wie die Anklage der BBC zufolge jetzt kritisiert. Zudem soll die Universität auch nicht sichergestellt haben, dass das Personal weiß, wie mit dem Pulver umzugehen ist.

So viel Koffein wie in 300 Tassen Kaffee

Daher ist der Komma-Fehler wohl auch nicht aufgefallen. Stattdessen bekamen die Probanden an jenem Tag vor zwei Jahren 30 Gramm Koffein statt 0,3 Gramm. Zum Vergleich ein normaler Kaffee hat 0,1 Gramm. Damit entspricht die Dosis 300 Tassen Kaffee - auf ein Mal.

Das klingt viel - ist es auch. Zwar gibt es sehr unterschiedliche Informationen, wie hoch eine tödliche Dosis bei Koffein ist. Aber das Therapie-Handbuch "Neuro-Psychopharmaka" zum Beispiel nennt eine Spanne von 5 bis 30 Gramm als akute letale Dosis, andere Quellen sehen eine tödliche Wirkung bei rund 10 Gramm als möglich an.

Das wussten die heute 20 Jahre alten Studenten zu diesem Zeitpunkt aber nicht. Sie tranken den Shake - mit schrecklichen Folgen. Wegen den Nebenwirkungen wie kurzzeitigem Gedächtnisverlust, Nierenversagen, Übelkeit mussten die beiden auf die Intensivstation, wie der Nachrichtensender berichtet. Mit einer Dialyse wurde ihnen dort dann das Koffein aus dem Blut gezogen.

Die beiden jungen Männer hatten Glück, sie überlebten. Körperlich sollen sie dem Bericht zufolge auch wieder fit sein. Einer hat jedoch immer noch Probleme mit seinem Kurzzeitgedächtnis.

Universität muss 465.000 Euro Strafe zahlen

Die Universität musste sich deshalb nun auch vor Gericht verantworten und wurde zu einer Strafe von rund 465.000 Euro verurteilt. Gleichzeitig hat sich die Bildungseinrichtung bei den Studenten entschuldigt.

Die Verteidigung betonte zudem, dass die Universität das Wohlergehen seiner Studierenden und seiner Mitarbeiter ernst nehme. Aber damals wohl nicht genug.

Auch auf HuffPost:

Dieser Mann wurde blind – wegen eines einfachen Fehlers, den viele jeden Abend machen

(pb)