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01/02/2017 06:36 CET | Aktualisiert 01/02/2017 16:00 CET

Viele Kinder in Südafrika sind immun gegen AIDS - selbst Experten stehen vor einem Rätsel

Jahr für Jahr infizieren sich hunderttausende Menschen mit dem HI-Virus. Sowohl die Krankheit als auch der Erreger ist ein globales Problem, auch wenn es inzwischen Medikamente gegen den Ausbruch der Immunschwächekrankheit gibt.

Nun haben Forscher des Max von Pettenkofer-Institut der Universität München und der University of Oxford eine bemerkenswerte Entdeckung gemacht.

Nachdem sie das Blut von 170 HIV-positiven Kindern aus Südafrika untersucht hatten, bemerkten sie, dass überraschenderweise bei keinem der Kinder die tödliche AIDS-Krankheit ausgebrochen war.

Was die Wissenschaftler noch mehr überraschte: Das Immunsystem aller untersuchten Kinder war vollkommen intakt.

"Diese Kinder haben hoch wirksame, breit neutralisierende Antikörper gegen HIV entwickelt“, sagt der DZIF-Wissenschaftler Dr. Maximilian Muenchhoff von der LMU in München.

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HIV und AIDS sind nach wie vor ein globales Problem. Credit: Corbis

Die immunologischen Untersuchungen zeigten, dass der Virus sich im Körper der Kinder zwar sehr stark vermehrte, sie aber dennoch nicht erkrankten.

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Die Mechanismen der Immunantwort von gesunden HIV-infizierten Kindern ähneln interessanterweise denen bestimmter Affen, die natürliche Wirtstiere des Simian Immunodeficiency-Virus (SIV) sind, von dem der HI-Virus ursprünglich abstammt.

"Diese Primaten leben weitgehend unbeschadet mit dem Virus, ohne zu erkranken – trotz starker Virusvermehrung“, erklärt Muenchhoff.

Das vollständige Rätsel ist noch nicht gelöst

Den genauen Grund der Immunantwort der Kinder konnten die Wissenschaftler noch nicht vollständig entschlüsseln. Dennoch sind die Erkenntnisse der Studie sowohl für die Entwicklung von HIV-Impfstoffen als auch für mögliche Interventionen bei chronischen HIV-Infektionen von großer Bedeutung.

"Dies ist eine bemerkenswerte klinische Studie aus dem Epizentrum der HIV-Pandemie“, sagt Professor Oliver T. Keppler, Vorstand der Virologie am Max von Pettenkofer-Institut der LMU und ehemaliger Leiter des Nationalen Referenzzentrums für Retroviren in Frankfurt am Main.

Die Entdeckung könnte einen Durchbruch für die Medizin bedeuten

Die Fähigkeit dieser Kinder, trotz großer Virusmengen und ohne Therapie ein intaktes Immunsystem zu erhalten, kann neue Erkenntnisse zu bis dato unbekannten Abwehrmechanismen liefern. "Von dieser Entdeckung könnten in Zukunft eventuell auch andere HIV-Patienten profitieren“, sagt der Wissenschaftler.

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HIV-Patient in Südafrika: "Eine bemerkenswerte klinische Studie aus dem Epizentrum der HIV-Pandemie.“ / Credit: Corbis

Laut einer Studie des Robert Koch Instituts ist die Zahl der Menschen, die sich 2015 neu mit HIV infiziert haben, ähnlich hoch wie im Jahr zuvor; das Institut schätzt ihre Zahl bundesweit auf rund 3.200 und in Bayern auf etwa 390. Für das Jahr 2016 liegen noch keine genauen Ergebnisse vor.

Sollte es den Forschern gelingen, das Rätsel vollständig zu entschlüsseln, könnte dies einen Durchbruch in der Medizin bedeuten und Tausenden von Menschen neue Hoffnung geben.

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(ame)