POLITIK
02/02/2017 00:05 CET | Aktualisiert 16/03/2017 18:29 CET

Maischberger hält die Luft an: Polizist geht auf Berliner SPD-Politiker los

  • In der ARD-Talkshow "Sandra Maischberger" diskutieren die Gäste über "Polizisten – Prügelknaben der Nation?"

  • In der hitzigen Debatte geraten ein Polizist und ein SPD-Politiker aneinander

  • Der Polizist sagt: "Wenn ich Ihnen jetzt eine scheuern würde ..."

  • Die besagte Szene seht ihr oben im Video

Es scheint immer schlimmer zu werden. Polizeibeamte werden beschimpft, bedroht, sind unterbezahlt und fühlen sich überfordert - oder jammern sie einfach nur zuviel über Dinge, die schon immer zur Realität ihrer Arbeit gehörten? "Polizisten – Prügelknaben der Nation?", fragte Sandra Maischberger die Gäste in ihrer Talkshow am Mittwochabend.

Der Moderatorin gelang es perfekt, die gesellschaftliche Situation zusammenzufassen: Polizei und Justiz schieben sich gegenseitig den schwarzen Peter zu, die Politik beschwichtigt - und die Bürger staunen ungläubig.

Die Polizistin Regina Lenders berichtete, wie sie im Einsatz als "Bullensau", "Lesbenschlampe" oder "Nazisau" beschimpft wurde. Oder sie bekomme Kommentare zu ihrem "geilen Arsch".

Nachdem sie nach einer Aussage vor Gericht bedroht wurde, holt sie ihren Sohn immer selbst vom Kindergarten ab. Nach 37 Jahren im Dienst der Polizei ist sie der Ansicht, dass es noch nie so schlimm war. "Das macht was mit einem."

Richter hat kein Verständnis für die Klagen der Polizei

Thomas Fischer, Vorsitzender Richter des 2. Strafsenats des Bundesgerichtshofs, schüttelte verständnislos den Kopf. "Ich finde es überraschend, dass jemand nach 37 Dienstjahren auf die Idee kommt, dass es schrecklich ist, wenn man jemand auf den Boden schmeißen muss und dann beleidigt wird." Aus seiner beruflichen Erfahrung könne er nicht bestätigen, dass Angriffe auf Polizeibeamte zugenommen hätten.

Blumenhändlerin Heike Osterberg aus Berlin berichtete, wie sie im Laden ein ums andere Mal beklaut wurde. Obwohl es ihr durch einen Facebook-Aufruf gelungen ist, den Namen des Täters und seine Lieblings-Spielothek herauszufinden, wurde das Verfahren "wegen fehlender Ermittlungsansätze" eingestellt.

Noch schlimmer: Eine Trickbetrügerin wurde direkt in ihrem Laden festgenommen. Doch es kam zu keinem Verfahren, da die Verdächtige "keinen Aufenthalt im Bundesgebiet" hatte.

"Arroganz der Justiz gegenüber den Opfern"

"Vor zehn Jahren hat der Kontaktpolizist meinem Hund Steckies mitgebracht", erinnerte sie sich. Heute müsse man Streifenpolizisten suchen. Verfassungsrichter Fischer winkt ab: "Der U-Bahn Treter wird doch nicht durch Polizei-Steckies überführt!"

Hier empörte sich der Polizeigewerkschafter Rainer Wendt: "Ziehe Sie das doch nicht ins Lächerliche." Die Einstellung Fischers sei typisch für die "Arroganz der Justiz gegenüber den Opfern".

Gegen Ende der Sendung gerieten Polizei und Politik aneinander. Der Berliner Politiker Christopher Lauer ist von den Berliner Piraten zur SPD gewechselt. Er behauptete, es sei wahrscheinlicher "im Lotto zu gewinnen, als Opfer einer Straftat in der U-Bahn zu werden". Lauer wandte sich gegen die von Wendt geforderte Videoüberwachung. In den USA könne man sehen, dass so "ein Staat ganz schnell kippen kann".

"Wenn ich Ihnen jetzt eine scheuern würde ..."

Der Bundespolizist Nick Hein hört sich die Ausführung still an, bis ihm der Kragen platzt. Er versucht Lauer den Nutzen der Videoüberwachung so zu erläutern: "Wenn ich aufstehen würde und Ihnen vor laufender Kamera eine scheuern würde, dann hätten Sie das Beweismaterial." Maischberger hält die Luft an.

"Oder aber Sie hinterfragen die gesellschaftlichen Faktoren, warum ich das getan habe, lassen die Anzeige sausen und überlegen, ob Sie nicht eine Teilschuld haben, weil Sie mir mit Ihrer weltfremden Meinung etwas auf die Nerven gegangen sind." Lauer wurde auf einmal ganz still.

Maischberger grätschte schnell rein, um die beiden auseinanderzubringen und übergab das Wort an Fischer: Ob es stimme, dass es durch den Rückgang der Polizeipräsenz zu einer Zunahme der Straftaten komme?

Der, juristisch korrekt: "Das habe ich so nicht gesagt - aber es stimmt wahrscheinlich trotzdem."

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(sk)