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01/02/2017 17:17 CET | Aktualisiert 02/02/2017 05:08 CET

Umstrittene Gesundheitsprämie: Daimler bezahlt Mitarbeiter dafür, nicht krank zu sein

Daimler führt die umstrittene Gesundheitsprämie ein
Alexander Koerner via Getty Images
Daimler führt die umstrittene Gesundheitsprämie ein

  • Der Automobilkonzern Daimler hat eine Gesundheitsprämie eingeführt

  • Das Unternehmen zahlt damit künftig Mitarbeitern einen Bonus, wenn sie nicht krank werden

  • Die Prämie gilt als umstritten und potenziell diskriminierend

Zwei Jahre lief sie nur als Pilotversuch, seit Beginn des Jahres steht die sogenannte "Gesundheitsprämie" nun in der Betriebsvereinbarung der Daimler AG.

Das bedeutet: Ein Mitarbeiter, der in einem Quartal nie krank wird, bekommt 50 Euro für seine Gesundheit. Bei einem Ausfalltag im Quartal sind es nur noch 30 Euro extra, ab dem zweiten Fehltag fällt der Bonus ganz aus. Das berichtet "Spiegel Online".

Ob das nun fair ist oder nicht, darüber waren sich die Mitarbeiter des Automobil-Konzerns wohl uneins. Vor allem junge Kollegen hätten sich über die Geldleistung gefreut, berichtete die "Stuttgarter Zeitung" bereits kurz nach der Testphase.

"Man hat sich halt ins Büro geschleppt"

Viele Mitarbeiter hätten sich allerdings auch selbst unter Druck gesetzt und seien krank ins Büro gekommen. "Wegen eines Schnupfens oder Hustens hat sich eigentlich niemand mehr krankschreiben lassen. Man hat sich halt ins Büro geschleppt, um die Prämie nicht zu verlieren", zitierte die Zeitung einen anonymen Mitarbeiter.

Manche Arbeitnehmer hätten im Krankheitsfall gar lieber Überstunden abgebaut, um eine Krankmeldung zu umgehen, hieß es in dem selben Bericht.

Was erhofft sich das Unternehmen selbst von der Prämie? Arbeitsrechtler vermuten, dass Daimler durch sie die Krankmeldungen um fünf bis sechs Tage jährlich reduzieren kann, berichtet der SWR.

Diskriminierung oder netter Bonus?

Von offizieller Seite ist die Begründung allerdings eine andere.

"Wir haben die Erfahrung gemacht, dass viele Beschäftigte innerhalb eines Jahres nicht einen Tag krankheitsbedingt fehlen und Tag für Tag für das Unternehmen im Einsatz sind. Genau dieses Engagement möchte die Daimler AG honorieren", sagte Daimler-Sprecher Heiko Pappenberger der "Stuttgarter Zeitung" im Dezember.

Niemand solle krank zur Arbeit kommen, nur um des zusätzlichen Bonus willen, betonte Pappenberger. Man vertraue darauf, dass die Mitarbeiter das richtige Maß erkennen würden.

Kritiker bemängeln, die Prämie diskriminiere behinderte, chronisch Kranke und Frauen. Außerdem trage sie zu einem schlechten Arbeitsklima bei.

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(jg)