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01/02/2017 07:52 CET | Aktualisiert 01/02/2017 08:49 CET

Dieses Foto des Protests gegen Trump bewegt Hunderttausende - das steckt dahinter

Getty

In den USA versammeln sich immer noch Tausende Menschen auf Flughäfen, um gegen Donald Trump zu protestieren.

Der Hintergrund: Der Einreisestopp für Bürger aus sieben mehrheitlich muslimischen Ländern, den Trump am vergangenen Freitag verhängte.

Vor allem ein Bild der Proteste gegen die Order Trumps ging in sozialen Netzwerken viral und bewegte Hunderttausende User auf der ganzen Welt.

Treffen berührt Tausende

Geschossen hat es am 30. Januar der Fotograf Nuccio DiNuzzo am Flughafen in Chicago. Das Bild zeigt den Moment, in dem sich zwei Väter mit ihren Kindern begegnen - den Rabbi Jordan Bendat-Appell den gläubigen Muslim Fatih Yildirim. Die Kinder der beiden sind 9 und 7 Jahre alt.

Der Rabbi erklärte gegenüber der Huffington Post, dass er Yildirim erst an dem Tag am Flughafen getroffen habe.

"Mein Sohn Adin wollte weiter vor an die Spitze der Menge, um die Menschen, die vorbeikamen, besser zu sehen", erklärt der Rabbi. "Er war ziemlich aufgeregt und er wollte auf meine Schultern und auf einmal standen wir neben Fatih und seiner Familie."

Nicht wichtig, ob der andere Jude oder Muslim ist

Bendat-Appell sagte weiter, dass er ein "sehr nettes Gespräch" gehabt habe. Als das Foto gemacht wurde, habe ihn Yildirim gefragt, wo es denn ein koscheres Steakhaus gebe.

"Großartig war, dass eine sehr menschliche Begegnung war - nicht zwischen einem Juden und einem Muslim, sondern zwischen zwei Menschen, die sich so ähnlich sehen, dass sie auch Brüder sein könnten und sich für das aufstehen, was richtig ist", erklärt der Rabbi.

DiNuzzo twitterte das Foto mit der Bildzeile "Ohne Titel" und erhielt rund 10.000 Likes.

Das Foto schaffte es auch auf die erste Seite der Online-Community "Reddit" mit der Zeile: "Empathie: Die Fähigkeit, die Gefühle anderer zu verstehen und zu teilen."

"Müssen für die Unterdrückten aufstehen"

Bendat-Appell und Yildirim tauschten Nummern aus und haben auch nach den Protesten Kontakt gehalten. Der Rabbi lud Yildirim zum einem Sabbat-Abendessen ein. "Ich mache Steak, er bringt Baklava mit", sagt Bendat-Appell.

Der Rabbi sagte gegenüber der HuffPost, dass es enorm wichtig gewesen sei, an diesem Tag zum Flughafen zu fahren, um zu demonstrieren.

"Wir als Juden glauben, dass es unsere Verpflichtung ist, für die Unterdrückten aufzustehen; unsere Geschichte der Verfolgung lehrt uns, dass wir im Angesicht von Ungerechtigkeit nicht untätig sein dürfen."

"Müssen für die Unterdrückten aufstehen"

Weiter sagte Bendat-Appell:

"Ich hoffe, wenn Menschen dieses Foto sehen - und ich glaube, Fatih denkt genauso wie ich - dass sie erkennen, dass wir zusammenkommen können. Dass wir alle Menschen sind. Und sogar Kinder können verstehen, dass wir als Menschen eine einfache Wahl haben, die uns zu Menschen macht: Wir können uns aussuchen, ob wir liebend oder fürsorglich sind, sogar wenn wir einen Grund haben, uns zu fürchten oder uns gegenseitig zu misstrauen."

"Wir freuen uns, wenn das Foto ein bisschen mehr Liebe und Licht in die Welt bringen kann."

Dieser Artikel erschien ursprünglich bei Huffington Post USA und wurde von Benjamin Reuter übersetzt.

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