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31/01/2017 17:49 CET | Aktualisiert 31/01/2017 20:38 CET

Trumps verhängt Einreisestopp für Muslime - und zahlreiche Islamisten feiern ihn dafür

Islamisten feiern in den sozialen Netzwerken das von Donald Trump erlassene Einreiseverbot
Carlos Barria / Reuters
Islamisten feiern in den sozialen Netzwerken das von Donald Trump erlassene Einreiseverbot

  • Islamisten feiern in den sozialen Netzwerken das von Donald Trump erlassene Einreiseverbot

  • Der Einreisestopp passt ins Kalkül der Terroristen des Islamischen Staats

Es wurde oft gesagt und geschrieben in den letzten Tagen: Der neue US-Präsident Donald Trump stärkt mit seinem Einreisestopp für Muslime im Grunde nur die islamistischen Terroristen.

Und das, wovor Sicherheits- und Außenpolitikexperten in den USA und der ganzen Welt gewarnt hatte, scheint jetzt eingetroffen. Denn in den sozialen Netzwerken feiern Islamisten gerade besonders einen: den amerikanischen Präsidenten.

"Bester Werber für den Islam"

Wie “Spiegel Online” berichtet, nennen die IS-Unterstützer Trumps Einreisestopp den “gesegneten Bann”. Bei Facebook, Twitter und dem Kurznachrichtendienst Telegram, der bekanntlich gerne von der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) genutzt wird, preisen die User Trump als “besten Werber für den Islam”.

Der Hintergrund: Trumps Einreisestopp lässt sich von der islamistischen Propaganda benutzen - um zu verdeutlichen, dass die westliche Welt der Feind alle Muslime wäre. "Spiegel Online" zitiert aus einem IS-Magazin, das genau diese Strategie erläutert: Der IS wolle den Westen mit seinen Anschlägen provozieren, Muslime zu diskriminieren. Wütende Muslime würden dann zum IS überlaufen, so hofft es die Terrororganisation.

Das derzeitige Einreiseverbot könnte eine ähnliche Wirkung haben. Es betrifft zwar nicht nur Muslime. Allerdings sind die sieben betroffenen Länder vorwiegend muslimisch geprägt.

Experten waren: Einreiseverbot sei kontraproduktiv

Aus diesem Grund haben Experten schon kurz nach Erlass der Verbots vor seinen Folgen gewarnt. Der ehemalige Koordinator für Terrorbekämpfung im US-Außenministerium, Daniel Benjamin, sagte der US-Tageszeitung "New York Times", das Einreiseverbot sei wahrscheinlich kontraproduktiv.

"Es übermittelt unmissverständlich die Botschaft an amerikanische Muslime, dass ihnen Diskriminierung und Isolation bevorstehen", sagte er. Das würde nur die "dschihadistische Erzählung" füttern, dass die USA mit dem Islam auf Kriegsfuß stünden - und einige Muslime dazu verleiten, einen Anschlag zu planen.

Ein Gegenbeispiel gibt es auch: Als Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) im Sommer 2015 explizit die Willkommenskultur für Flüchtlinge vertrat, "waren für drei bis vier Wochen sämtliche Rekrutierungsmechanismen lahmgelegt." Das hatte die Journalistin und Autorin Petra Ramsauer in der österreichischen Islamistenszene beobachtet.

Merkels Geste sei die "mit Abstand effektivste und beste Deradikalisierungsmaßnahme" gewesen, die sie je gesehen habe.