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31/01/2017 12:29 CET | Aktualisiert 31/01/2017 15:02 CET

"Bereiten sich vor, das Land zu verlassen": Britische Regierung verwirrt mit Brief EU-Ausländer

"Bereiten sich vor, das Land zu verlassen": Britische Regierung verwirrt mit Brief EU-Ausländer
Howard Kingsnorth via Getty Images
"Bereiten sich vor, das Land zu verlassen": Britische Regierung verwirrt mit Brief EU-Ausländer

  • Das britische Innenministerium fordert EU-Ausländer in einem Brief auf, das Land zu verlassen

  • Offenbar handelt es sich dabei um einen Fehler

Der Brexit wird immer realer. Briefe des britischen Innenministeriums sorgen nun für Wirbel.

Empfänger der Schreiben sollen EU-Bürger sein, die in Großbritannien leben. Sie sollen darin aufgefordert worden sein, sich darauf vorzubereiten, das Land zu verlassen. Die Empfänger sollen zuvor eine britische Staatsbürgerschaft beantragt haben. Das berichten die "Bild"-Zeitung und die "Zeit".

"Bereiten Sie sich vor, das Land zu verlassen"

Auszüge eines solchen Briefs liegen der "Bild" vor. Darin heiße es:

"Da es scheint, dass sie keinen anderen möglichen Grund für einen Aufenthalt im Vereinigten Königreich haben, sollten Sie sich jetzt darauf vorbereiten, das Land zu verlassen. Falls Sie nicht freiwillig gehen, kann eine gesonderte Entscheidung zu einem späteren Zeitpunkt ihre Ausreise durchsetzen."

Offenbar handelt es sich dabei um einen Fehler des Innenministeriums. Wie die "Bild" berichtet, würde der Brief normalerweise an Menschen geschickt, die von außerhalb in die EU kommen und in Großbritannien ein dauerhaftes Bleiberecht beantragen.

Und noch haben Menschen aus anderen europäischen Ländern ein Aufenthaltsrecht in Großbritannien. Denn der Brexit ist schließlich noch nicht vollzogen.

Mehr zum Thema: Nach dem Brexit reißen sich die Briten um einen deutschen Pass

Ein Formfehler soll Schuld sein

Die "Zeit" berichtet über den deutschen Neurowissenschaftler Sam Schwarzkopf, der seit 18 Jahren in Großbritannien lebe. Er habe die britische Staatsbürgerschaft bereits vor dem Brexit beantragt. Kurz vor dem Referendum habe das Innenministerium den Antrag allerdings abgelehnt - und ihm offenbar eine Ausgabe des Briefs geschickt, aus dem auch die "Bild"-Zeitung zitiert.

Dabei soll es sich um einen Formfehler gehandelt haben. Schwarzkopf hätte dem Antragsformular nur eine beglaubigte Kopie seines Passes beigelegt, nicht den Pass selbst, schreibt die "Zeit". Das habe dazu geführt, dass er den Brief erhalten habe.

Die britische Tageszeitung "Guardian" berichtete bereits im Dezember über den Fall der Niederländerin Monique Hawkins. Auch sie hatte eine britische Staatsbürgerschaft beantragt, auch sie hatte lediglich eine beglaubigte Kopie ihres Passes eingereicht. Und sie wurde ebenso abgelehnt und erhielt das Schreiben mit der Aufforderung, das Land zu verlassen.

Innenministerium ist überfordert

Hawkings sagte dem "Guardian": "Die beglaubigte Kopie des Passes wurde nicht nur als unzureichend für den Antrag gesehen, sie wurde tatsächlich angezweifelt - daher die Formulierung, ich solle mich darauf vorbereiten, das Land zu verlassen oder mich noch einmal zu bewerben."

Laut dem "Guardian" zeigen die Fälle, wie überfordert das britische Innenministerium ist. Über 100.000 Anträge auf eine britische Staatsbürgerschaft von EU-Bürgern würden noch ausstehen. Laut eigenen Aussagen bräuchte das Ministerium dafür sechs Monate.

Auf den britischen Inseln leben drei Millionen EU-Bürger. Sollten sie alle einen Antrag stellen, würde das nach der gegenwärtigen Bearbeitungszeit 47 Jahre dauern. Das errechnete die Gruppe the3million, die sich für Rechte von EU-Bürgern in Großbritannien engagiert.

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(mf)