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31/01/2017 15:46 CET | Aktualisiert 31/01/2017 15:52 CET

Diese Liste aus einem Museum könnte einen schrecklichen Einblick in die Zukunft Amerikas geben

  • Eine Checkliste für faschistische Tendenzen verbreitet sich im Netz

  • Die Menschen meinen, darin die Politik von Donald Trump wieder zu erkennen

Wie ein Lauffeuer hat sich eine Liste aus einem amerikanischen Holocaust-Museum im Internet verbreitet. Darauf zu sehen: 14 frühe Warnsignale für Faschismus. Viele Menschen in den USA meinen, darin die Politik von Präsident Donald Trump wieder erkennen zu können.

Der hatte am Freitag Menschen aus sieben Ländern verboten, in die USA einzureisen. Trump feuerte außerdem am Montag (Ortszeit) die kommissarische Justizministerin Sally Yates - wegen "Verrats".

An all das fühlen sich die Menschen erinnert, wenn sie die Faschismus-Checkliste sehen. Die Liste selbst stammt aus dem Holocaust-Gedenkmuseum in Washington. Als eine Besucherin sie sah, war sie geschockt.

Über 200.000 Menschen drückten auf "Gefällt"

Über den Kurznachrichtendienst Twitter teilte sie ein Foto der Liste. Breite Zustimmung folgte. Mittlerweile drückten über 200.000 Menschen auf "Gefällt", über 140.000 Twitter-Nutzer teilten den Beitrag:

donald trump faschismus

Quelle: Screenshot Twitter/RaRaVibes

Das sind die einzelnen Punkte

  • 1. Mächtiger und anhaltender Nationalismus

  • 2. Verachtung für Menschenrechte

  • 3. Kennzeichnung von Feinden, um sich zu vereinen

  • 4. Vorherrschaft des Militärs

  • 5. Ungezügelter Sexismus

  • 6. Kontrollierte Massenmedien

  • 7. Besessenheit für nationale Sicherheit

  • 8. Verflechtung von Religion und Regierung

  • 9. Geschützte Macht der Konzerne

  • 10. Unterdrückte Arbeiterbewegung

  • 11. Verachtung für Intellektuelle und Kunst

  • 12. Besessenheit von Verbrechen und Bestrafung

  • 13. Ungezügelte Vetternwirtschaft und Korruption

  • 14. Betrügerische Wahlen

Wer die einzelnen Punkte durchgeht, versteht schnell, warum die Menschen über die Liste so beunruhigt sind. Viele der Punkte lassen sich unter Trump tatsächlich abhaken.

Trump im Check

So ist etwa sein Nationalismus bekannt, "America First" war Trumps Wahlkampfslogan und ist nach wie vor die Philosophie seiner Außenpolitik.

Bürgerrechts-Organisationen werfen dem Präsidenten vor, mit dem Einreiseverbot die Menschenrechte mit Füßen zu treten. Die UN-Menschenrechtscharta verbietet, Menschen aufgrund ihrer Religion zu diskriminieren. Vom Einreiseverbot sind sieben Länder betroffen, alle sind vorwiegend muslimisch geprägt.

Trump baut auch ein klares Feindbild auf. Immer wieder etwa attackiert er in Reden oder in Tweets die Volksrepublik China. In seiner Antrittsrede verkündete der Präsident außerdem, die Ausgaben für das Militär wieder zu erhöhen.

Kontrollierte Massenmedien gibt es in den USA selbstverständlich nicht. Trumps Attacken auf die Medien sind allerdings bekannt - und beunruhigend.

Dass Trump von nationaler Sicherheit besessen ist - das zeigt das erlassene Einreiseverbot wohl am besten.

Religion und Regierung sind nach wie vor getrennt. Auch wenn Trump seine Regierung auf einer Pressekonferenz schon mal als den größten Jobproduzenten ausgibt, "den Gott jemals geschaffen hat".

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Sumpf, Recht und Ordnung, Vetternwirtschaft

Trump war im Wahlkampf angetreten, den "Sumpf" von Washington auszutrocknen. Also die Macht der Lobbys zurückzudrängen. Trotzdem besteht sein Kabinett aus Millionären und Milliardären aus der freien Wirtschaft. Regulationen für Konzerne will die US-Regierung zurücknehmen.

Die Arbeiterschaft unterdrückt Trump nicht - viel mehr bezeichnet er sich immer wieder als derjenige, der die "Vergessenen" zurück auf die politische Agenda setzen will. Auch über Trumps Verhältnis zu Intellektuellen und der Kunst lässt sich nur spekulieren.

Ob Trump von Verbrechen besessen ist, lässt sich auch nicht sagen. Allerdings will er mit "Recht und Ordnung" in den USA durchgreifen - und in Städten wie Chicago aufräumen.

Mögliche Interessenskonflikte bilden ein dunkles Kapitel in Trumps Präsidentschaft. Verfassungsrechtler etwa wollen dagegen klagen, dass Trumps Unternehmen Geld von ausländischen Regierungen annehmen können. Besonders brisant am Einreiseverbot: In keinem der sieben Länder hat der Trump-Konzern nennenswerte wirtschaftliche Interessen. Das lässt die Auswahl fragwürdig erscheinen.

Auch dass Trumps Schwiegersohn als Berater im Weißen Haus tätig ist, hat ihm den Vorwurf der Vetternwirtschaft eingebracht.

Zuletzt steht natürlich nicht fest, dass bei den US-Wahlen betrogen wurde. Dafür gibt es keine Beweise. Das hält Präsident Trump nicht davon ab, immer wieder einzuwerfen, bei den Wahlen sei es nicht mit rechten Dingen zugegangen. Er will dazu eine Untersuchung einberufen.

Die Menschen sind beunruhigt

Bei der Liste handelt es sich um Anzeichen, die faschistische Tendenzen frühzeitig beschreiben sollen. Die USA ist nach wie vor eine Demokratie, kein totalitäres Herrschaftssystem.

Mehr zum Thema: Russischer Soziologe glaubt: "Trumps Antrittsrede war von Hitler inspiriert"

Mit dem Einreiseverbot aber war für die Menschen im Land wohl eine Grenze überschritten. Sie protestierten an Flughäfen, Politiker und Prominente kritisierten Trump für seine Entscheidung öffentlich.

Sie sind beunruhigt, in welche Richtung sich die USA in Zukunft entwickeln werden. Die Faschismus-Checkliste scheint hier einen Nerv getroffen zu haben.

(pb)