POLITIK
30/01/2017 05:04 CET | Aktualisiert 30/01/2017 06:44 CET

"So beginnen Religionskriege": Internationale Medien warnen vor den Folgen von Donald Trumps Einreisestopp

U.S. Republican presidential candidate Donald Trump speaks to supporters during a campaign rally at Mid-Hudson Civic Center in Poughkeepsie, New York April 17, 2016.  REUTERS/Eduardo Munoz
Eduardo Munoz / Reuters
U.S. Republican presidential candidate Donald Trump speaks to supporters during a campaign rally at Mid-Hudson Civic Center in Poughkeepsie, New York April 17, 2016. REUTERS/Eduardo Munoz

  • Die Presse ist sich einig: Donald Trumps Einreiseverbot für Flüchtlinge hat dramatische Folgen

  • In den Leitartikeln internationaler Medien ist die Rede von "Spannungen" und einem "Religionskrieg"

Chaos, Unsicherheit und Proteste haben die USA nach dem Dekret des neuen US-Präsidenten zum Einreiseverbot von Flüchtlingen im Griff. Doch Donald Trump wiegelt ab. Es gehe ihm nicht um Religion, sondern um Terrorbekämpfung.

In den internationalen Medien herrscht eine andere Meinung vor. Trump gefährde mit seiner Politik nicht nur den gesellschaftlichen Frieden der USA, sondern schüre auch Spannungen in der Welt.

Das "Handelsblatt“ formuliert es besonders drastisch. In seinem Morgen-Newsletter schrieb Herausgeber Gabor Steingart, der US-Präsident riskiere "einen Religionskrieg“.

Steingart schreibt: "Der Erlass von Donald Trump sieht vor, allen Besuchern aus Syrien, Iran, dem Irak, Libyen, Somalia, dem Sudan und dem Jemen den Grenzübertritt in die USA zu verweigern. So beginnen Religionskriege.“

In dem dazu gehörenden Kommentar heißt es: "Mit dem Einreiseverbot für Muslime aus mehreren Ländern hat die Abschottungspolitik von US-Präsident Trump einen neuen Höhepunkt erreicht.“

"Worte reichen nicht aus"

Die belgische Zeitung "De Standaard“ schlägt ähnlich alarmierende Töne an. Dort heißt es: "Es macht kaum Sinn, wegen des Beschlusses von Präsident Trump, Menschen aus sieben muslimischen Ländern die Einreise in die USA zu verweigern, viel Tinte zu verwenden. Denn dieses Einreiseverbot ist derartig unredlich, kurzsichtig und verletzend, dass Worte nicht ausreichen.“

Die Zwietracht, die Trump damit sähe, werde noch jahrelang nachwirken. Treffend heißt es weiter: "Sieben Milliarden Erdenbürger sind gegen ihren Willen vom widerspenstigen Stimmverhalten von 63 Millionen amerikanischen Wählern betroffen. Denn es besteht kein Zweifel darüber, dass die impulsiven Beschlüsse von Donald Trump die Weltordnung mitbestimmen.“

Auch die belgische Zeitung sieht die Gefahr von weltweiten religiösen Spannungen: "Muslime, wo immer auf der Welt sie leben, sehen sich einmal mehr in der Auffassung bestärkt, dass der Westen ein tiefsitzendes Misstrauen gegen ihre Religion hegt. Damit werden die Spannungen auf der Welt erneut geschürt.“

"Trump macht ganze Bevölkerungsgruppen zu Feinden"

Die liberale dänische Tageszeitung "Politiken“ reagiert ähnlich. Man bekämpfe weder Terroristen noch schaffe man Sicherheit, "indem man ganze Bevölkerungsgruppen zu Feinden erklärt“, schreibt die Zeitung in ihrem Leitartikel.

Die Londoner "Financial Times" reagiert mit Bedauern auf das präsidiale Dekret zum Einreisestopp. Die Briten schreiben: "Diese Zeitung kann nur darauf hinweisen, dass die USA lange Zeit die stärkste Stimme in der Welt für Glaubensfreiheit und menschliche Würde waren - und zugleich mit Beunruhigung und Bedauern feststellen, dass Trump gewaltig von dieser Tradition abgerückt ist."

Andere Bedenken meldet die konservative polnische Zeitung "Rzeczpospolita" an. In ihrem Kommentar geht es vor allem um das drohende Bündnis Trumps mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin. Die Polen kommentieren: "Polen, das nah an Russland liegt, muss in der Angelegenheit besonders vorsichtig sein."

Die polnische Diplomatie könne nicht länger so tun, als wenn mit Trump alles beim Alten geblieben wäre. "In Polens Geschichte gibt es zu viele Beispiele, welchen Preis man für unrealistische Bündnisse zahlen muss."

Mit Material der dpa.