POLITIK
30/01/2017 11:16 CET | Aktualisiert 30/01/2017 12:19 CET

Bedrohliche Expansionspläne: Vorfall vor griechischer Insel zeigt, dass Erdogan keine Grenzen respektiert

Turkish President Tayyip Erdogan speaks to media after his meeting with Britain's Prime Minister Theresa May at the Presidential Palace in Ankara, Turkey, January 28, 2017. REUTERS/Umit Bektas
Umit Bektas / Reuters
Turkish President Tayyip Erdogan speaks to media after his meeting with Britain's Prime Minister Theresa May at the Presidential Palace in Ankara, Turkey, January 28, 2017. REUTERS/Umit Bektas

  • Ein türkisches Militärschiff ist am Sonntag in griechische Hoheitsgewässer eingedrungen

  • Es könnte eine bewusste Provokation von türkischer Seite gewesen sein

Es seien "Momente der Spannung“ gewesen, berichteten türkische Soldaten der Nachrichtenagentur Dogan. Am Sonntag ist es vor einer Gruppe kleiner Inseln in der Ägais beinahe zu einem Zusammenstoß türkischer und griechischer Militärschiffe gekommen.

Der Vorfall ist von größter Brisanz: Die Inseln gehören zu Griechenland, die türkischen Schiffe waren so in griechischem Territorialgewässer unterwegs. Sieben Minuten soll diese Verletzung des Hoheitsgewässers gedauert haben.

Es ist nicht unwahrscheinlich, dass dahinter eine bewusste Provokation von türkischer Seite steckt. Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan macht seit Monaten keinen Hehl mehr daraus, dass er seine Augen auf die griechischen Ägäis-Inseln geworfen hat.

Die Stimmung zwischen Griechenland und der Türkei ist besonders vergiftet, seit sich die griechische Regierung weigerte, Offiziere in die Türkei auszuliefern, die – so Ankara – am Putschversuch des türkischen Militärs im Sommer vergangenen Jahres beteiligt waren.

Erdogan: "Wir werden nicht Gefangene auf 780.000 Quadratkilometern sein"

Öffentlich stellte Erdogan in jüngerer Vergangenheit mehrmals den Lausanner Vertrag in Frage. Das Abkommen, das 1923 die Grenzen der türkischen Republik absteckte – und einige Inseln in der Ägäis Griechenland zusprach.

Erdogan erklärte im November: "Wir werden nicht Gefangene auf 780.000 Quadratkilometern sein." Noch einen Monat früher hatte Erdogan im Präsidentenpalast von Ankara getönt: "In Lausanne haben wir Inseln aufgegeben, die so nah sind, dass deine Stimme zu hören ist, wenn man zu ihnen rüber ruft. Ist das ein Sieg?"

Was der Ausflug vor die griechischen Inseln strategisch bezwecken sollte, ist unklar.

An Bord des Schiffes, das am Sonntag bei dem Manöver auf griechisches Gebiet vordrang, soll sich auch der Chef des türkischen Generalstabs, Hulusi Akar, befunden haben.

Bereits im Jahre 1996 waren die Türkei und Griechenland in einem Streit um die Inseln aneinander geraten. Eine militärische Eskalation wurde durch eine diplomatische Intervention der USA verhindert.

(ks)