POLITIK
30/01/2017 14:08 CET | Aktualisiert 31/01/2017 12:07 CET

Diese 9 Dinge kann jeder Deutsche tun, um Donald Trump zu stoppen

Amerika ist in Not. Seit dem 20. Januar regiert dort ein Präsident, den das humanitäre Erbe seiner Nation offenbar nicht großartig schert. Zielstrebig setzt er mit Dekreten seine Wahlkampfversprechen um: Er will eine Grenzmauer bauen, verwehrt Muslimen aus sieben Ländern die Einreise und verschafft einem Rechtsextremisten einen Sitz im Nationalen Sicherheitsrat.

Die USA haben nach dem Zweiten Weltkrieg die Demokratie nach Deutschland gebracht. Jetzt brauchen sie unsere Hilfe. Und die gute Nachricht ist, dass wir alle etwas tun können. Obwohl wir nicht in den USA wohnen oder dort wahlberechtigt sind.

Hier sind neun Dinge, die helfen können, um Trump zu stoppen (Eine Kurzfassung seht ihr oben im Video).

1. Ein amerikanisches Medium abonnieren

Donald Trump hasst die freie Presse. Warum? Weil er es nicht ertragen kann, dass seine Politik oder die präsidiale Selbstinszenierung infrage gestellt werden. Die Presse kratzt nicht nur an seinem Ego. Sie erschwert es ihm auch, zu immer neuen politischen Amokläufen anzusetzen.

Medien haben in einer Demokratie einen wichtigen Job: Sie kontrollieren, kritisieren, erklären und legen Zusammenhänge offen. Was vor ein paar Jahren noch wie ein frommer Leitsatz aus einem Studien-Handbuch klang, ist heute eine bittere Notwendigkeit – in einer Zeit, da die Demokratie Schiffbruch zu erleiden droht.

Viele amerikanischen Medien machen derzeit einen guten Job. Und das Beste ist: Man kann sie von Deutschland aus ohne Probleme mit dem Abschluss eines Abonnements unterstützen.

Ein Digital-Abo der New York Times etwa kostet 14 Euro im Monat, die Washington Post gibt es schon für monatlich 9,50 Euro.

2. Freundschaften nach Amerika pflegen

Wer Amerika helfen will, kann das auch auf einer ganz privaten Ebene tun: Die Pflege von Freundschaften in die USA kann ein gutes Mittel zur Völkerverständigung sein. Wie wichtig der persönliche Austausch zwischen Völkern ist, wussten übrigens schon Konrad Adenauer und Charles de Gaulle. Nicht umsonst wurde den Jugendwerken und den Sprachreisen bei der deutsch-französischen Aussöhnung eine so große Bedeutung beigemessen.

Man kann auch im Kleinen helfen, Vorurteile und schiefe Weltbilder infrage zu stellen. Einfach bei Facebook den alten Arbeitskollegen oder den Schulfreund oder den Kommilitonen anschreiben, der jetzt in Trumps Amerika leben muss.

3. Mitglied der ACLU werden

Als Trump seine Einwanderungsdekrete erlassen hat, gab es eine Organisation, die sich ihm mit aller Macht entgegen gestellt hat: Die "American Civil Liberties Union", eine seit 1920 existierende Bürgerrechtsorganisation, die sich für den Erhalt verfassungsmäßig garantierter Freiheiten einsetzt.

Es war die ACLU, die Anwälte bezahlt hat, um verhafteten Muslimen an den Flughäfen Amerikas beizustehen. Dieser NGO ist es zu verdanken, dass es bereits jetzt erste Urteile gibt, in denen die Rechtmäßigkeit von Trumps Dekreten infrage gestellt wird.

Man kann auch als Deutscher Mitglied der ACLU werden. Der Mitgliedsbeitrag kann selbst festgelegt werden.

4. Sich in deutschen Parteien engagieren

Wenn die ersten zehn Tage von Donald Trump im Präsidentenamt eines gezeigt haben, dann das: Die Zeiten, in denen uns Politik nichts anging, sind vorbei. In Amerika regiert nun ein Mann, der einige der wichtigsten Grundsätze westlicher Demokratie zerstören will.

Wer die ganze Sache immer noch zurückhaltend sieht, dürfte bei der CDU gut aufgehoben sein. Wer empört und erschüttert über Trump ist, könnte bei den Grünen heimisch werden. Es ist fast egal, welche demokratische Partei man unterstützt: Gerade jetzt wäre es jedoch wichtig, dass die klügsten Köpfe wieder den Weg zurück in die Parteien finden – weil Trump auch unsere Werte infrage stellt.

5. Für die Bürgerrechtsbewegung spenden

Viele amerikanische Bürgerrechtsbewegungen bieten die Möglichkeit, online zu spenden. Anders als bei den US-Parteien kann man als Deutscher für NGOs spenden, die in Amerika wichtige Arbeit leisten. Sei es die Arbeit mit Muslimen, der Kampf für die Pressefreiheit oder der Kampf gegen Rechtsradikalismus. Jeder Euro stärkt die amerikanische Zivilgesellschaft.

6. Fakten verteidigen

Man kann es gar nicht oft genug betonen, wie wichtig Fakten für eine Demokratie sind. Ohne sie gibt es keine Diskussionen und keine Willensbildung mehr – weil jeder nur noch an das glaubt, was er ohnehin glauben will.

Es gibt Möglichkeiten, Wissenschaftler bei ihrer Arbeit zu unterstützen, und die Feinde der Fakten auf diese Weise zu bekämpfen. Denkbar ist zum Beispiel, sich in akademischen Austauschorganisationen zu engagieren oder für Wissenschaftsverbände zu spenden. Auch die ACLU ist bereits seit Jahrzehnten in diesem Feld tätig.

7. Mexikanische Waren kaufen

Insgesamt 25 Milliarden Dollar dürfte die zehn Meter hohe und mehr als 2.000 Kilometer lange Mauer kosten, die US-Präsident Donald Trump an der Grenze zu Mexiko bauen lassen will. Dafür will er in einem Akt von blanken Zynismus die mexikanische Regierung zahlen lassen – über einen Exportzoll für mexikanische Warne in Höhe von 20 Prozent.

Das könnte schlimme Folgen für die mexikanische Wirtschaft haben. Immer noch gehen 80 Prozent der mexikanischen Exporte in die USA.

Die Zahl der mexikanischen Waren, die in Deutschland erhältlich sind, ist zwar sehr überschaubar, es sind vor allem Landwirtschaftsprodukte und Genussmittel (Früchte, Obst, alkoholhaltige Getränke). Aber warum nicht mal Bier und Korn durch Corona und Tequila ersetzen?

8. Die richtigen Bücher lesen

Ein paar Werke, die uns finstere Zeiten ein wenig verständlicher machen – und die eine gute Argumentationsgrundlage für das nächste Gespräch mit Trump-Fans sind.

Hannah Arendt: Elemente und Ursprünge totalitärer Herrschaft.

Didier Eribon: Rückkehr nach Reims.

David Cay Johnson: Die Akte Trump.

George Orwell: 1984.

George Packer: Die Abwicklung.

Jewegenij Samjatin: Wir.

9. Auf die Straße gehen

Im Sommer will Donald Trump zu seinem ersten Besuch nach Berlin kommen. Spätestens dann bietet sich die Gelegenheit, diesem Mann persönlich die Meinung zu sagen.

Dieses Mal geht es nicht um einen Krieg im Nahen Osten oder ein Freihandelsabkommen– es geht ganz konkret um die Zukunft Deutschlands, Europas und der ganzen Welt. Das sollte Grund genug für eine Großdemo sein.

Es könnte ein Moment sein, an den dieses Land noch lange denken wird. Und hoffentlich auch Donald Trump.

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