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29/01/2017 04:24 CET

"Unamerikanisch und unmenschlich": Die Presse warnt eindringlich vor den Folgen von Trumps Einreisebann

Die Presse verurteilt den Einwanderungsstopp von Flüchtlingen in die USA als "unamerikanisch und unmenschlich"
JOSHUA LOTT via Getty Images
Die Presse verurteilt den Einwanderungsstopp von Flüchtlingen in die USA als "unamerikanisch und unmenschlich"

  • Die Presse verurteilt den Einwanderungsstopp von Flüchtlingen in die USA als "unamerikanisch und unmenschlich"

  • Trumps Dekret schade der nationalen Sicherheit mehr, als dass es helfe

Am Freitag hat US-Präsident Donald Trump einen zeitweiligen Einreisebann für Menschen aus sieben muslimischen Ländern verhängt.

Die Proteste gegen die Verordnung fielen massiv aus: Menschen demonstrierten, Politiker kritisierten Trump – und ein New Yorker Gericht kippte sein Dekret in Teilen.

Auch die deutsche und internationale Presse verurteilt die Entscheidung des US-Präsidenten, die nun – zumindest vorübergehend – aufgeweicht wurde.

"Ein Verrat an der Geschichte des Landes"

Besonders deutliche Worte fallen in einem Kommentar der "Süddeutschen Zeitung". Darin wird Trumps Dekret als "unamerikanisch und unmenschlich" bezeichnet.

Es widerspreche nicht nur der amerikanischen Verfassung, weil es Menschen aufgrund von Religion diskriminiere - sondern es sei "ein Verrat an der Geschichte eines Einwanderungslandes, das seit Jahrhunderten Menschen aus aller Welt eine Chance gibt, ihr persönliches Glück zu erreichen."

Vieles an dem Dekret mache fassungslos: dass Trump es am Holocaust-Gedenktag unterzeichnet habe; dass die Wahrscheinlichkeiten, damit wirklich einen Terroranschlag zu verhindern, gering sei; dass Trump und seine Berater damit "schamlos Politik auf dem Rücken der Allerschwächsten" mache.

Besonders widersprüchlich: "Die Attentäter von 9/11 kamen nicht aus Syrien, Irak, Iran, Libyen, Somalia, Sudan oder dem Jemen (für diese Länder gilt der Einreisestopp, Anm. der Red.). Sie stammten aus Saudi-Arabien und deren Bürger dürfen weiterhin in die USA einreisen."

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Die Gefahr für einen Anschlag erhöht sich

Die US-amerikanisches Tageszeitung "New York Times" zweifelt aus diesem Grund auch daran, ob das Dekret wirklich etwas bezweckt. In einem Kommentar bezeichnet sie die Verordnung als "engstirnig, feig, kontraproduktiv".

Und überaus gefährlich: "Extremistische Gruppen werden das Dekret benutzen, um glaubwürdiger als jemals zuvor die Meinung zu verbreiten, die USA befinden sich im Krieg mit dem Islam statt mit Terroristen." Die Gefahr für einen Terroranschlag würde sich dadurch nur erhöhen.

Außerdem könnten sich Verbündete der USA im Mittleren Osten noch einmal überlegen, ob sie mit den Amerikanern wirklich noch zusammenarbeiten wollen. Immerhin würden Afghanen und Iraker viel riskieren für eine Regierung, die unerschrocken Bomben auf ihre Heimat werfen würde, aber zu ängstlich sei, um ihnen Schutz zu gewähren.

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"Unsere Glaubwürdigkeit ist erodiert"

Für die "Washington Post" hat ein Veteran der US-Armee einen Kommentar geschrieben, der die Situation von Verbündeten verdeutlicht. Ein afghanischer Übersetzer habe ihm 2008 bei einem Hinterhalt von Taliban sein Leben gerettet, schreibt er.

Wenn die USA den lokalen Mitarbeitern des Militärs weiter die Einreise verweigern, würde das der nationalen Sicherheit einen großen Schaden zufügen:

"Unsere Glaubwürdigkeit ist für immer beschlagen, wenn nicht erodiert. (...) Es tut mir weh, wenn ich daran denke, wie viele Mitarbeiter von US-Diensten in zukünftigen Konflikten sterben werden, weil wir es nicht schaffen, die lokale Unterstützung vor Ort zu rekrutieren. Sie macht oft den Unterschied zwischen Leben und Tod aus."

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(lp)