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29/01/2017 17:00 CET | Aktualisiert 29/01/2017 17:20 CET

Aufstand der CEOs: Die Chefs der Internet-Giganten bieten Trump wegen Einreiseverbots die Stirn

Chefs von führenden US-Unternehmen kritisieren Präsident Donald Trump für das erlassene Einreiseverbot
Carlos Barria / Reuters
Chefs von führenden US-Unternehmen kritisieren Präsident Donald Trump für das erlassene Einreiseverbot

  • Chefs führender US-Unternehmen kritisieren Donald Trumps Einreiseverbot

  • Darunter sind die Geschäftsführer von Tesla und Uber - beides Berater von Trump

Es brodelt in den USA. Nach dem Einreiseverbot für Menschen aus sieben muslimisch geprägten Ländern kam es zu Protesten an Flughäfen. Viele Politiker kritisierten den US-Präsidenten Donald Trump für das Dekret.

Am Samstag und Sonntag haben nun auch diejenigen ihre Stimme erhoben, deren Wort bei Trump aufgrund ihres wirtschaftlichen Einflusses besonderes Gewicht haben dürfte: Mehrere Chefs der führenden Internet-Unternehmen der USA beschwerten sich über das Einreiseverbot - weil es teilweise ihre eigenen Mitarbeiter betraf.

Neben den CEOs von Microsoft, Google oder Twitter widersprachen auch die Chefs von Tesla, Elon Musk, und Uber, Travis Kalanick, dem US-Präsidenten. Besonders daran ist: Beide sind für Trump als Berater tätig. Er hatte 19 Chefs von führenden Unternehmen um sich geschart, die ihm mit ihren Ratschlägen helfen sollten.

"Aufstehen für das, was richtig ist"

Samstagnacht (Ortszeit) kommentierte Tesla-Chef Musk auf dem Kurznachrichtendienst Twitter: "Dieses pauschale Einreiseverbot für Menschen aus einigen vorwiegend muslimischen Ländern ist nicht der beste Weg, um die Herausforderungen unseres Landes anzugehen."

Wie die Huffington Post USA unter Berufung auf interne Quellen berichtet, hat Tesla eine kleine Anzahl von Mitarbeitern, die von dem Verbot betroffen sind. Aber das Unternehmen gehe nicht davon aus, dass einer seiner Mitarbeiter festgesetzt worden sei.

Uber-Chef Kalanick äußerte sich ausführlicher. Er hat seinen Mitarbeitern eine E-Mail mit dem Betreff "Aufstehen für das, was richtig ist" geschickt. Außerdem hat er darin angekündigt, beim nächsten Treffen mit Trump das Thema anzusprechen.

Die E-Mail veröffentlichte der Unternehmer auch auf Facebook. Er warnte darin vor den weitreichenden Folgen des Verbots für Uber. Manche seiner Mitarbeiter befürchteten, sie könnten vielleicht nicht mehr in die USA zurückreisen, sollten sie das Land verlassen.

Auch andere Chefs von führenden Tech-Konzernen haben sich zu Wort gemeldet und Trumps Dekret kritisiert.

Mehr zum Thema: "Muslime unter Generalverdacht": Merkel kritisiert Trumps Einreiseverbot für Flüchtlinge

Bereits kurz nach dem das Verbot in Kraft getreten war, reagierte Facebook-Gründer Marc Zuckerberg. Er schrieb: "Wir sind eine Nation von Einwanderern und alle profitieren, wenn die besten und klügsten aus der ganzen Welt hier leben, arbeiten und etwas beisteuern können."

"Ohne Immigration würde Apple nicht existieren"

Apple-Chef Tim Cook habe bereits seine Mitarbeiter per E-Mail informiert, dass das Unternehmen mit dem Weißen Haus Kontakt aufgenommen habe. Es wolle der Regierung mitteilen, wie schwer sich das Verbot auf die Mitarbeiter auswirke. Das berichtet die Huffington Post USA, der die E-Mail vorliegt.

"Apple würde ohne Immigration nicht existieren, geschweige denn gedeihen und Innovationen vorantreiben, wie wir es tun", schreibe Cook darin.

Netflix-Chef Reed Hastings schrieb auf Facebook: "Trumps Entscheidungen betreffen Netflix-Mitarbeiter überall auf der Welt – und sie sind so unamerikanisch, dass es uns allen weh tut." Noch schlimmer sei, dass die Verbote die Sicherheit der USA verschlechtern, statt verbessern würden.

Twitter-Chef Jack Dorsey teilte auf seinem Kurznachrichtendienst seinen Ärger über Trump: "Die humanitären und wirtschaftlichen Folgen der Verordnung sind echt und erschütternd. Wir profitieren von dem, was Flüchtlinge und Immigranten in die USA mitbringen."

Auch Microsoft und Google verurteilten Trumps Dekret. Microsoft-Chef Satya Nadella stammt selbst aus Indien und teilte über Linkedln seinen Unmut. Google-Ceo Sundar Pichai rief seine Mitarbeiter aus dem Ausland in die USA zurück. In einer Nachricht an sie kündigte Pichai an: "Wir haben unsere Meinung über Immigration immer öffentlich gemacht und werden das weiterhin tun."

Ganz praktische Hilfe bot das Unternehmen Airbnb. CEO Brian Chesky schrieb am Sonntag auf Twitter: "AirBnB bietet Flüchtlingen und allen, die nicht in die USA gelassen werden, eine kostenlose Unterkunft. Ich halte euch hier auf dem Laufenden. Wenn ihr dringend eine Unterkunft braucht, kontaktiert mich."

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Das Silicon Valley braucht kluge Köpfe - auch aus dem Ausland

Gerade für Tech-Konzerne könnte das Einreiseverbot negative Folgen haben. Denn sie sind häufig auf Fachkräfte wie Ingenieure oder Software-Entwickler aus dem Ausland angewiesen, um Stellen zu besetzen.

Auch für innovative Ideen, wie sie Startups aus dem Silicon Valley suchen, werden talentierte Köpfe gebraucht – oft aus dem Ausland. Eine Studie des Washingtoner Thinktanks Information Technology & Innovation Foundation von 2016 bestätigt das.

Mehr als ein Drittel (35,5 Prozent) der Menschen, die Patente für innovative oder technisch fortgeschrittene Branchen angemeldet hätten, kämen demnach aus dem Ausland. Insgesamt mache diese Gruppe jedoch nur 13,5 Prozent aller US-Amerikaner aus.

Trump-Berater rudert zurück

Um in den USA arbeiten zu können, benötigen Menschen aus dem Ausland eine sogenannte Greencard. Zunächst war unklar, ob Besitzer dieses Dokuments auch unter die Rechtslage des Dekrets fallen würden.

Viele Reisenden mit Greencards seien am Samstag daran gehindert worden, in Flugzeuge in die USA zu steigen, berichtet die "New York Times". An manchen Flughäfen soll Chaos geherrscht haben, weil die Mitarbeiter nicht wussten, wie das Dekret zu verstehen sei – und ob es auf Greencard-Besitzer zutreffe.

Wie Trumps Stabschef Reince Priebus am Sonntag dem Fernsehsender NBC sagte, sind Greencard-Besitzer vom Einreiseverbot ausgenommen. Allerdings würden alle, die in die vom Verbot betroffenen Länder reisten, genauer bei ihrer Rückkehr untersucht werden.

Eine Richterin aus New York hatte zuvor Trumps Verordnung in Teilen ausgebremst. Sie gab der Klage der Bürgerrechtsorganisation ACLU in der Nacht auf Sonntag Recht. Damit durften Menschen, die von der Regierung festgehalten wurden, nicht einfach in ihr Ursprungsland zurückgeschickt werden.

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(sk)