POLITIK
29/01/2017 13:24 CET | Aktualisiert 30/01/2017 08:38 CET

Ann M. Donnelly: Wer ist die Frau, die Donald Trump vor aller Welt bloßgestellt hat?

  • Eine New Yorker Richterin hat Trumps Einreise-Dekret in Teilen gestoppt

  • Ann M. Donnelly wird dafür gefeiert - und gehasst

  • Eine Zusammenfassung des Textes seht ihr oben im Video

Was für eine Geschichte.

Der mächtigste Mann der Welt, politischer Bulldozer, Narzisst durch und durch, selbsternannter Frauenschwarm, will per Dekret alle aussperren, deren Nase ihm nicht gefällt.

Und eine Richterin aus der zweiten Reihe, dem Vernehmen nach klug, uneitel und ganz offensichtlich schön, lässt ihn in einem knapp dreiseitigen Beschluss auflaufen.

Ann M. Donnelly heißt die Frau.

„Merken Sie sich diesen Namen. Merken Sie sich dieses Gesicht“, twittert US-Publizist Jeremy Pond.

Man darf davon ausgehen, dass das viele Menschen tun werden, weltweit.

Twitter-User feiern die Richterin am Bezirksgericht des Eastern District of New York als mutige Frau, als Heldin.

Trumps Dekret infrage gestellt

Die Bürgerrechtsorganisation ACLU hatte gegen Trumps Dekret geklagt, nach dem ab sofort Menschen aus sieben muslimisch geprägten Ländern nicht mehr in die USA einreisen dürfen. Egal, ob sie ein gültiges Visum haben, egal, ob sie eine Arbeitserlaubnis in den USA haben. Egal, ob ihnen – wie einem Mann, der als Übersetzer für die US-Regierung im Irak gearbeitet hatte - in der Heimat der Tod droht.

Richterin Donnelly entschied, dass die Betroffenen erst einmal nicht in ihre Heimat zurückgeschickt werden dürfen, wenn sie ein Visum, eine Greencard, einen Schutzstatus nach dem US-Flüchtlingsprogramm oder Ähnliches vorzuweisen haben.

Ihre Entscheidung gilt für die gesamten USA. Nach Medienberichten haben sich bereits mehrere Richter Donnellys Entscheidung angeschlossen, in Virginia und Seattle.

Und das US-Heimatschutzministerium kündigte an, sie erst einmal zu befolgen. Die US-Regierung behalte sich das Recht vor, Visa jederzeit zu annullieren, wenn dies zur Aufrechterhaltung der nationalen Sicherheit notwendig sei.

Eine kluge Frau, sagen Kollegen

Donnelly war 2014 vom damaligen Präsidenten Barack Obama ernannt und vom Senat mit überwältigender Mehrheit bestätigt worden: 95 zu 2 Stimmen.

Die „New York Times“ erinnert daran, dass Donnelly sich bereits als Staatsanwältin im weit beachteten Betrugsverfahren gegen einen Manager des Firmengiganten Tyco profiliert hatte.

Sie zitiert ehemalige Kollegen, die Donnelly als scharfsinnige, sorgfältig abwägende und gewissenhafte Juristin beschreiben, dessen Fairness außergewöhnlich sei.

Hetzer auf Twitter

Und sie betonen, dass sich die erfahrene Juristin von öffentlicher Aufmerksamkeit nicht beirren lasse.

Das ist ihr zu wünschen. Denn in das Lob für ihre Arbeit mischen sich die Stimmen jener, die ihre juristische Abwägung als Attacke auf den gewählten Präsidenten bezeichnen.

Es sind hasserfüllte Tweets. So fordert ein User, der Mutter von zwei Kindern das Militär auf den Hals zu hetzen, weil sie es zulasse, dass die USA mit Terroristen geflutet würden. Es passt zu dem Ton, den Donald Trump von Anfang seiner Kandidatur an gewählt hatte. Aggressiv, gewaltbereit.

Mit Material von dpa

(ame)