POLITIK
29/01/2017 08:27 CET | Aktualisiert 30/01/2017 00:54 CET

Martin Schulz hält erste Rede als Kanzlerkandidat: "Wir wollen die stärkste Kraft im Bundestag werden"

  • Die SPD hat Martin Schulz jetzt offiziell zu ihrem Kanzlerkandidaten gemacht

  • In seiner ersten Rede benannte er sein wichtigstes Wahlkampfthema: Steuergerechtigkeit

  • Im Video oben seht ihr einen Auszug aus der Rede

Am Sonntag hat die SPD Martin Schulz nun offiziell zum Kanzlerkandidaten gekürt. Der scheidende SPD-Chef Sigmar Gabriel, der sein Amt an Schulz übergeben wird, begrüßte seinen Nachfolger mit den Worten "Freundschaft und Glück auf". Das Publikum im Willy-Brandt-Haus begrüßte Schulz mit Standing Ovations.

Schulz sagte in seiner ersten Rede als SPD-Kanzlerkandidat, er spüre in der Partei "eine Aufbruchstimmung, eine neue Hoffnung". "Wir werden die Wahlen in diesem Jahr richtig spannend machen", so Schulz.

Er sei dankbar für den "riesigen Zuspruch" von Parteimitgliedern und aus allen Schichten der Bevölkerung. Schulz dankte Gabriel für seinen "selbstlosen" Verzicht. Auch für die Freundschaft danke er ihm. "Du bist ein toller Typ", sagte der ehemalige EU-Parlamentspräsident und löste so erneut einen Jubelsturm des Publikums aus.

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"Was für ein Gegenschnitt gegen den Intriganten-Stadl in der CSU", sagte Schulz über die Einigkeit in der eigenen Partei. Ein harte Attacke gegen die Union, der er vorwarf, sich in internen Streitereien zu verzetteln.

"Ich will Bundeskanzler werden"

Die SPD wolle bei der Bundestagswahl die stärkste politische Kraft im Bundestag werden. Sein Anspruch sei es, Bundeskanzler zu werden, erklärte der designierte SPD-Chef.

Schulz nannte Steuergerechtigkeit als "zentrales Wahlkampfthema" der SPD. "Wenn der kleine Bäcker an der Ecke brav seine Steuern zahlt" und der globale Kaffeekonzern das nicht tue und sein Geld in "Steueroasen parkt", gehe es in Deutschland nicht gerecht zu.

"Hart arbeitende Menschen" sollten in diesem Land im Mittelpunkt stehen. Die Aufgabe der SPD sei es, für Gerechtigkeit zu sorgen. Er glaubt: "In 13 von 16 Bundesländern regieren Sozialdemokraten. Das ist die Basis für unseren Wahlsieg im September."

Schulz attackiert CSU und AfD

Dann kommt Schulz auf die Populisten zu Sprechen: Der "fehlende Anstand in der politischen Debatte" habe ihn in den USA schockiert. In Deutschland dürfe so etwas nicht passieren. Auf dem Rücken von Flüchtlingen Stimmung zu machen, sei "schändlich". Die AfD sei keine "Alternative", sondern eine "Schande".

Ebenso deutlich wird der SPD-Kandidat gegenüber der CSU. Dass sich deren Chef, Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer, mit dem rechten ungarischen Ministerpräsidenten Viktor Orban getroffen habe, sei ein "offener Affront gegen die Interessen der Bundesrepublik Deutschland" gewesen.

Kritik an Schulz sei "elitär und abgehoben"

Dann reagiert Schulz auf die Kritik, die ihm in Vergangenheit entgegengebracht wurde. "Elitär und total abgehoben" sei es, dass ihn Menschen für sein fehlendes Abitur kritisierten.

"Jetzt sagen manche, der Schulz ist ein Europapolitiker, der hat doch keine Ahnung von politischen Themen", sagt der SPD-Kanzlerkandidat. Er habe aber elf Jahre als Bürgermeister gearbeitet, kenne sich also in der nationalen Politik bestens aus. Am Ende lande jedes Problem im Rathaus.

"Manche Einlassung empfinde ich deswegen als eine Beleidigung gegen mich und alle, die auf kommunaler Ebene Arbeit leisten."

(sk)