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29/01/2017 11:12 CET | Aktualisiert 29/01/2017 17:29 CET

"Großartig, einfühlsam, mitreißend": Lobeshymnen für Martin Schulz' Antrittsrede

Martin Schulz hat seine Partei begeistert
Hannibal Hanschke / Reuters
Martin Schulz hat seine Partei begeistert

Respekt. Martin Schulz hat etwas geschafft, das in der deutschen Politik dieser Tage so rar ist wie ein vernünftiger Gedanke in der Welt des neuen US-Präsidenten: Er hat es geschafft, Menschen zu begeistern und ihnen Hoffnung zu geben.

In seiner ersten Rede nach der offiziellen Nominierung als SPD-Kanzlerkandidat am Sonntag im Willy-Brandt-Haus in Berlin hat Schulz viel Applaus bekommen, Applaus, der so klang, als sei er ehrlich gemeint.

Die Begeisterung der SPD-Mitglieder zeigte sich auch auf Twitter – Noch-SPD-Chef Sigmar Gabriel twitterte im schönsten Stakkato: "Der Beste. Für die Partei und unser Land. Ich freue mich! Herzlichen Glückwunsch, lieber Martin!"

Hannelore Kraft (SPD), Ministerpräsidentin Nordrhein-Westfalens, dankte Schulz für seine "berührende Rede". Sie freue sich auf den Wahlkampf mit ihm. "Wir werden gemeinsam gewinnen."

Thomas Hitschler, SPD-Bundestagsabgeordneter aus der Pfalz urteilte: "Bärenstarker Martin Schulz. Hammer!"

SPD-Kollege Matthias Bartke aus Altona hält die Rede für "großartig, einfühlsam, mitreißend". Oder anders: "Dieser Mann muss Bundeskanzler werden."

Stefan Schwartze befindet, Schulz habe die Erwartungen erfüllt – das ist wirklich ein großes Lob.

Die SPD hat lange mit ihrem Führungspersonal gerungen, Sigmar Gabriel selbst mit sich wohl auch. Und nun soll Schulz es retten, er ist derzeit der einzige SPD-Mann mit ausreichend Charisma und Kante. Und parteiübergreifend der Einzige ernstzunehmende Gegner Angela Merkels (CDU). Das nennt man wohl Erwartungsdruck.

NRW-Bundestagsabgeordnete Kerstin Griese verwöhnt Schulz sogar schon mit einem Herzchen-Emoticon.

Selbstverständlich ist Schulz' Rede auch innerhalb der Union beachtet worden. Armin Laschet aus dem CDU-Vorstand wertete Schulz' Haltung gegenüber Straftätern als Angriff auf die SPD-geführte Landesregierung unter Kraft.

Und die Leipziger Unionsabgeordnete Bettina Kudla schimpfte, Schulz habe in seiner Rede "keine Antworten auf die tatsächlichen politischen Herausforderungen" geliefert.

Schulz hatte sich auf ein klassisch sozialdemokratisches Thema fokussiert: Gerechtigkeit für den hart arbeitenden Bürger. Es ist ein Thema, mit dem sich die SPD tatsächlich absetzen kann von der Union, die vermutlich als zentrales Thema die Sicherheits- und Flüchtlingspolitik angehen wird.

Es dürfte ein kluger Zug sein. Denn einen Wettbewerb in Sachen Sicherheit kann die SPD gegen die Union nicht gewinnen. Auch wenn Sigmar Gabriel kürzlich in einem Gastbeitrag in der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" recht überzeugend für das Sicherheitskonzept seiner Partei geworben hatte.

Schulz kann mit seinem Themen-Schwerpunkt wohl aber jene Wähler überzeugen, die das Gefühl haben, von "denen da oben" um ihren gerechten Lohn betrogen zu werden.

Ein Twitter-User bringt die Sache ganz gut auf den Punkt: "Da hat einer Bock auf Wahlkampf. Und politischen Streit."

(ll)