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28/01/2017 18:08 CET | Aktualisiert 30/01/2017 04:32 CET

Warum Trumps Einreisestopp den Terrorismus nicht aufhalten wird

Warum Trumps Einreisestopp den Terrorismus nicht aufhalten wird
Jonathan Ernst / Reuters
Warum Trumps Einreisestopp den Terrorismus nicht aufhalten wird

Schon nach einem Tag ist der Kollateralschaden von Donald Trumps Einreisestopp enorm, zahlreichen Menschen wurde die Einreise - trotz gültiger Visa - verweigert.

Von der Regelung betroffen sind alle Flüchtlinge aus Syrien und Menschen aus dem Iran, dem Sudan, Libyen, Somalia, dem Jemen und dem Irak. Mehrheitlich muslimische Länder. Aber dort verfolgte Christen will Trump weiterhin helfen, wie er in einem Interview mit "CBN News" bekräftigte.

Der Grund für die massive Einreisebeschränkungen? Trump will damit "radikale islamische Terroristen" aus dem Land fernhalten.

Mit Kanonen auf Spatzen

Allein ein Blick auf die Zahlen zeigt, dass das Unterfangen schwerlich die Richtigen trifft. Alex Nowrasteh hat die Herkunft der Attentäter von Terroranschlägen in den USA von 1975 bis 2015 untersucht.

Dabei kam er zum Ergebnis, dass in diesem Zeitraum insgesamt 1,14 Milliarden Visa ausgestellt wurden. Darunter entfielen nur 154 auf im Ausland geborene Terroristen, die dann in die USA kamen und dort Anschläge ausübten, bei denen insgesamt 3024 Menschen starben (allein der Terror am 11. September 2001 kostete 2983 Menschen das Leben, 19 Terroristen nicht mitgerechnet). Wichtig: Kein einziger Täter einer tödlichen Attacke kam aus den sieben jetzt vom Dekret betroffenen Ländern.

Das zeigen ebenso die neuesten Fälle: Wikipedia listet 14 Terrorattacken mit insgesamt 17 Tätern für die vergangenen zwei Jahre auf. Dabei wurden elf Attentäter in den USA geboren, die anderen sechs stammten ursprünglich aus Kuwait, Pakistan, Guinea, Kenia, Afghanistan und Somalia. Doch nur das letzte Land steht auf Trumps Liste.

In den letzten 40 Jahren bestand laut Nowrasteh die Chance, einem im Ausland geborenen Terroristen zum Opfer zu fallen, bei 1 zu 3,6 Millionen. Zudem starb in 30 Jahren (innerhalb des untersuchten Zeitraums) kein US-Bürger auf amerikanischen Boden bei einem Terroranschlag, der von einem Ausländer oder Einwanderer verursacht wurde.

Trump hat die falschen Länder auf die Liste gesetzt

Das Verfahren gleich ganze Länder kollektiv zu bestrafen und der Zynismus, von Terror bedrohte Syrer nicht zu helfen, ist das eine. Das andere ist, dass Trump mit seinem Vorgehen die terroristische Gefahr nicht wird reduzieren können.

Ein Blick auf eine Liste der Terroranschläge in den USA verrät: Einige Taten wurden zwar von Menschen mit Migrationshintergrund begangen - die aber in den USA geboren wurden oder zum Großteil aufgewachsen sind.

Außerdem hebt das US-Nachrichtenportal "Vox" hervor, dass in den letzten 15 Jahren kein einziger Attentäter, der seine Tat im Namen des Islams ausführte, aus einem der Länder auf Trumps Liste kam.

Etliche Länder fehlen auf Trumps Liste

Auffällig: 15 der Entführer, welche die Flugzeuge ins World Trade Center oder ins Pentagon steuerten, kamen aus Saudi-Arabien, zwei aus den Vereinten Arabischen Emiraten, einer aus dem Libanon und der letzte aus Ägypten. Und auch Osama bin Laden war saudischer Staatsbürger.

Zufall oder nicht. Gerade diese Länder sind nicht auf Trumps Liste. Ein anderer Blickwinkel erklärt die Beschränkung auf die sieben Länder. Die "Washington Post" und "Bloomberg" vermuten, dass das mit den Geschäften des Präsidenten (und seiner Familie) zu tun hat.

Auf der anderen Seite macht der Bann des Iran "noch weniger Sinn", schreibt "Vox". Die Regierung der islamischen Republik ist zwar einer der größten Unterstützter von schiitischen Gruppen im Libanon, Palästina, dem Irak oder im Jemen. Doch bisher gab es erst einen - vereitelten - Versuch eines Anschlags in den USA: Im Jahr 2011 wollte ein Iraner den saudischen Botschafter während eines Essens ermorden.

Gefahr geht von einheimischen Terroristen aus

Die anderen sechs aufgelisteten Länder sind zwar terroristische Brennpunkte - allerdings werden die Anschläge fast ausschließlich eben genau dort ausgeführt und nicht in den USA.

Zwar bestehe die Gefahr, dass Amerikaner sich dem IS anschließen und gewaltbereit zurückkehren. Aber die primäre Gefahr kommt nicht von den Kämpfern selbst, sondern von deren Propaganda, so "Vox".

Insbesondere über das Internet können junge Menschen im Westen problemlos über große Distanzen hinweg radikalisiert werden. Laut FBI überwachten Ermittler im September 2016 USA-weit etwa 1000 "potentielle einheimische gewalttätige Extremisten".

Mit Hilfe dieser radikalisierten Menschen Anschläge zu verüben ist wesentlich einfacher als Ausländer erst einmal in das Land zu schmuggeln. Oder mit Hilfe eines Visum in die USA zu reisen. Bereits vor Trumps Dekret war das für die Bürger der betroffenen Länder alles andere als einfach.

Trauriger Fakt ist aber auch, dass zwischen 2001 und 2015 mehr US-Bürger von Rechtsextremen als von Islamisten getötet wurden.

Der Einreisestopp wird also die Gefahr von Terror und Gewalt - zumal im Land vieler Waffenliebhaber - keinesfalls reduzieren oder gar eliminieren können. Trotzdem behauptet Trump, dass er mit seiner Entscheidung die USA vor Terroranschlägen schützen wird.

Klar ist nur, dass der Präsident mit dem Dekret den Rassismus seines Wahlkampfes ins Oval Office geholt hat. Schlimmer noch, Trump hat ihn in Gesetzestexte gegossen. Die Gefahr, die daraus entstehen kann, ist deutlich realer als Attacken muslimischer Touristen.