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28/01/2017 05:56 CET | Aktualisiert 28/01/2017 07:38 CET

Diese Fotos zeigen, warum Trumps Einreisestopp ein Riesenfehler ist

Donald Trump hat am Freitag eine seiner radikalsten Forderungen wahr gemacht: Er macht die Grenzen dicht, lässt vorübergehend keine Staatsbürger von sieben muslimisch-geprägten Ländern mehr in die USA und auch Flüchtlinge aus Syrien sollen bis auf weiteres gar nicht mehr ins Land gelassen werden.

Wie verheerend die Folgen einer solch strikten Einreisepolitik sein können, zeigt jetzt ein Twitter-Account, der an Menschen erinnert, die versuchten dem Dritten Reich zu entkommen, es aufgrund von strengen Einreisebestimmungen in den USA aber nicht schafften.

Konkret geht es um die Passagiere des Transatlantik-Passagierschiffes "St. Louis“, das am 13. Mai 1939 den Hafen von Hamburg verließ. An Bord waren 937 Passagiere, fast alle waren jüdisch. Sie wollten dem nationalsozialistischen Deutschland entkommen.

Das Ziel der St. Louis war Kuba. Die meisten Fliehenden wurden jedoch abgewiesen, das Schiff brachte den Großteil der Passagiere wieder zurück nach Europa.

"Mein Name ist Willi Dublon. Die USA wies mich an ihrer Grenze 1939 ab. Ich wurde in Auschwitz ermordet", heißt es in einem der Tweets.

Wie das "United States Holocaust Memorial Museum" berichtet, haben sich die meisten der Passagiere der "St. Louis" um ein Visum für die USA beworben. In Kuba wollten sie demnach so lange bleiben, bis sie in die USA einreisen durften.

Nach Angaben des Museums nahm Kuba allerdings nur 29 Passagiere des Schiffes auf. Weil sich die Einreisebestimmungen kurz zuvor geändert hatten, musste die St. Louis Havanna allerdings mit 908 Passagieren an Bord wieder verlassen.

Der Kapitän der St. Louis brachte das Schiff dann an die Küste Floridas, in der Hoffnung, dass die jüdischen Flüchtlinge dort direkt von der USA aufgenommen werden. Allerdings ohne Erfolg.

Wie das United States Holocaust Memorial Museum weiter berichtet, hat die USA zu dieser Zeit die Anzahl der Immigranten beschränkt. Da es eine lange Warteliste gab, sei den Passagieren des Schiffes die direkte Einreise in die USA nicht gewehrt worden.

Die St. Louis kehrte schließlich nach Europa zurück.

Nach Angaben des Museums nahm Großbritannien schließlich 288 Passagiere der St. Louis auf, die Niederlande 181, Belgien 214 und 224 in Frankreich. Als Deutschland in die Nachbarländer einfiel, mussten allerdings viele der ehemaligen Passagiere der St. Louis feststellen, dass sie dem dritten Reich nicht entkommen waren.

Nach Angaben des United States Holocaust Memorial Museum starben 254 ehemalige Passagiere des Schiffes im Holocaust.

Das Twitter-Projekt, das unter dem Namen "St. Louis Manifest“ an die Opfer des Holocausts erinnert, die vergeblich versucht haben, vor dem dritten Reich zu fliehen, stammt von zwei US-Amerikanern, dem Softwareentwickler Russel Neiss und dem Rabbi Charlie Schwartz.

Es birgt jedoch vor allem eine aktuelle Brisanz. Tatsächlich hat der neue US-Präsident Donald Trump für viele Menschen aus muslimischen Ländern einen Einreisestopp verhängt. In einem Dekret, das Trump am Freitag unterzeichnet hat, heißt es, dass Flüchtlinge aus Syrien bis auf weiteres gar nicht mehr ins Land gelassen werden.

Im Interview mit dem US-Magazin "The Atlantic" erklärt Neiss, dass das Projekt genau auf diese aktuelle Krise hinweisen soll. "Es ist wichtig an die Opfer des Holocaust zu erinnern", sagte Neiss zur Motivation des Projekts. Was dieses Projekt aber auch besonders aktuell mache, sei das Gespräch über ein Einreisestopp für Flüchtlinge in den USA.

"Die Geschichte gibt uns die Möglichkeit, darüber nachzudenken, wo wir stehen"

"Die Leute sagen immer, wenn man die Geschichte vergisst, dann ist man dazu verurteilt, sie zu wiederholen. Das ist einer dieser Momente, in denen die Geschichte uns die Möglichkeit gibt, darüber nachzudenken, wo wir gerade stehen“, sagt Neiss gegenüber "The Atlantic".

"Die Geschichte der St. Louis ist besonders interessant, weil buchstäblich hunderte Flüchtlinge direkt vor der Küste von Miami darauf warteten, ins Land zu kommen und sie wurden weg und schließlich in ihren Tod geschickt“, so Neiss.

Neiss fügte noch hinzu: "Es gab in den 1930ern und 1940ern legitime Bedenken, was die Immigration angeht, aber die Menschen vergessen manchmal, dass solche legitime Bedenken auch tödliche Konsequenzen für Menschen haben können."

Trump macht die Grenzen dicht

Mit dem Dekret des US_Präsidenten Donald Trump wird ab sofort ein Programm ausgesetzt, das im vergangenen Haushaltsjahr noch 85 000 Flüchtlingen erlaubt hatte, in die Vereinigten Staaten einzureisen.

Darunter waren auch 12 587 Menschen aus Syrien. Während für diese nun nicht klar ist, wie lange das Verbot künftig gelten wird, ist die Einreise aus sechs weiteren muslimisch-geprägten Ländern vorerst für 90 Tage verboten.

Trump spricht von einer "extremen Sicherheitsüberprüfung" – Kritiker halten das für eine Beschönigung von Diskriminierung gegenüber Muslimen.

"Es gibt keine Hinweise darauf, dass Flüchtlinge - die vor einer Einreise in die USA am stärksten kontrollierte Gruppe - eine Bedrohung für unsere Nationale Sicherheit sind", sagte eine Anwältin der Bürgerrechtsbewegung Cair, Lena F. Masri. "Die Anordnung ist auf Scheinheiligkeit begründet, nicht auf Realität", sagte sie.

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