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27/01/2017 15:02 CET | Aktualisiert 27/01/2017 17:49 CET

Der abgelenkte Präsident? Trump und sein spezielles Verhältnis zum Fernsehen

Jim Urquhart / Reuters
Offenbar lässt sich Donald Trump von Fernsehsendern für seine Tweets inspirieren

  • Offenbar lässt sich Donald Trump von Fernsehsendern für seine Tweets inspirieren

  • Laut einem Medienbericht würden Berater versuchen, ihn von Fernsehgeräten fernzuhalten

US-Präsident Donald Trump unterhält nicht nur eine innige Beziehung zu seinem Twitter-Account. Er ist offenbar auch ein großer Fan des Kabelfernsehens.

Zwei Vorfälle in den letzten Tagen zeigen, wie sehr Trump vom Fernsehen beeinflusst ist.

Fox News berichtet - und Trump twittert

Am Dienstagabend berichtete der Fernsehsender Fox News über die gestiegene Zahl von Tötungsdelikten und Schießereien in Chicago. Wie die Huffington Post USA schreibt, fragte Moderator Bill O’Reilly in der Sendung, ob Trump intervenieren und sich über "lokale Autoritäten hinwegsetzen" werde.

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Quelle: Screenshot/Fox News

Nur etwa eine Stunde später antwortete ein Tweet von Trump auf die Frage des Moderators. Beleg für viele Medien, dass Trump tatsächlich vor dem Bildschirm gesessen hatte und sich von dem Bericht für einen Tweet inspirieren hat lassen.

Auf Twitter hieß es: "Wenn Chicago das schreckliche 'Massaker' nicht in den Griff kriegt, 228 Schießereien und 42 Tote 2017 (ein Zuwachs von 24 Prozent seit 2016), werde ich das FBI schicken."

Am Donnerstagmorgen berichtete Fox News über die Whistleblowerin Chelsea Manning, die von Obama begnadigt worden war. In dem Beitrag hieß es, Manning sehe Obama als "schwachen Anführer". Ein Schriftzug unten am Bildschirm nannte sie daher eine "undankbare Verräterin".

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Quelle: Screenshot/Fox News

Diesmal dauerte es nur vierzehn Minuten, bis sich Trump mit einem Tweet meldete, der den Formulierungen der Berichterstattung von Fox ähnelte: "Undankbare VERRÄTERIN Chelsea Manning, die niemals hätte aus dem Gefängnis entlassen werden sollen, bezeichnet jetzt Präsident Obama als schwachen Anführer. Furchtbar!"

Nicht ohne den Fernseher

Man weiß, dass Donald Trump ausgiebig verschiedene Medien konsumiert. Der US-amerikanischen Tageszeitung "New York Times" sagte er nach der Amtseinführung, er würde den Morgen immer noch so verbringen, wie er es im Trump Tower gewohnt war:

Er stehe um sechs Uhr auf, schalte den Fernseher ein und lese verschiedene Printausgaben der großen amerikanischen Tageszeitungen - der "New York Times", der "Washington Post" und der "New York Post".

Trumps Verhältnis zu den Medien ist bekanntermaßen sehr angespannt. Auf der Pressekonferenz vor seiner Amtseinführung verweigerte er einem Reporter des Fernsehsenders CNN, eine Frage zu stellen. Denn CNN sei "Fake News".

Mehr zum Thema: Die US-Medien führen einen Erschöpfungskampf gegen Donald Trump - sie können ihn nicht gewinnen

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Berater versuchen, Trump vom Fernseher fernzuhalten

Der Fernsehsender Fox News steht der Partei der Republikaner nahe, daher ist es nicht verwunderlich, dass Trump diesem Sender mehr vertraut.

Dass er dessen Berichterstattung allerdings als Anlass nimmt, um mit Tweets Politik zu machen, besorgt nicht nur die Medien.

Wie die Nachrichtenagentur AP berichtete, würden Personen, die Trump nahe stehen, versuchen, ihn von einem Fernsehgerät fernzuhalten. Die negative Berichterstattung würde Trump verärgern.

Laut AP würden Schlüsselfiguren im Beraterstab zustimmen, dass der Streit über die Zuschauerzahlen der Vereidigung und der angebliche Wahlbetrug letztlich nur eine Ablenkung darstellten – von den wichtigeren Themen im politischen Geschäft.

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(jg)