POLITIK
27/01/2017 02:37 CET | Aktualisiert 27/01/2017 09:57 CET

"Maybrit Illner": CDU-Mann lobt Schulz - weil dieser der Union widerspricht

ZDF Mediathek
Illners Sendung wurde am Sonntag zur Plattform für Koaltionsverhandlungen

Die SPD ist in Aufbruchsstimmung. Der neue Parteichef Martin Schulz bringt Leben in den Wahlkampf. So wurde Maybrit Illners gestrige Talkshow ("Schulz macht’s. Linke Mehrheit gegen Merkel?") zur Plattform für erste Koalitionsverhandlungen.

SPD-Fraktionschef Thomas Oppermann macht sich bereits Hoffnungen für die Bundestagswahl: "Gabriel hat seine eigenen Interessen zurückgestellt, zum Wohl der Wahlchancen seiner Partei", sagt er zum Rücktritt von Sigmar Gabriel.

Ganz besonders scheint sich Carsten Linnemann, Vorsitzender der Mittelstandsvereinigung der Union, zu freuen. Verkehrte Welt: Er lobt Schulz, weil er NICHT das Gleiche sagt, wie die CDU.

"Ich finde es gut, dass wir jetzt streiten"

"Ich freue mich, dass wir es mit Martin Schulz zu tun haben, weil eine knallharte Einstellung zu europapolitischen Themen hat." Er würde zum Beispiel Eurobonds fordern und möchte den deutschen Steuerzahler für die Schulden Italiens haftbar machen.

"Ich finde es gut, dass wir jetzt streiten." Die Demokratie würde unter Beschuss stehen. "Die Menschen haben den Eindruck, bei der Flüchtlingskrise, bei der Eurokrise, das ist ein Einheitsbrei - und wählen AfD". Deshalb müssten die Parteien wieder streiten. "Ich freue mich auf die Debatte."

Aber für was steht Schulz eigentlich? Die Grüne Göring-Eckhart ist ratlos: "Schulz muss erst erklären, was er für Deutschland will!" Sie würde jetzt erstmal darauf warten, dass Schulz am kommenden Sonntag sein Programm vorstellt.

Aber alle scheinen sich einig: Durch Schulz ist eine rot-rot-grüne Koalition viel wahrscheinlicher geworden. "Steht er für rot-rot-grün?", fragt Illner die Linke Katja Kipping direkt. "Da würd ich ein Fragezeichen machen", antwortet die. Schließlich habe Schulz in Brüssel als Manager der Großen Koalition und Vertreter der Troika agiert.

Allerdings gebe bis zur Wahl ja noch "Möglichkeitsfenster" für soziale Reformen - noch haben SPD, Linke und Grüne die Mehrheit im Bundestag.

Linnemann sieht "Lagerwahlkampf" kommen

FDP-Chef Linder bringt Schwarz-Gelb in Spiel. Diese Koalition sei genauso wahrscheinlich wie rot-rot-grün. Der natürliche Partner der CDU bleibe die FDP, sagt auch Linnemann.

Alle scheinen nur eines vermeiden zu wollen: noch einmal Groko. Auch Oppermann scheint daher Rot-Rot-Grün nicht abgeneigt. "Wir haben mit den Grünen immer noch viele Schnittmengen. Auch mit den Linken werden wir reden."

Jetzt ist die Katze aus dem Sack. CDUler Linnemann scheint sich darüber fast zu freuen: "Jetzt ist klar, dass Sie offen sind für Rot-Rot-Grün". Er sagt einen "Lagerwahlkampf" voraus.

Schulz' Beliebtheit scheint ihn nicht zu beeindrucken: "Auch Steinbrück hat stark begonnen!" Der frühere NRW-Ministerpräsident Peer Steinbrück unterlag bei der Bundestagswahl 2013 Angela Merkel.

Auch auf HuffPost:

So deutlich wie Martin Schulz hat noch kein deutscher Spitzenpolitiker Erdogan kritisiert