ELTERN
27/01/2017 03:47 CET | Aktualisiert 27/01/2017 03:49 CET

Ich wünschte, ich hätte diese Dinge vor meiner Fehlgeburt gewusst

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Das Ultraschallbild von Emily Christines ungeborenem Kind.

Als Emily Christine in der achten Woche schwanger war, hatte sie die Möglichkeit, das erste Mal ein Ultraschallbild ihres Babys zu sehen.

Sie und ihr Ehemann hatten lange auf diesen Moment gewartet. Als sie das Sprechzimmer bei ihrem Arzt betrat, wurde sie von den Arzthelferinnen mit einem Lächeln begrüßt. Das Glück, ein Kind in sich zu tragen, sei "ansteckend“, schreibt Emily auf Facebook. Es übertrage sich auf andere Menschen.

Doch was sie kurze Zeit später auf dem Ultraschallbild zu sehen bekam, ließ das Lächeln verstummen. Die Bilder zeigten ihr, dass sie kurz vor einer Fehlgeburt stand. Für Emily brach eine Welt zusammen.

An alle Frauen, die eine Fehlgeburt hatten: Ihr seid nicht allein

Nun hat Emily Christine ihre Erfahrungen in einem öffentlichen Brief auf Facebook geteilt. Sie möchte dadurch anderen Frauen Mut machen und ihnen sagen: Ihr seid nicht allein.

"Ich musste so dringend aufs Klo, aber die Ärzte sagten mir, dass ich für den Ultraschall eine volle Blase haben müsste, um das Baby im Ultraschall besser sehen zu können. Ich war so genervt - nicht nur wegen der Schmerzen, sondern auch, weil ich vor der Untersuchung gefühlt 50 Seiten Formulare ausfüllen musste. Dann war endlich der Moment gekommen, auf den ich und mein Ehemann acht Wochen gewartet hatten: Wir würden das erste Mal unser Baby sehen.

Doch die Bilder, die ich im Ultraschall zu Gesicht bekam, sahen vollkommen anders aus, als die Bilder, die ich von meinen Freundinnen kannte. Irgendetwas stimmte nicht. Irgendetwas war anders.

Und plötzlich wurde mir klar: In nur wenigen Stunden würde ich eine Fehlgeburt haben.

Ich erinnere mich noch daran, welche Angst ich davor hatte, zu weinen. Es fühlte sich nicht richtig an, weil ich dachte, dass mir das Recht zu Weinen nach so kurzer Zeit der Schwangerschaft nicht zustehen würde.

Ich erinnere mich daran, wie ich meine Tränen zurückhielt. Ich weiß noch, dass ich meinen Ehemann nicht in die Augen blicken konnte. Ich wusste, dass ich an seinem Schmerz zerbrechen würde.

Auf das, was kommen sollte, hatte mich niemand vorbereitet

Ich wurde wieder nach Hause geschickt. Man sagte mir, ich solle meinen Körper "einfach machen lassen“. Doch auf das, was kommen sollte, hatte mich niemand vorbereitet.

Niemand hatte mir gesagt, dass mich mein Körper noch die nächsten Wochen an meine Fehlgeburt erinnern würde - denn so lange dauert es, bis er sich "selbst gereinigt“ hat.

Niemand hatte mir gesagt, wie sehr mein Ehemann weinen würde und wie schwer es ist, der eigenen Mutter zu sagen, dass man einen Abgang hatte.

Niemand hatte mich darauf vorbereitet, dass sich mein Körper noch Wochen später so verhalten würde, als wäre ich immer noch schwanger.

Ich hätte gerne gewusst, wie verdammt schwer es ist, den Menschen um mich herum vorzugaukeln, es sei alles in Ordnung - obwohl es das nicht ist.

Niemand hatte mir gesagt, wie schmerzhaft es sein kann, jemanden zu verlieren, den man noch nie in seinem Leben gesehen hat.

Doch was mir gesagt wurde, war, dass es okay ist, zu weinen und dass ich nicht alleine bin mit meinem Schmerz. Und das gab mir Kraft.

Die Zeit kann nicht alle Wunden heilen - aber das solltet ihr wissen

Ich möchte kein Mitleid und ich suche auch nicht nach Antworten auf meine Fragen. Ich möchte meine Erfahrungen mit anderen Frauen teilen. Ich möchte, dass sich vielleicht nur eine einzige Frau da draußen, die dasselbe wie ich durchmachen musste, weniger alleine fühlt.

Vielen mögen sich vielleicht wundern, warum ich mich erst jetzt dazu entschieden habe, über meine Fehlgeburt zu schreiben.

Doch die Realität ist, dass die Zeit nicht immer alle Wunden heilt. Ich möchte den Frauen die ebenfalls eine Fehlgeburt hatten, folgendes auf den Weg geben:

Es gibt immer Hoffnung - und diese Hoffnung bleibt bestehen.

Ich hoffe, dass ihr euch nicht alleine fühlt.

Ich hoffe, dass ihr den Mut habt, zu weinen.

Ich hoffe, dass ihr das Licht am Ende des Tunnels sehen könnt.

Seid stark und zuversichtlich - findet euren inneren Frieden.

Ich hoffe, dass ihr keine Angst davor habt, es nochmal zu probieren.

Gebt euch niemals selbst die Schuld für eure Fehlgeburt.

Ich hoffe, dass euch eure Freunde Rückhalt geben.

Ich hoffe, dass ihr selbst das Licht in diesen dunklen Stunden seid.

...und ich möchte euch sagen, dass jedes Leben es wert ist, gefeiert zu werden - egal wie kurz es ist."

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(lm)