POLITIK
25/01/2017 15:30 CET | Aktualisiert 27/01/2017 09:40 CET

Lieber Donald Trump: Wir Deutschen haben Erfahrung im Mauerbau - und es war eine beschissene Idee

AP

Herr Trump,

ich melde mich heute aus dem Land Ihrer Vorfahren. Wir müssen über ein Thema reden, mit dem wir Deutschen uns bestens auskennen: dem Mauerbau. Wissen Sie, wir Deutsche haben damit gewisse Erfahrungswerte in der Vergangenheit gesammelt. Und die waren – nun ja – ziemlich beschissen. Und zwar für alle Beteiligten.

Am Mittwoch haben sie angekündigt, dass Sie eines der abenteuerlichsten Projekte in die Tat umsetzen wollen - eine meterhohe Mauer entlang der mexikanischen Grenze. Ich nehme an, Sie finden diese Idee bestimmt "tremendous“, und die Kritik daran "sad“.

"Vielleicht denken Sie ja daran, dass eine Mauer wie ein 'Damm' wirken kann

Die Sache ist die: Im ersten Moment mag so eine Mauer ein mächtiges Symbol sein. Egal, ob sie gemauert oder aus Beton gegossen wird, sie wirkt undurchlässig. Das ist bestimmt auch die Botschaft, die sie verbreiten wollen.

Vielleicht denken Sie ja daran, dass eine Mauer wie ein "Damm“ wirken kann, mit dem Sie Ihr Land vor einer "Überflutung“ schützen können. Ehrlich gesagt muss ich beim Schreiben dieser Wörter zucken, aber ich versuche gerade nur, in Ihren Kopf hineinzukriechen. Auch wenn es dort ziemlich streng riecht.

Aufhalten konnte die Mauer nicht, was historisch unvermeidbar war

In der DDR hat die Sache mit dem Dammbau sogar kurzfristig geklappt, wenn auch anders herum. Dort wollte das SED-Regime dafür sorgen, dass die Bürger nicht in Scharen vor den Errungenschaften des real existierenden Sozialismus davonzulaufen. Die Flüchtlingszahlen sanken in den Jahren nach 1961. Aber aufhalten konnte die Mauer nicht, was historisch unvermeidbar war.

Das liegt vor allem daran, dass Menschen sich auf Dauer weder ein- noch aussperren lassen. Wir haben das hier in Europa erlebt, wo wir Milliarden in die "Sicherung“ unserer Außengrenzen investiert haben.

Und doch konnten unsere Regierungen mit dem Aufbau der "Festung Europa“ nicht verhindern, dass ab 2013 Millionen von Menschen in der EU Schutz suchten vor dem Grauen, was sie in den verwüsteten Dörfern und Städten ihrer Heimatländer erlebt haben.

Lieber Herr Trump, Sie können nicht das gesamte Land einmauern

Um noch mal auf die DDR zurückzukommen. Am Ende hatte die Mauer das ganze Regime diskreditiert. Sie stand dafür, wie menschenverachtend die Bonzen der SED dachten. Gerade weil sie es nicht verstanden hatten, dass ein Mensch nicht nur zwei Arme und zwei Beine, sondern auch Gefühle und Bedürfnisse hat.

So wird es auch Ihnen gehen. Sie können nicht das gesamte Land einmauern, so toll Ihre Wähler auch diese Idee finden mögen. Es wird Lücken geben, und es werden immer neue Lücken entstehen. Sie können die Tunnel nicht verhindern, die mit Sicherheit gebaut werden. Am Ende wird die Welt sehen, wie hilflos der Versuch war, eine Mauer gegen Einwanderer zu bauen.

Was Ihr Vorhaben jedoch auf jeden Fall angreifen wird, das ist das Wertefundament, auf dem Ihr Land aufgebaut ist. Hatten wir von diesen hilflosen, kraftmeierischen Versuchen nicht schon genug, mit denen einer Ihrer Amtsvorgänger in den Nullerjahren erfolglos „Stärke“ im Kampf gegen den Terror beweisen wollte?

Amerika war für viele Menschen das Land der Freiheit. Nicht alles war dort perfekt, aber vieles besser als dort, wo die Menschen keine Freiheit hatten. Setzen Sie all das nicht aufs Spiel für ein derart dummes und gleichzeitig menschenverachtendes Projekt.

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