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25/01/2017 08:44 CET

Trotz oder wegen "Lügenpresse"? Das Vertrauen in die deutschen Medien ist deutlich gestiegen

PeopleImages via Getty Images
Das Vertrauen in die deutschen Medien ist deutlich gestiegen - frühes Zeitungslesen ist dabei sicherlich nicht abträglich

  • Mit "Lügenpresse" stempeln viele pauschal die Berichterstattung deutscher Medien ab

  • Eine neue Studie zeigt allerdings: In einem wichtigen Punkt ist das Vertrauen in die Medien sogar gestiegen

Die Zahl der Bürger, die den Medien vertrauen, ist in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen. Das berichten Kommunikationsforscher der Universität Mainz mit Bezug auf eigene Umfragen in der Wochenzeitung "Die Zeit".

Wenn es um "wichtige Dinge wie Umweltprobleme oder politische Skandale geht", finden heute 40 Prozent der Deutschen, könne man den Medien vertrauen. 2008 waren es nur 29 Prozent.

Im gleichen Zeitraum wuchs jedoch auch jene Bevölkerungsgruppe, die das Vertrauen in die Medien verloren hat, von 9 auf 24 Prozent.

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Große Bevölkerungsteile hätten sich klarer positioniert

Der Mainzer Kommunikationswissenschaftler Oliver Quiring, der an der Studie beteiligt war, erklärt sich die Veränderung - die teils konträr zu anderen Umfragen steht - damit, dass sich große Teile der Bevölkerung klarer positioniert hätten. "Vielleicht wird einigen Bürgern jetzt auch stärker bewusst, was man im Vergleich zu anderen Staaten an den Medien und der Pressefreiheit in Deutschland hat."

Zugleich warnen die Mainzer Medienwissenschaftler Politiker und Journalisten davor, die Bedeutung der sozialen Medien zu überschätzen. "Heute besteht die Gefahr, dass die Lauten, die Aggressiven, die Penetranten und Impertinenten den Diskurs bestimmen", sagt Quiring.

Forderung nach gezielter Medienpädagogik

Die Mainzer Forscher plädieren deshalb für eine gezielte Medienpädagogik. Quiring ist der Meinung, man solle "schon in der Schule lernen, wie guter Journalismus funktioniert und warum es zum Beispiel etwas anderes ist, ob eine Information in der Zeitung steht oder in einem privaten Blog".

Bereits im September 2016 hatten die beiden Medienwissenschaftler Kim Otto und Andreas Köhler in einem Beitrag analysiert, dass insbesondere Menschen, die jünger als 35 Jahre sind, zunehmend den Medien misstrauten. Auch jene Befragten, die ihre eigene wirtschaftliche Lage als schlecht beurteilten, den Parteien misstrauten, sich gegen Flüchtlinge positionierten und eher am rechten Rand des politischen Spektrums beheimatet seien, zählten zu den Skeptikern.

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(sk)