POLITIK
26/01/2017 00:21 CET | Aktualisiert 27/01/2017 09:41 CET

"Sandra Maischberger": CSU-General Scheuer rechnet bitterböse mit Martin Schulz ab

Andreas Scheuer bei "Maischberger"
ARD Mediathek
Andreas Scheuer bei "Maischberger"

  • Bei "Maischberger" ging es gestern um die überraschende Kanzlerkandidatur von Martin Schulz

  • CSU-Generalsekretär Andreas Scheuer kritisierte die Postenwechsel an der Spitze der SPD als "letztes Aufgebot", das die Partei ins Chaos stürze

  • Schulz Kandidatur, so Scheuer, sei eine "Therapiehilfe für die 20-Prozent-Partei"

Plötzlich ist alles anders. Nach der überraschenden Ankündigung, dass Sigmar Gabriel den SPD-Vorsitz und die Kanzlerkandidatur an Martin Schulz abtritt, änderte die "Maischberger"-Redaktion rasch das Programm.

Statt "Polizisten - Prügelknaben der Nation?" war nun "Alles auf Schulz: Kann er Merkel stürzen?" das Thema der Sendung. Polizeigewerkschaft Rainer Wendt wurde ausgeladen und stattdessen Putzfrau Susi Neumann eingeladen.

"Stern"-Chefredakteur Hans-Ulrich Jörges berichtet, wie Gabriel seinen Abtritt mit Knall vorbereitet hatte. "Über mehrere Monate hinweg gab es diverse Treffen und Gespräche in Goslar", erzählte er.

Die Ministerpräsidentin von Rheinland-Pfalz, Malu Dreyer, will nicht zugeben, dass sie keine Ahnung von Gabriels Plänen hatte. Als Maischberger sie fragt, ob sie von ihnen wusste, eiert sie herum: "Er hat mit vielen Menschen, mit einigen Menschen gesprochen…"

Nur Olaf Scholz und Hannelore Kraft wussten davon

Doch Jörges lässt sie nicht entkommen: Nur Hamburgs Bürgermeister Olaf Scholz und NRW-Ministerpräsidentin Hannelore Kraft hätten von seinen Plänen gewusst. Ups - das sagt viel über das gegenseitige Vertrauen in der Parteispitze aus.

Der Gewerkschafterin Susi Neumann war ihre Wut noch anzusehen. Sie war empört darüber, wie Gabriel seinen Coup geplant hatte, ohne seine Mitstreiter davon in Kenntnis zu setzen.

Neumann hatte schon ein Hotelzimmer für den 29. Januar in Berlin gebucht - den Tag, an dem die SPD im Willy-Brandt-Haus den Namen des Kanzlerkandidaten verkünden wollte: "Ich bin froh, dass ich nicht einen Vertreter der Presse am Rohr hatte. Das wäre kein schöner Pressebericht geworden", sagte sie über den Moment, als sie von Gabriels Rücktritt erfahren hatte.

"Schulz ist das letzte Aufgebot"

Allein CSU-Generalsekretär Andreas Scheuer sieht in dem Personalwechsel keinen Neuanfang - eher ein "letztes Aufgebot". Dass jetzt alle Gabriel Respekt für seine Entscheidung bescheinigen würden, wunderte Scheuer sehr. Schließlich habe er "die arme SPD-Fraktion wie einen Hühnerhaufen ins Chaos" gestürzt.

Nicht nur der SPD, sondern auch der Regierung mache er durch seinen Wechsel von Amt des Wirtschaftsministers ins Außenministerium die Arbeit schwer. Und das in Zeiten von Trump und Syrien-Krise.

"Wir reden über einen neuen Außenminister in dieser angespannten weltpolitischen Lage, der mehr Zeit für seine Familie haben will!" Das sei doch eine „hanebüchene Begründung“.

Brigitte Zypries, die statt Gabriel Wirtschaftsminister werden soll, habe schon angekündigt, dass sie nicht mehr für den Bundestag kandidieren will. "Quasi ein Vorruhestandmodell", spottete Scheuer. In Martin Schulz' Kandidatur sieht er nur "Therapiehilfe für eine 20-Prozent-Partei".

Sahra Wagenknecht als Finanzministerin?

Hoffnungen, der CDU gefährlich zu werden, könne sich Schulz "nur mit einem Linksabbiegen" machen. "Schulz kann nur Kanzler werden mit Rot-Rot-Grün", warnt Scheuer. "Wenn er Kanzler wird, wird Sahra Wagenknecht Finanzministerin und Claudia Roth Außenministerin.“

Das will er offensichtlich verhindern. "Wir haben in der großen Koalition viele Beschlüsse zur sozialen Gerechtigkeit gemacht", lobt sich Scheuer. Hier stieg Susi Neumann ein. Die Putzfrau, die als Gewerkschafterin arbeitet, empörte sich. "Da gehe ich hoch wie Flitzkacke."

"Die Wirtschaft boomt, eure angeblichen Arbeitslosenzahlen sind Spitze, obwohl man nur rausrechnet. Und jetzt wird es Zeit, dass wir mal dran sind."

Text geht nach der Umfrage weiter

Wagenknecht nimmt den Ball dankbar auf. Die Freude in der SPD über die Schulz-Kandidatur sei nicht mehr als Erleichterung, dass Gabriel endlich geht. "Das ganz große Desaster wurde abgewendet", so die Linke.

"Die SPD ist nicht im Keller, weil Sigmar Gabriel unbeliebt ist." Warum sollten Leute die SPD wählen, die dank der Partei in Werksverträgen und Leiharbeit festhängen und Angst vor Altersarmut haben, fragt sie.

Sie bietet gleich eine Lösung an: Zurzeit gebe es noch eine Mehrheit von SPD, Grünen und Linken im Bundestag. Und mit einigen Beschlüssen können man gleich Akzente für die Bundestagswahl setzen.

Doch diese Hoffnungen auf einen Wahlsieg für Rot-Rot-Grün zerstört "Welt"-Redakteur Dirk Schümer. Mit abgeklärter Miene entzaubert er die Euphorie in der SPD um Schulz' Kandidatur. "Wer glaubt denn im Ernst, dass Schulz Merkel überholen wird?", sagt er.

Am Ende würde die Wahl im September wieder auf eines hinauslaufen. Eine große Koalition - mit Merkel als Kanzlerin und Schulz als Außenminister.

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(jg)