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24/01/2017 13:18 CET

Darum will Donald Trump, dass es Krawalle auf Amerikas Straßen gibt

Der amerikanische Protest gegen Trump sind groß
shakzu via Getty Images
Der amerikanische Protest gegen Trump sind groß

Die Tatsache, dass Donald Trump den Ausdruck "das Volk“ benutzt, sollten wir als Warnung verstehen, schreibt der deutsche Politikwissenschaftler Jan-Werner Müller in der britischen Zeitung "The Guardian“.

"Trump sprichtvon seiner Vereidigung als dem 'Tag, an dem das Volk wieder Herrscher der Nation wurde' - nach dem Umsturz des verhassten, fremden Establishments, das Washington zuvor besetzte." Diese Sprache würden auch Chávez, Erdogan und Orbán nutzen, warnt Müller.

Trump ist eine Gefahr für die Demokratie

"Donald Trump hätte es nicht deutlicher zum Ausdruck bringen können, wie sehr er eine Gefahr für die Demokratie darstellt“, sagt der Politikwissenschaftler. Hat Trump damit offenbart, dass er als Populist regieren will?

Alle Populisten stellen das Volk einer korrupten, eigennützigen Elite gegenüber. So auch Trump.

Aber: Nicht gleich jeder, der die Mächtigen kritisiert, sei ein Populist. Was den Populisten auszeichne, ist die Behauptung, dass nur er alleine das wahre Volk repräsentiere. "Jegliche Opposition ist illegitim“, führt Müller aus.

Trump reihe sich damit zu autoritären Führern wie Hugo Chávez, dem selbsternannten ungarischen Premierminister Viktor Orbán und dem türkischen Präsidenten Recep Erdogan.

Zum "Volk" zählt nur, wer die Vision des Populisten teilt

Chávez beispielsweise war verliebt in den Slogan "Mit Chávez regiert das Volk.“ Ironischerweise bedeute diese Gleichstellung der Menschen und ihres vertrauensvollen Repräsentanten, dass der Populist letzten Endes auch keinerlei politische Verantwortung übernehme, sagt Müller und baut die Brücke zu Trump: "Er gibt vor, nur die Exekutiv-Kraft des authentischen Volkswillens zu sein.“

"Manch ein Liberaler hat gehofft, dass Trump wenigstens signalisieren würde, dass er das gespaltene Land 'einen' und 'heilen' wolle.“ Tatsache sei jedoch, dass alle Populisten ständig darüber reden, das Volk zu einen.

So sagte Trump bereits im Mai vergangenen Jahres: "Das einzig Wichtige ist es, das Volk zu einen - denn alle anderen Menschen bedeuten gar nichts.“ Mit anderen Worten erkläre der US-Präsident damit, dass nur diejenigen zum Volk gehören, die die Vision des Populisten teilen, interpretiert der Politikwissenschaftler Müller in der Zeitung.

Populisten wollen Konfrontationen

"Jeder Populist versucht sein Volk zu einen - indem er Konfrontationen mit denen sucht, die nicht als Teil des 'wirklichen Amerikas', der 'wirklichen Türkei' etc. gelten.“ Somit sei es äußerst naiv zu glauben, dass ein populistischer Politiker irgendwann auch die "andere Seite“ erreichen werde.

Es sei voll und ganz in Trumps Interesse, dass es auf Amerikas Straßen Krawalle gibt und er einer ständigen Opposition gegenübersteht - solange er diese seinen Anhängern als "unamerikanisch“ verkaufen kann.

"Für Trump ist das Volk lediglich ein homogenes Trump-Gefolge. Die Spaltung wird bestehen bleiben, denn Populisten regieren, indem sie entzweien. Die amerikanische Demokratie steht vor einer gewaltigen Bedrohung."

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(cho)