ELTERN
24/01/2017 06:59 CET | Aktualisiert 24/01/2017 07:18 CET

An die Supermarkt-Kassiererin, die glaubte, über meine Familie urteilen zu können

Von Müttern wird erwartet, dass sie “alles Griff haben”, wenn sie mit den Kindern aus dem Haus gehen. Dass sie “die Ruhe bewahren”, wenn die Kinder sich schreiend auf den Boden werfen und vor Wut rot anlaufen. Dass sie “genau wissen, was zu tun ist”, wenn die Kinder sich daneben benehmen.

Die meisten Mamas tun sich gerade deshalb schwer zuzugeben, wenn sie mal nicht “alles im Griff haben” und darüber zu sprechen, mit welchen Schwierigkeiten sie jeden Tag zu kämpfen haben.

Umso inspirierender und erleichternder ist es, wenn eine von ihnen sich dazu entschließt, ehrlich zu sagen, was hinter der Fassade der perfekten Mutter steckt.

"Ich habe diese Momente, in denen ich überhaupt nicht mehr klarkomme"

So wie die Amerikanerin Cierra Lyn Fortner. Sie erzählt in einem Facebook-Post von einem Erlebnis mit einer Supermarkt-Kassiererin, das sie nicht losließ.

Sie schreibt darin:

“Heute war ich bei Walmart, um meinen wöchentlichen Freitagseinkauf zu machen. Als ich an der Kasse stand, sagte die Kassiererin zu mir: ‘Ich sehe Sie so oft hier, Ihre Kinder sind immer süß angezogen und benehmen sich gut und Sie scheinen alles immer so super im Griff zu haben’. Ich bedankte mich und kicherte, weil das so weit weg ist von der Wahrheit. Als ich mit dem Auto nach Hause fuhr, wurde mir klar, dass es mehr gibt, von dem ich will, dass sie es weiß.

Ich will, dass sie weiß, dass ich jeden Tag mit Angstzuständen und Depressionen kämpfe und schon zwei Suizidversuche hinter mir habe.

Ich will, dass sie weiß, dass es Tage gibt, an denen ich es nicht mal schaffe, vom Sofa aufzustehen, um meinen Kindern etwas anderes zu Essen zu machen als Tiefkühlpizza und Müsli.

Ich will, dass sie weiß, dass mein Sohn an drei von vier Tagen zu spät zur Schule kommt, weil ich ständig vergesse, welcher Tag und welche Uhrzeit gerade ist - obwohl ich einen riesigen Kalender in der Küche hängen habe.

Ich will, dass sie weiß, dass ich diese Momente habe, in denen ich überhaupt nicht mehr klarkomme und mich ins Badezimmer einsperre und weine.

Ich will, dass sie weiß, dass ich nicht immer die beste Mutter war. Ich arbeite 80 Stunden die Woche und gehe nebenher noch in die Schule, deshalb verbrachte Jayce viele Tage und Nächte bei seinen Großeltern.

Ich will, dass sie weiß, dass ich bei unserem Aufeinandertreffen meine Haare schon drei Tage nicht gewaschen hatte und meine Kinder seit zwei Tagen nicht gebadet hatten.

Ich will, dass sie weiß, dass ich schnell nach Hause wollte, weil ich die Wickeltasche vergessen hatte und Brenton Hunger hatte.

Ich will, dass sie weiß, dass sobald wir den Parkplatz erreichten, dass “wohlerzogene” Kind beschloss, im Einkaufswagen aufzustehen und ich nicht Acht gab und ihn gerade noch auffangen konnte, bevor er auf den Betonboden knallte.

Aber vor allem möchte ich ihr sagen, dass ich nicht alles im Griff habe und das wohl auch nie passieren wird. Ich kenne keine einzige Mutter, die alles im Griff hat, aber alles, was wir tun, tun wir aus Liebe zu unseren Kindern. Diese Tatsache macht uns zu perfekten Müttern und das lässt uns immerhin in den Augen unserer Kinder so wirken, als hätten wir alles im Griff.

Allen Müttern, die so erschöpft sind wie ich, möchte ich deshalb sagen: Ihr macht das großartig, auch wenn ihr einen Nervenzusammenbruch habt und eure Kinder mal nur Müsli zum Essen bekommen. Passt auf euch auf!”


Viele Mütter erkennen sich in dem ehrlichen und berührenden Post der jungen Amerikanerin wieder. Ihr Beitrag wurde schon mehrere zehntausend Mal geliked und geteilt.

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(mm)