LIFESTYLE
24/01/2017 13:46 CET | Aktualisiert 24/01/2017 14:09 CET

Mit seinem neuen Slogan zeigt Lidl alles, was in Deutschland falsch läuft

Der Lebensmitteldiscounter Lidl hat sich überlegt, was sich als neuer Unternehmens-Slogan für das Jahr 2017 eignen würde. Wobei: Überlegt trifft es nicht ganz.

Denn ihre Gehirnzellen haben die Kreativ-Beauftragten offensichtlich nicht besonders angestrengt. Stattdessen haben sie sich von ihrem Bauchgefühl leiten lassen, haben auf ihr Herz gehört, sind ihren Vibes gefolgt.

Mit diesem Ergebnis: "Mehr fühlen, weniger denken".

So lautet der neue Lidl-Slogan. Und damit hat der Discounter unbewusst genau den Zeitgeist getroffen - und alles, was gerade in Deutschland falsch läuft. Vertraue nicht auf Fakten - vertraue lieber auf das, was du fühlst.

Fühlen, anstatt ein einziges Mal den Kopf anzustrengen, fühlen, anstatt sich mit etwas auseinanderzusetzen.

Mehr fühlen, weniger denken.

Der Slogan steht in Zweitklässler-Schönschrift in einen blauen Himmel hinein geschrieben. Unterlegt ist er mit Wohlfühl-Rosa. Passend zum Jäckchen des Testimonials: Eine Frau, die in einer merkwürdigen Yoga-Pose ein Bein verrenkt, den Arm nach einem schwarzen Ball ausstreckt - und dabei natürlich trotzdem entspannt und selig lächelt.

Eine andere Frau unter ihr reckt sich ebenfalls nach dem Ball und stützt gleichzeitig den Arm ihrer Freundin. Warum, das weiß wohl nur Lidl. Denn die Frauen sehen nicht so aus, als hätten sie sich bei der seltsamen Pose besonders viel gedacht. Dafür haben sie aber wahrscheinlich umso mehr gefühlt. Getreu dem Lidl-Motto eben.

Wie recht Lidl doch hat. Denken wird schließlich vollkommen überbewertet. Und genau dieses Denken ist es, was uns in Deutschland gerade schadet.

Durch dieses Denken entstehen Fake News

Dadurch können sich die falschen Menschen Gehör verschaffen - Menschen, die nicht das eigenständige Denken, sondern die niederen Instinkte ansprechen wollen.

Dadurch entstehen Fake News. Dadurch wird ihnen Glauben geschenkt.

Denn was passiert, wenn wir das Denken wirklich ausschalten und nur noch fühlen?

Fühle ich mich gut, suhle ich mich in meiner wonnigen Filter-Bubble und schalte alles andere aus, mache nebenbei vielleicht noch ein bisschen Yoga.

Habe ich negative Gefühle - Angst, vor etwas Fremdem vielleicht, Wut, auf die Politik vielleicht, Hass, auf Menschen, die meinen Vorstellungen nicht gerecht werden - dann lese ich aufpeitschende Nachrichten, werde immer wütender, verbreite sie weiter. Ob sie stimmen? Egal.

Ich will nicht denken, ich will nur fühlen - in diesem Fall hassen.

Hätten die Lidl-Beauftragten beim Ausdenken des Slogans tatsächlich ein bisschen mehr gedacht und weniger gefühlt, dann wäre er vermutlich etwas anders ausgefallen. Denkt mehr, fühlt weniger. Zum Beispiel.

Oder:

Make Thinking Great Again!

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(ks)