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24/01/2017 14:24 CET

5 Gründe, warum Martin Schulz der richtige Kanzlerkandidat für die SPD ist

Der neue Kanzlerkandidat der SPD, Martin Schulz
Thomas Peter / Reuters
Der neue Kanzlerkandidat der SPD, Martin Schulz

Große Rochade an der Spitze der SPD - und am Ende wird aller Wahrscheinlichkeit nach Martin Schulz der Parteivorsitzende und Kanzlerkandidat der Sozialdemokraten. Sigmar Gabriel wird Außenminister, Brigitte Zypries wird Wirtschaftsministerin.

So weit, so überraschend.

Die Reaktionen auf den Kanzlerkandidaten Schulz seitens der Großen Koalition fallen derweil noch reserviert aus - Spitzenpolitiker der CDU und SPD hielten sich beim Thema Kanzlerschaft bisher bedeckt.

Dabei hat der 61-Jährige das Potenzial, die Sozialdemokraten wieder zu einer ernstzunehmenden Volkspartei zu machen, ihre verlorenen Stammwähler zurückzugewinnen - und vielleicht sogar Kanzler zu werden.

1. Schulz hat in den richtigen Momenten Haltung bewiesen

Es waren scharfe Worte in Zeiten der Zurückhaltung: Als einer der ersten deutschen Spitzenpolitiker meldete sich Martin Schulz im Satire-Streit zwischen ZDF-Moderator Jan Böhmermann und dem türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan zu Wort.

"Es ist nicht hinnehmbar, dass der Präsident eines anderen Landes verlangt, dass wir in Deutschland demokratische Rechte einschränken, weil er sich karikiert fühlt. Wo kommen wir denn da hin?“, sagte er damals.

Ähnlich forsch regierte Schulz auf den Putschversuch in der Türkei. Er warnte unmittelbar vor einem "Ein-Mann-Staat“. Schulz sprach damals aus, was viele Deutsche dachten. Das rechneten sie ihm hoch an.

Dass Schulz kein Mitglied der Bundesregierung ist, könnte auch im Wahlkampf ein Vorteil sein. Er kann die Bundesregierung angreifen, ohne sich selbst zu beschädigen. Sigmar Gabriel hätte das nicht gekonnt.

2. Schulz hat ein Gefühl für den richtigen Ton

Schulz ist ein emotionaler Redner und spricht die Sprache des Volkes. Er bleibt dabei aber stets staatsmännisch. Eine Kombination, die er vielen Spitzenpolitikern in Deutschland voraus hat und die eine seiner größten Stärken ist.

Von Schulz sind zumindest öffentlich keine Ausrutscher dokumentiert. Und wer sich in der SPD umhört, wird auch nicht fündig.

Die "Süddeutsche Zeitung“ schrieb in einem Porträt: "Schulz hat es geschafft, um sich herum eine Korona bedingungslos loyaler Mitarbeiter aufzubauen, die jederzeit ungefragt von den geradezu überirdischen Fähigkeiten ihres Chefs schwärmen können."

Politikexperte Werner Patzelt von der TU Dortmund hat eine einfache Erklärung dafür. "Schulz ist ohne innenpolitische Altlasten. Außerdem ist er parteiintern wesentlich weniger Leuten auf die Füße getreten, weil er in Europa aktiv war", sagte er im Oktober der Huffington Post.

"Insofern hat Schulz weniger Abnutzungserscheinungen als Gabriel. Aber die Niederungen der Parteipolitik werden auch ihn einholen, sollte er als Kandidat antreten."

3. Schulz hat laut einer Umfrage eine realistische Chance gegen Merkel

Im einem Kampf um die Kanzlerschaft mit Amtsinhaberin Angela Merkel hat Schulz realistische Chancen, den Sieg davon zu tragen.

In einer Umfrage der "Bild am Sonntag" Anfang Januar gaben 38 Prozent Martin Schulz im direkten Vergleich mit Angela Merkel ihre Stimme. Die Kanzlerin käme auf 39 Prozent.

Mit Martin Schulz könnte der Wahlkamps also zu einem echten Kopf-an-Kopf-Rennen werden.

4. Schulz hat es durch Amtserfolge zu Ansehen gebracht

Schulz hat für Brüsseler Verhältnisse eine beachtliche Bilanz vorzuweisen. Als er fast 28 Prozent im Europawahlkampf für die SPD holte, war das mehr, als man ihm zutraute. Schulz war damals weitestgehend unbekannt, die SPD, wie heute noch, in einer Umfragekrise.

Als EU-Parlaments-Präsident hat er es geschafft, dem Amt ungeheure Popularität und Macht zu verschaffen. Er hat es geschafft, dass die Agenda in Brüssel nicht mehr die Mitgliedsstaaten, sondern direkt gewählte Abgeordnete und die Kommission setzen.

"Wir brauchen einen Kandidaten, der rockt, der es aber vor allem nicht selbst verbockt", reimte ein SPD-Spitzenmann im "Spiegel“. Und in dieser Rolle sehen viele Martin Schulz.

5. Schulz kann Europa wieder zu alter Stärke führen

Martin Schulz ist Europäer durch und durch. Drei Jahre lang war er Präsident des Europäischen Parlaments - und fand durch dieses Amt auch in Deutschland große Beachtung.

Schulz scheut sich nicht vor großen europäischen Ideen. Als Reaktion auf das Brexit-Votum in Großbritannien forderte er so zum Beispiel eine "echte europäische Regierung."

Dabei ist Martin Schulz kein Träumer, er weiß um die Probleme der EU. "Einige in den Brüsseler Apparaten sind allerdings weit abgekoppelt von der Realität, mit der die Menschen täglich konfrontiert sind", mahnte er Anfang des Jahres in der "Süddeutschen Zeitung".

Große Ideen gepaart mit pragmatischen Realismus in Sachen EU: Diese Kombination macht Martin Schulz zum perfekten Kandidaten, um gegen den Populismus in Europa zu bestehen und die Europäische Union aus ihrer politischen Krise zu befreien.

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