NACHRICHTEN
24/01/2017 10:48 CET | Aktualisiert 25/01/2017 03:17 CET

So reagieren Politiker auf den Gabriel-Hammer: "Ein wahrhaft großer Politiker"

Reuters
"Ein wahrhaft großer Politiker": So reagieren Politiker auf den Gabriel-Hammer

Politbeben in Deutschland: Sigmar Gabriel tritt als Parteivorsitzender zurück und verzichtet auf die Kanzlerkandidatur. Zugunsten des weitaus beliebteren Martin Schulz.

Auch wenn die Mehrheit der Partei laut Gabriels Aussagen in der Zeitung "Die Zeit" für den ehemaligen EU-Parlamentsvorsitzendem sind, trauern doch viele Sozialdemokraten um ihre einstige Gallionsfigur.

SPD-Fraktionschef Thomas Oppermann hat den Verzicht Gabriels auf Kanzlerkandidatur und Parteivorsitz gelobt. "Dass er eigene Interessen zurückgestellt hat, um bessere Erfolgschancen für die SPD zu bekommen, verdient allergrößten Respekt", sagte Oppermann am Dienstag im Bundestag in Berlin. Dass Gabriel den früheren EU-Parlamentspräsidenten Martin Schulz als Kanzlerkandidat vorgeschlagen, der nun auch Parteichef werden soll, sei "folgerichtig", da beides in eine Hand gehöre, sagte Oppermann.

Oppermann lobte Gabriels Verdienste an der Spitze der Partei, deren Vorsitz er 2009 "nach der schwersten Wahlniederlage der Nachkriegszeit" übernommen habe. "Er hat die SPD zusammengehalten." Gabriel habe viel dazu beigetragen, dass SPD und Gewerkschaften sich wieder versöhnt hätten, und die SPD in eine "sehr erfolgreiche" große Koalition geführt. Er habe "schon länger" von Zweifeln Gabriels gewusst, ob dieser die Kanzlerkandidatur einem anderen überlassen solle.

Bundesfamilienministerin Manuela Schwesig lobt Gabriels Entscheidung: "Sehr guter Vorschlag von Sigmar Gabriel für Kanzlerkandidatur und Parteivorsitz. Respekt!!!"

Der SPD-Bundestagsabgeordnete Burkhard Lischka schreibt: "Stehender Applaus und einige Tränen in den Augen. Danke Sigmar für 7 1/2 Jahre!"

SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach sagte gegenüber dem WDR: "Wir wollen einen Neuanfang." und dankt Gabriel auf Twitter: "Gabriel war Retter der Partei für lange Zeit und konnte die Mission zum Schluss nur durch Rücktritt weiterführen. SPD und Land verdanken ihm viel."

Sein Parteigenosse Sönke Rix freut sich auf Schulz und bedankt sich bei Gabriel. "Die SPD geht selbstbewusst in den Wahlkampf."

Mehr zum Thema: Ralf Stegner hat den besten Kommentar zum Rücktritt von Sigmar Gabriel

Und der SPD-Abgeordnete Markus Paschke findet viel Lob für Gabriel: Respekt Sigmar. "Ein wahrhaft großer Politiker, der eigene Ambitionen zurückstellt. Wünsche mir mehr davon."

"Wie war das noch "Bild lügt" - oder?!?" schreibt SPD-Politiker Ulli Nissen - und spielt dabei auf die Meldung der "Bild"-Zeitung an, dass Gabriel gegen Merkel antritt.

So reagieren die Grünen auf die Meldung

Auch von den Grünen kommen Glückwünsche an Schulz.

Omid Nouripour, außenpolitischer Sprecher, schreibt: "Gratulation Martin Schulz zur Kandidatur und Nominierung als SPD-Chef. Freue mich auf gute und kritische Zusammenarbeit mit Sigmar Gabriel."

Und auch die Bundesvorsitzende Katrin Göring-Eckardt schreibt über ihren Respekt vor Gabriels Entscheidung: "Ich habe großen Respekt vor der Entscheidung von Sigmar Gabriel. Aber er ist auch nicht weg."

Jürgen Trittin, ein Grüner der ersten Stunde und Mitglied im Auswärtigen Ausschuss des Bundestags, meldet sich zu Wort: "Respekt an Sigmar Gabriel, Glück auf für Martin Schulz!"

Die europäischen Grünen fordern den voraussichtlichen SPD-Kanzlerkandidaten Martin Schulz auf, sich für ein Ende der Sparpolitik in Europa einzusetzen. Die "Unterwürfigkeit" der SPD gegenüber der Wirtschaftspolitik von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) müsse ein Ende haben, erklärte ihr Chef Reinhard Bütikofer am Dienstag in Brüssel.

Schulz müsse dafür sorgen, dass Positionen europäischer Partner wieder Gehör fänden. Und er müsse die SPD "im Konflikt mit den autoritären Staatslenkern in Moskau und Washington eindeutig positionieren", meinte der Europaabgeordnete. Seine Partei kommt in Deutschland als Koalitionspartner für die SPD in Frage. Schulz war fünf Jahre Präsident des Europaparlaments und hatte sein Amt erst vergangene Woche abgegeben.

Und andere Politiker?

Der CDU-Generalsekretär Peter Tauber teilt nur einen Post des Satiremagazins "extra 3". Das zeigt einen Ausschnitt aus dem "Dschungelbuch" von Disney.

Sein Parteikollege Thomas Strobl sagt: "Wir werden jetzt weder in Panik noch in Depression verfallen.“

Gunther Krichbaum, Vorsitzender des Europa-Ausschusses, sagt: "Wenn Gabriel tatsächlich Außenminister werden will, wird er sich erst in ein neues Amt einfinden müssen." Die Arbeit als Wirtschaftsminister sei etwas völlig anderes. "Ob er in der kurzen Zeit noch eigene Akzente setzen könnte, wäre fraglich."

CSU-Chef Horst Seehofer wertet die voraussichtliche Kanzlerkandidatur des ehemaligen EU-Parlamentspräsidenten Martin Schulz als zusätzliche Herausforderung für die Union. Die Bundestagswahl sei "die Mutter aller Wahlen" und ohnehin schon eine schwierige Wahl. Durch die Personalentscheidungen bei der SPD sei es für die Union "keineswegs leichter geworden", sagte Seehofer am Dienstag der Deutschen Presse-Agentur in München.

Man müsse sich nun mit der neuen Situation ernsthaft auseinandersetzen. Jetzt sei es besonders wichtig, dass die Union keine Fehler mache. "Eigentore dürfen keine passieren, jetzt noch weniger", betonte Seehofer.

Und Beatrix von Storch äußert sich natürlich auch: "Spiegel berichtet, Martin Schulz werde SPD-Kanzlerkandidat? Herzlichen Dank, wir können unser Glück kaum fassen."

Und Frauke Petry outet sich auch als nicht gerade begeistert vom SPD-Kandidaten: "Martin Schulz: Symbol für EU-Bürokratie und ein tief gespaltenes Europa als Kanzlerkandidat?"

Mehr zum Thema: "Wir können unser Glück kaum fassen": AfD pöbelt mit wirren Tweets gegen die SPD

Und auch die CSU, besser gesagt Dagmar Bär, zeigt sich skeptisch: "Äääähhh... Alternativefacts?"

Gunther Krichbaum, CDUler und Vorsitzender des Europa-Ausschusses, sagt: „Wenn Gabriel tatsächlich Außenminister werden will, wird er sich erst in ein neues Amt einfinden müssen.“ Die Arbeit als Wirtschaftsminister sei etwas völlig anderes. „Ob er in der kurzen Zeit noch eigene Akzente setzen könnte, wäre fraglich.“

Katja Kipping, Vorsitzende der Linken, sagt, es stehe offen, ob Martin Schulz für einen fortschrittlichen Politikwechsel stehe. Aber: "Ich gratuliere ihm, zu seiner Kanzlerkandidatur und freue mich auf einen fairen Wahlkampf."

Dietmar Bartsch, Vorsitzender der Linken Bundestagsfraktion, spricht gegenüber der Funke Mediengruppe von einer "souveränen Entscheidung des SPD-Vorsitzenden". Er werde die SPD auch weiter an ihren Taten messen.

Auch der FDP-Vorsitzende Christian Lindner zeigt sich verwirrt: "GroKo im ungeordneten Rückzug: Leichtfertig, Stabilität Deutschlands in dieser weltpolitischen Lage aufs Spiel zu setzen."

(cho)