POLITIK
23/01/2017 09:09 CET

Russischer Soziologe glaubt: "Trumps Antrittsrede war von Hitler inspiriert"

Russischer Soziologe glaubt: "Trumps Antrittsrede war von Hitler inspiriert"
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Russischer Soziologe glaubt: "Trumps Antrittsrede war von Hitler inspiriert"

  • Der russische Soziologe Igor Eidmann hat Parallelen zwischen Donald Trumps Antrittsrede und einer Rede Hitlers herausgearbeitet

  • Auszüge beider Reden lest ihr unten

Provokante These: Der russische Soziologe Igor Eidman hat Donald Trumps Rede zu seinem Amtsantritt und dem Auftritt von Adolf Hitlers vor dem neu gewählten Reichstag im März 1933 verglichen – und kam zu dem Fazit, beide seien von der Struktur und dem Inhalt her "bemerkenswert ähnlich".

Der Kreml-Kritiker mit jüdischen Wurzeln und Cousin des ermordeten Oppositionspolitikers Boris Nemzow, der im deutschen Exil lebt, hat die wichtigsten thematischen Blöcke in den beiden Reden gegenübergestellt – unten ist seine Aufstellung nachzulesen.

"Ich fürchte, dass Trump über seine anderen, bekannten Sünden hinaus auch noch ein Plagiator sein könnte", schreibt Eidman. Diese Zuspitzung ist ironisch, und niemand wird ernsthaft glauben, Trump habe bei Hitler abgeschrieben. Auf den ersten Blick wirkt Eidmans Ansatz völlig überzogen.

Bei genauerer Betrachtung ist er jedoch nicht so einfach von der Hand zu weisen. Denn genauso wie es unverantwortlich und dumm wäre, Trump mit Hitler gleichzusetzen, genauso unverantwortlich und dumm wäre es, nicht zu untersuchen, wo es Ähnlichkeiten insbesondere mit dem frühen Hitler und seinem Aufstieg gibt, um daraus Schlüsse und Lehren zu ziehen.

Viel genauer zu betrachten wäre auch das Versagen des damaligen politischen Establishments in Deutschland – um daraus Lehren zu ziehen. Aber leider wird in Deutschland allzu oft "vergleichen" mit "gleichsetzen" verwechselt. Vergleiche sind wichtig und hilfreich – eben auch, um Unterschiede festzustellen. Ohne Vergleiche wäre es viel schwerer, aus der Geschichte zu lernen.

Allzu oft wird Hitler in der Betrachtung in Deutschland auf das Monster reduziert, das in seinen späteren Jahren völlig die Überhand gewann. Das macht die Distanzierung von ihm leichter – und die Verurteilung von allen, die diesem Verrückten folgten.

Dass der Massenmörder zu Beginn seiner politischen Karriere ein begabter Populist war, ein charismatischer Politiker, der selbst viele ausländische Politiker in seinen Bann schlug, über den viele sagten, es werde schon nicht so schlimm kommen, er werde in seinem Staatsamt wachsen und gemäßigter werden - das wird in Deutschland leider allzu oft verdrängt – ebenso wie die Rolle derjenigen, die Hitlers Aufstieg mit verfehlter Politik massiv begünstigten.

Aber genau diese Verdrängung ist gefährlich – die hindert uns daran, ähnliche Anfänge zu erkennen und zu bekämpfen.

Über die "verfluchte Vergangenheit“

Trump: "Jahrzehntelang haben wir die Wirtschaft im Ausland bereichert, auf Kosten der amerikanischen Wirtschaft… Eine Fabrik nach der anderen schloss oder zog ins Ausland um, ohne einen Gedanken an die Millionen amerikanischer Arbeiter, die zurückgelassen wurden. Unserem Mittelstand wurde der Wohlstand entrissen und über die ganze Welt verteilt."

Hitler: "Nach einer Zeit stolzer Erhebung, reichen Blühens und Gedeihens auf allen Gebieten unsere Lebens sind - wie oft in der Vergangenheit - wieder einmal Not und Armut bei uns eingekehrt. Trotz Fleiß und Arbeitswillen, trotz Tatkraft, einem reichen Wissen und bestem Wollen such Millionen Deutsche heute vergebens das tägliche Brot. Die Wirtschaft verödet, die Finanzen sind zerrüttet, Millionen sind ohne Arbeit!"

Über die "neue Ordnung“:

Trump: "Wir alle erlassen heute ein Gebot, das in jeder Stadt, in jeder fremden Hauptstadt und in jedem Regierungssitz gehört werden soll. Von diesem Tag an wird eine neue Vision die Geschicke unseres Landes bestimmen. Von diesem Moment an heißt es: Amerika zuerst."

Hitler: "In der Überzeugung, dass aber auch das Volk selbst seine Zustimmung zur neuen Ordnung des deutschen Lebens erteilen muss, richteten wir Männer dieser nationalen Regierung einen letzten Appell an die deutsche Nation."

Über die Welt:

Trump: "Wir werden ein freundschaftliches Auskommen mit den Nationen der Welt anstreben. Aber wir denken dabei stets daran, dass es das Recht einer jeden Nation ist, zuerst nach ihren eigenen Interessen zu handeln."

Hitler: "Der Welt gegenüber aber wollen wir, die Opfer des Krieges von einst ermessend aufrichtige Freunde sein eines Friedens, der endlich die Wunden heilen soll, unter denen alle leiden."

Über die Einheit der Nation:

Trump: "Wir müssen ehrlich miteinander sein und solidarisch. Wenn Amerika vereint ist, kann uns niemand aufhalten… Wir sind ein Volk – und ihr Schmerz ist unser Schmerz. Ihre Träume sind unsere Träume, und ihr Erfolg wird der unsere sein. Wir teilen ein Herz, eine Heimat und ein glorreiches Ziel."

Hitler: "Aufbauen wollen wir eine wahre Gemeinschaft aus den deutschen Stämmen, aus den Ständen, den Berufen und den bisherigen Klassen. Sie soll zu jenem gerechten Ausgleich der Lebensinteressen befähigt sein, den des gesamten Volkes Zukunft erfordert….Wir wollen aber auch alle wirklich lebendigen Kräfte des Volkes als die tragenden Faktoren der deutschen Zukunft erfassen, wollen uns redlich bemühen, diejenigen zusammenzufügen, die eines guten Willens sind, und diejenigen unschädlich machen, die dem Volke zu schaden versuchen."

Über die Regierung:

Trump: "Wir akzeptieren keine Politiker mehr, die nur reden und nicht handeln. Die ständig klagen, aber nie etwas gegen Missstände tun. Die Zeit für solche hohlen Phrasen ist vorbei. Jetzt kommt die Zeit der Tat… Wirklich wichtig ist nicht, welche Partei an der Regierung ist – sondern die Frage, ob unsere Regierung vom Volk kontrolliert wird…. Die heutige Feier hat indes eine besondere Bedeutung. Denn heute übertragen wir nicht nur die Macht von einer Regierung auf die andere, von einer Partei zur anderen – vielmehr nehmen wir Washington, DC, die Macht - und geben sie euch zurück, dem amerikanischen Volk."

Hitler: "Wir wollen an die Stelle des ewigen Schwankens die Festigkeit einer Regierung setzen, die unserem Volke damit wieder eine unerschütterliche Autorität geben soll."

Über die "helle Zukunft“ des Volkes:

Trump: "Zusammen machen wir Amerika wieder stark. Zusammen machen wir Amerika wieder reich. Zusammen machen wir Amerika wieder stolz. Zusammen machen wir Amerika wieder sicher. Zusammen machen wir Amerika wieder groß."

Hitler: "Wir wollen wahren die ewigen Fundamente unseres Lebens: Unseres Volkstums und die ihm gegebenen Kräfte und Werte…Die Regierung der nationalen Erhebung ist entschlossen, ihre vor dem deutschen Volke übernommene Aufgabe zu erfüllen. Mögen Sie (…) den Sinn der Zeit erkennen, um mitzuhelfen am großen Werk der nationalen Wiedererhebung."