LIFE
23/01/2017 06:47 CET

Mutter von zwei Monate altem Baby nimmt sich das Leben - ihr Mann hat eine Botschaft an junge Mütter

Plötzlich war Florence Leung verschwunden. Die 32-jährige Kanadierin hatte gerade einen kleinen Jungen zur Welt gebracht. Das Baby war ein Wunschkind - Florence und ihr Mann Kim hatten sich monatelang auf ihr erstes Baby gefreut.

Doch als ihr Sohn gerade zwei Monate alt war, war Florence weg. Ganz plötzlich und ohne jede Vorwarnung. Am nächsten Tag wurde ihr Auto gefunden. Es gab keine Nachricht, keine Hinweise.


Wochenlang suchte Kim verzweifelt nach seiner Frau. Er schaltete die Behörden ein, wandte sich an die Medien und dokumentierte die Suche nach Florence auf Facebook.

Doch als Florence schließlich gefunden wurde, war sie längst tot. Sie hatte sich im Meer das Leben genommen.

"Ich wusste, was sie sagen würden, noch bevor sie über die Türschwelle getreten waren", schrieb Kim zwei Monate später auf Facebook.

"Es war genau wie in einer dieser Filmszenen, wenn die Polizei mit schlechten Nachrichten kommt. Dieser grimmige Ausdruck in ihren Gesichtern. Doch so surreal all das wirkte, es war kein Film. Das passierte wirklich. Das war das echte Leben."


Gesellschaftlicher Druck und postpartale Depression

Die junge Mutter hatte unter Wochenbettdepression gelitten. Kim wusste das und er versuchte seine Frau zu unterstützen. Doch nichts konnte ihn darauf vorbereiten, dass Florence eine so radikale Entscheidung treffen würde.

Vor allem das Stillen habe seiner Frau zugesetzt, sagte Kim. Es bereitete ihr Schwierigkeiten und verängstigte sie, sodass sie unter starken Schlafstörungen litt. Der Druck, ihr Baby exklusiv mit Muttermilch zu versorgen, habe ihr sehr zu schaffen gemacht.

Kim hat nun die Hoffnung, dass er jungen Müttern helfen kann, indem er Florences Geschichte erzählt.

"Ihr seid nicht allein"

Auf Facebook schrieb er:

"An alle Mütter, die Stimmungstiefs oder Angst verspüren - bitte sucht euch Hilfe und sprecht über diese Gefühle. Ihr seid nicht allein. Ihr seid keine schlechten Mütter. Fühlt euch NIEMALS schlecht oder schuldig, wenn ihr nicht in der Lage seid, 'ausschließlich zu stillen', auch wenn ihr euch vielleicht von Postern in Geburtsvorbereitungskursen oder Belehrungen in Broschüren oder von Bekannten unter Druck gesetzt fühlt.

Ich kann mich noch gut daran erinnern, dass ich nach Flos Entlassung aus dem Krankenhaus ein Informationsblatt gelesen habe, mit der Überschrift: Muttermilch sollte das einzige Nahrungsmittel für Babys in den ersten sechs Monaten sein. Ich erinnere mich auch an die Poster auf der Entbindungsstation, auf denen 'Breast is Best' zu lesen war.

Ich kenne die Vorteile von Muttermilch, aber trotzdem MUSS es ein Verständnis dafür geben, dass in Ordnung ist, mit Milchpulver zu füttern und dass auch Fläschchennahrung eine völlig akzeptable Option ist."

Zu seinem Aufruf postete Kim auch einen Artikel über eine Frau namens Allison, die sich ebenfalls in Folge einer postnatalen Depression das Leben nahm, als ihre Tochter erst vier Monate alt war. Der Text, den Allisions Freundin Julie Anne Waterfield geschrieben hat, erschien auch in der Huffington Post.


Kindern helfen

Seit Jahren schon warnen Experten, dass allein in Deutschland jedes fünfte Kind in Armut lebt. Viel schwieriger noch die Situation von Kindern in Südeuropa, Afrika oder Südasien. Wie ihr selbst aktiv werden könnt, erfahrt ihr bei unserem Kooperationspartner Betterplace

(lk)