POLITIK
23/01/2017 22:24 CET | Aktualisiert 24/01/2017 01:56 CET

"Reale Option": BKA weist auf entsetzliche Terror-Gefahr hin - die zu lange übersehen wurde

Angestellte eines Forschungslabors in Münster in Schutzanzügen
Fabrizio Bensch / Reuters
Angestellte eines Forschungslabors in Münster in Schutzanzügen

  • Das BKA und die Bundesregierung warnen vor Terror-Angriffen mit Chemikalien

  • Sie halten Anschläge auf die Trinkwasserversorgung von Wohnblöcken für möglich

  • Auch die Entführung von Chemie-Transporten scheint ein realistisches Szenario

Es ist ein beängstigendes Szenario: Die Bundesregierung und das Bundeskriminalamt (BKA) warnen vor islamistischen Terroranschlägen mit Chemiewaffen.

Das berichtet die "Bild"-Zeitung unter Berufung auf die "Risikoanalyse im Bevölkerungsschutz" der Bundesregierung. Islamistisch motivierte Täter seien willens und in der Lage, "größere Mengen Chemikalien zu beschaffen und diese auch einzusetzen", schreibt das BKA in dem Papier, das der Tageszeitung vorliegt.

"Realistische Option"

Als "realistische Option" werde ein Chemie-Anschlag auf die Trinkwasserversorgung zum Beispiel von Mehrfamilienhäusern oder Lebensmittel angesehen. Mögliche Anschläge gegen Einrichtungen oder Transporte der Chemie-Industrie enthielten "ein hohes Gefährdungspotenzial".

Im September letzten Jahres hatten Anti-Terror-Experten an an der Universität von Herzliya in Israel ein solches Szenario in einem Planspiel simuliert. Mit dabei waren auch neun Vertreter der Bundesregierung. Bei dem simulierten Terroranschlag wurde ein Lastwagen, der Chlorgas geladen hatte, von Islamisten entführt und als Waffe eingesetzt. Auch Transporte mit Brom oder Phosphor könnten für Anschläge genutzt werden.

In dem deutschen Regierungsbericht schildert die Regierung detailliert, welche Gefahren der Bevölkerung durch Anschläge mit Chemikalien drohen und wie die deutschen Sicherheitsbehörden, Krankenhäuser, Rettungs- und Hilfsdienste darauf vorbereitet sind.

So heißt es: "Eine entschlossene und mit ausreichendem Fachwissen ausgestattete terroristische Gruppierung dürfte durchaus in der Lage sein, das in Deutschland zu Genüge vorhandene Potenzial an chemischen Gefahrstoffen im Rahmen eines Anschlags für ihre Ziele zu nutzen."

Bei der Bewältigung der Anschlagsfolgen könne es "erforderlich werden", auch die Bundeswehr "stärker als bisher" einzusetzen, schreibt die Bundesregierung. "Hierauf bereitet sich die Bundeswehr noch stärker als bisher vor."

"Angriffe mit so vielen Opfern wie möglich"

Die Analyse kommt zu dem Schluss, Sicherheits- und Hilfskräfte besser auf mögliche Chemie-Anschläge vorzubereiten und zusätzliche Entgiftungsanlagen einzurichten.

Erst Anfang dieses Monats hatte der britische Minister für Sicherheitsangelegenheiten, Ben Wallace, in einem Interview mit der "Sunday Times" vor Angriffen der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) auf Großbritannien gewarnt.

Dem Bericht zufolge gehen britische Sicherheitsbeauftragte offenbar davon aus, dass der IS Chemiewaffen in Großbritannien einsetzen will.

"Das Ziel des Islamischen Staats sind definitiv Angriffe mit so vielen Opfern wie möglich", sagte Wallace gegenüber der "Sunday Times".

Pointiert und meinungsstark: Der HuffPost-WhatsApp-Newsletter

2016-07-22-1469180154-5042522-trans.png

Auch auf HuffPost:

”ISIS hat nichts mit dem Islam zu tun“ - Ein Experte findet klare Worte

(lp)