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23/01/2017 15:10 CET | Aktualisiert 23/01/2017 16:33 CET

Französischer Präsidentschaftskandidat Fillon warnt "Wir brauchen europäisches Verteidigungsbündnis"

François Fillon, Präsidentschaftskandidat in Frankreich, schlägt in einem Interview ein europäisches Verteidigungsbündnis vor
dpa
François Fillon, Präsidentschaftskandidat in Frankreich, schlägt in einem Interview ein europäisches Verteidigungsbündnis vor

  • François Fillon, Präsidentschaftskandidat in Frankreich, sieht mit der Wahl Donald Trumps eine neue Zeit für die EU gekommen

  • Er schlägt ein europäisches Verteidigungsbündnis vor

Der ehemalige Premierminister François Fillon könnte in diesem Jahr Frankreichs nächster Präsident werden. Im November gewann er überraschend die Vorwahl der Konservativen.

In einem Interview mit der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" und der französischen Tageszeitung "Le Monde" stellt Fillon seine Pläne für Europa und die Beziehung zum frisch vereidigten US-Präsidenten Donald Trump vor.

Die französischen Medien bezeichnen Fillon als den "französischen Thatcher" – und ähnlich streng wie die britische Premierministerin kommen seine Thesen daher.

"Ich schlage ein europäisches Verteidigungsbündnis vor"

Die Antrittsrede Donald Trumps empfand Fillon als "sehr aggressiv". Damit sei klar: "Die Nachkriegszeit ist zu Ende, eine neue extrem gefährliche Ära beginnt." Die Pflicht zur Einheit der europäischen Länder sei daher viel größer als noch vor 25 Jahren.

Im Interview zählt er auf, bei welchen politischen und wirtschaftlichen Feldern die USA die EU bevormundet habe: TTIP, Deals mit dem Iran, Strafzahlungen von europäischen Banken. Trumps Amtsantritt und dessen Philosophie von "America First" wertet Fillon als Wende: "Wir sind nicht verpflichtet, uns mit den amerikanischen Spielregeln abzufinden."

Er spricht sich für eine größere Zusammenarbeit der EU-Länder aus – gerade bei der Verteidigung. "Ich schlage keine integrierte europäische Verteidigungsgemeinschaft vor, aber ein europäisches Verteidigungsbündnis", sagt er.

Die Länder müssten eine europäische Rüstungsindustrie aufbauen und einen Fonds begründen, über den auswärtige Einsätze finanziert werden können.

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"Die Nato bietet keinen Schutz gegen den islamischen Totalitarismus"

Weiteres Thema im Interview ist natürlich die Aussage von Donald Trump, die Nato wäre obsolet. Für Fillon ist das Bündnis nach wie vor notwendig.

Allerdings hätten die USA in der Vergangenheit Fehler gemacht, außerdem biete die Nato keinen Schutz gegen den "islamischen Totalitarismus".

Daher gelte: "Ob mit oder ohne Trump, Europa muss eine eigene Verteidigung aufbauen." Fillon wünscht sich ausdrücklich, dass sich Deutschland hier an der Seite von Frankreich engagiere.

"Niemand will einen Konflikt mit Russland"

Ein möglicher Konfliktherd könnte für Europa auch im Osten liegen. "Die Beziehung zu Russland ist eine strategische Frage für die Zukunft Europas", sagt Fillon.

In der Vergangenheit hätten die EU und die USA den Fehler gemacht, das Land in die Enge zu treiben. Niemand könne sich jedoch ernsthaft einen Konflikt mit Russland wünschen, glaubt Fillon. Auch Sanktionen unterstütze er nicht. "Wir müssen unsere Beziehung zu Russland neu begründen", sagt er.

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Deutschland und Frankreich - ziemlich beste Freunde?

Als Präsident werde auch er auf die deutsch-französische Beziehung setzen. "Ohne ihren Antrieb wird in Europa nichts gelingen", ist er sich sicher. Die Partnerschaft ist für Fillon grundlegend.

In einem Punkt könnte es aber zu einem Zwist zwischen beiden Ländern kommen, sollte Fillon gewählt werden. Fillon ist bekannt für seine strenge Einwanderungspolitik. Im Interview verteidigt er feste Quoten in der Zuwanderung und ernsthaft überwachte europäische Grenzen.

Eine Verteilung von Flüchtlingen innerhalb der EU lehnt Fillon ab. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hatte sich erst im Dezember noch für eine faire Verteilung ausgesprochen.

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