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22/01/2017 09:36 CET | Aktualisiert 22/01/2017 09:48 CET

"Women's March": In den USA und weltweit zeigten Menschen Solidarität

"Women's March" – In den USA und weltweit zeigten Menschen Solidarität mit der Demonstration in Washington D.C.
Bryan Woolston / Reuters
"Women's March" – In den USA und weltweit zeigten Menschen Solidarität mit der Demonstration in Washington D.C.

Amerika geht auf die Straße.

Zwei Tage nach der Amtseinführung des neuen US-Präsidenten Donald Trump, machten sich hunderttausende Frauen im Rahmen des "Women's March" auf den Weg nach Washington D.C. um gegen Frauenfeindlichkeit, Gewalt, Rassismus, Homophobie und religiöse Intoleranz zu demonstrieren.

Aber auch in anderen Städten der USA fanden hunderte von "Schwestermärschen" statt.

In New York City versammelten sich Menschenmengen, um gemeinsam Richtung Trump Tower zu laufen. In der ganzen Stadt waren Bahnstationen mit Schilder-tragenden Demonstranten gefüllt und Straßen im Stadtzentrum waren voll von Menschen.

Paul Williams, ein 43-jähriger Vater von vier Töchtern, kam mit seiner ganzen Familie zu der historischen Demonstration in New York.

"Ihr ganzes Leben lang kannten meine Kinder Obama und seine progressive Agenda", sagte er gegenüber der Huffington Post.

"Wir haben vier schwarze Töchter und wir haben mit ihnen über Bürgerrechte gesprochen. Es ist schon ein kleiner Schock, dass wir nun dafür arbeiten müssen, um sicher zu gehen, dass alles, was wir erreicht haben, unter Trump nicht wieder verschwindet."

Seine Tochter, die siebenjährige Zorra, sagte, sie sei begeistert auf der Demonstration zu sein, aber auch ein bisschen nervös, wegen der vielen Menschen.

new york

Die Williams-Familie zeigte Solidarität mit dem "Women’s March on Washington" und demonstrierte am 21. Januar 2017 in New York City.

Viele Demonstranten gingen auch auf die Straße, um die LGBTQ-Gemeinschaft zu unterstützen. Nick Reid, ein 25-jähriger schwarzer und homosexueller Mann, fürchtet, dass unter Trump die Diskriminierung normal wird.

"Ich werde bereits täglich mit Diskriminierung konfrontiert und ich glaube, dass Menschen ihren Hass nun noch lautstärker äußern werden", sagte Reid der Huffington Post.

In Seattle, Denver, Miami, Los Angeles, Houston und in anderen großen Städten haben sich ähnlich große Menschenmengen zusammengefunden.

Die Teilnahmerzahlen an den Märschen konnten häufig nur geschätzt werden, mehrere Nachrichtenseiten berichteten aber, dass ihre Städte auf gutem Weg seien, mit der Größe der Demonstrationen Geschichte zu schreiben. Neueste Schätzungen sprechen von einer bis drei Millionen Menschen, die weltweit gegen Trump auf die Straße gingen.

"Diese Demonstration und ihr weltweiter Umfang... so etwas haben wir noch nie gesehen", sagte Margaret O`Mara, Dozentin für politische Geschichte an der University of Washington der "Seattle Times

Die Schwestern Christina und Elizabeth Kim, 26 und 15 Jahre alt, demonstrierten in Los Angeles um ihre Unterstützung für illegale Einwanderer zu zeigen. Sie sagten, dass sie selbst auch nicht erfasst seien und dass sie Trump zeigen wollten, dass sie "hart arbeitende Menschen sind, die hoffen, das Land zu einem besseren Ort zu machen."

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Die Schwestern Christina und Elizabeth Kim, 26 und 15, demonstrierten in Los Angeles.

Sogar in kleineren Städten kamen tausende Demonstranten zusammen. In Bellingham im US-Bundesstaat Washington versammelten sich laut der Journalismus-Professorin Carolyn Nielsen Demonstranten aus den USA und aus Kanada, die über die Grenze kamen, um ihre Unterstützung zu zeigen.

Die Basis der "Women's March"-Bewegung entstand während der Wahlnacht in den USA, als eine Frau aus Hawaii ein sogenanntes Event auf Facebook erstellte, um Menschen zu versammeln, die gemeinsam gegen Trump nach dessen Amtseinführung in Washington D.C. demonstrieren wollten. Sie lud 40 ihrer Freunde ein und schon am nächsten Tag hatten 10.000 Personen zugesagt.

Seitdem ist die Bewegung immer weiter gewachsen. Allein in New York City erklärten mehr als 70.000 Menschen, an der Demonstration teilnehmen zu wollen.

"Unsere Aufgabe ist es, eine sichere Plattform für Unterstützer von Gleichberechtigung zu schaffen, damit diese für Bürgerrechte unabhängig von Geschlecht, Ethnie, sexueller Orientierung, Behinderung, Religion oder Glaubensbekenntnis demonstrieren können", sagte Katherine Siemionko, Koordinatorin des New Yorker "Women's March" in einem Statement.

Die wesentlichen Sorgen der Demonstranten bezogen sich auf die sexistischen und rassistischen Untertöne, die Teil von Trumps Wahlkampf waren.

Schon in den vergangenen Tagen waren Flüge in die US-amerikanische Hauptstadt voll mit Frauen, die sich auf die Demonstration vorbereiteten.

Auf einem Flug der Fluggesellschaft "Southwest Airlines“ nach Washington konnten anreisende Demonstranten sogar eine ganz besondere Art der Solidarität erleben, als die Crew an Bord pinke Lichter anschaltete.

Solidarität auch in Europa

Auch in Berlin gingen am Samstag einige Hundert Frauen und Männer vor der US-Botschaft auf die Straße, um gegen Trump zu demonstrieren. Der Ableger der Demokratischen Partei für im Ausland lebende US-Amerikaner (Democrats Abroad) hatte die Demonstration angemeldet, wie die Polizei mitteilte.

Die Demonstrantinnen riefen "No justice, no peace" oder "I'm a feminist". Auf Plakaten standen Sprüche wie "Trump ist kein Berliner".

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Eine Demonstrantin hält auf einer Demonstration gegen Donald Trump ein Schild in die Höhe. Quelle: dpa

Wie die Nachrichtenagentur dpa berichtet, demonstrierten in Stockholm und in London sogar mehrere Tausend Menschen gegen Frauenfeindlichkeit und solidarisierten sich mit den Teilnehmern des "Women's march" in Washington.

Die Demonstranten hielten Plakate mit der Aufschrift "Nicht Hass, sondern Liebe macht Amerika wieder groß". Der Marsch startete am Platz Norrmalmstorg und endete vor der schwedischen US-Botschaft.

Ähnliche Proteste fanden auch in anderen großen Städten Europas statt.

Dieser Artikel erschien zuerst auf The Huffington Post USA und wurde von Jan Borner ins Deutsche übersetzt und ergänzt.

Mit Material der dpa.

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