NACHRICHTEN
22/01/2017 07:09 CET | Aktualisiert 22/01/2017 07:11 CET

"Frankfurter Allgemeine Zeitung" fordert Legalisierung von Drogen in Deutschland

In Deutschland ist Cannabis als Medizin künftig erlaubt. Ist es nun Zeit für den nächsten Schritt?
dpa
In Deutschland ist Cannabis als Medizin künftig erlaubt. Ist es nun Zeit für den nächsten Schritt?

  • In Deutschland ist Cannabis als Medizin künftig erlaubt

  • Ist es nun Zeit, den nächsten Schritt zu gehen?

  • Der Journalist Marc Felix Serrao nennt zwei Gründe für die Legalisierung bestimmter Drogen

Nach jahrelangen Debatten wurde nun die Freigabe von Cannabis als Medizin auf Rezept beschlossen.

Ärzte können künftig also schwerkranken Patienten Cannabis verschreiben, wenn diese beispielsweise unter chronischen Schmerzen oder unter Übelkeit infolge von Krebstherapien leiden.

Bisher brauchten Patienten für eine Cannabis-Therapie eine Sondergenehmigung, die bisher aber nur rund 1000 Personen hatten.

Für diejenigen, die Cannabis als Rauschmittel konsumieren, bringt das neue Gesetz allerdings nichts. Denn als Rauschmittel bleibt Cannabis weiterhin verboten.

Ist es Zeit, den nächsten Schritt zu gehen?

In einem Artikel in der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung" fordert der Journalist Marc Felix Serrao nun den nächsten Schritt zu gehen und "Drogen, die keine schwere Abhängigkeit und keinen körperlichen Zerfall auslösen", zu legalisieren.

Serrao kritisiert den "fürsorglichen Staat“ – nicht unbedingt dafür, dass er fürsorglich ist, sondern dafür, dass seine Fürsorge Widersprüche aufweist.

"Millionen Deutsche saufen sich ganz legal ihre Gesundheit und ihr Familienleben kaputt. Aber ein Erwachsener, der auf einer Parkbank in Bayern einen Joint anzündet, wird von der Polizei auf die Wache mitgenommen und angezeigt“, so der Journalist.

Eine Chance auf höhere Sicherheit?

Serrao sieht in der Legalisierung mancher Drogen die Chance auf höhere Sicherheit. Dabei soll doch eigentlich das Verbot von Drogen die Menschen schützen. Wieso also glaubt Serrao, dass gerade eine Legalisierung für mehr Sicherheit sorgen könnte?

Hierfür bringt er zwei Argumente.

Zunächst betont er: "Wo Staaten stark nachgefragte Güter durch Verbote verknappen, füllen kriminelle Organisationen die Lücke.“

Eine Legalisierung könnte dem illegalen Drogenhandel, der schlimmstenfalls mit Bandenkriegen und Gewalt einhergeht und so schon vielen Menschen das Leben gekostet hat, also die Grundlage entziehen.

Mehr zum Thema: Wir haben junge Menschen gefragt, ob Cannabis legalisiert werden sollte - das haben sie geantwortet

Serrao argumentiert weiter, dass ein legaler Verkauf aber auch das Gesundheitsrisiko beim Drogenkonsum selbst verringern kann. Statt die Droge illegal auf der Straße zu erwerben, könnten "Konsumenten ins Drogenlokal gehen und einwandfreie, vom Gesundheitsamt geprüfte Ware kaufen."

Ähnliche Argumente gibt es bereits in der Politik

Ähnliche Argumente wurden auch schon in der Politik laut. So hatten sich die Grünen auf ihrem Bundesparteitag in Münster im vergangenen November bereits vorgenommen, über den Bundesrat die Legalisierung von Cannabis durchzusetzen.

In der Begründung des Antrags zur Cannabis-Legalisierung hieß es unter anderem:

"Die hohe Nachfrage nach Cannabis einerseits und das Verbot einer legalen Distribution andererseits führen zu einem Schwarzmarkt, der eine starke Belastung des öffentlichen Raums bedeutet."

Dieter Janecek, wirtschaftspolitischer Sprecher der Grünen-Bundestagsfraktion, sagte bereits im vergangenen Jahr gegenüber der Huffington Post: “Wir sollten endlich akzeptieren, dass die meisten Probleme, die mit dem Konsum illegaler Drogen zusammenhängen, Folge des Verbots und fehlenden Schutzes der Konsument/innen sind.“

Forderung nach neuen Umgangsformen mit Cannabis

"Mittlerweile ist längst bekannt: Die Tatsache, dass eine Substanz illegal ist, wirkt sich weder auf die Nachfrage, noch auf das Angebot in relevanter Weise aus“, so Janecek weiter. Trotzdem würde die Politik mit der alten, nicht-bewährten Mischung aus Repression, Stigmatisierung und Problemverlagerung reagieren.

Auch Gabriele Bartsch von der Deutschen Hauptstelle für Suchtfragen sagte im vergangen Jahr gegenüber der Huffington Post, dass "es möglich sein muss, andere Umgangsformen mit Cannabis zu testen, z. B. eine zeitlich begrenzte und regulierte Abgabe von Cannabis in Modellversuchen.“

In einzelnen Kommunen und Städten sind hierfür auch schon Initiativen entstanden. So wird beispielsweise in Düsseldorf ein Plan entwickelt, um einen legalen und regulierten Verkauf von Cannabis im Rahmen einer Studie zu testen.

"Es ist wissenschaftlich unbestritten, dass der Konsum von Cannabis mit gesundheitlichen Risiken verbunden ist und zu Schäden führen kann“, erklärte Bartsch damals weiter.

Sie sagte, das Verbot von Cannabis habe den Anspruch, präventiv zu wirken und potenzielle Konsumenten vom Konsum abzuhalten. Es sei jedoch nicht belegt, dass das Cannabisverbot tatsächlich eine präventive Wirkung hat.

Mit Material von dpa.

Pointiert und meinungsstark: Der HuffPost-WhatsApp-Newsletter

2016-07-22-1469180154-5042522-trans.png

(ben)