POLITIK
20/01/2017 17:59 CET | Aktualisiert 21/01/2017 09:34 CET

Warum Trumps Slogan "America First" antisemitisch ist

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Donald Trumps "America First" soll einen antisemitischen Ursprung haben

  • Aktivisten halten Trumps Slogan "America First" für antisemitisch

  • Ein Blick auf die Geschichte zeigt, warum

"America First" - schon während seiner Wahlkampagne hatte die Anti-Defamation League - eine US-Organisation, die sich gegen Antisemitismus einsetzt - Donald Trump gebeten, den Slogan nicht mehr im Kontext der Außenpolitik zu verwenden.

Trump jedoch ließ sich nicht beirren.

Der Slogan wurde zum zentralen Schlachtruf seiner Antrittsrede: "Von diesem Tag an wird eine neue Vision unser Land regieren. Von diesem Moment an heißt es: America First“, sagte Trump.

Die Menge in Washington D.C. jubelte.

Was hinter der America-First-Bewegung steckt

Menschen nicht-jüdischer Abstammung oder solche, die die historischen Fakten nicht kennen, merken vielleicht nicht, wie unwohl sich viele Amerikaner aufgrund des Slogans „America First“ fühlen.

Mitglieder der America-First-Bewegung sprachen sich 1941 gegen den Eintritt der USA in den Zweiten Weltkrieg aus und sympathisierten mit den Nazis.

Und das, obwohl viele Amerikaner schon von der Verfolgung der Juden unter Hitler wussten. Auch Charles Lindbergh, der berühmte Pilot, der die America-First-Bewegung anführte, war über den sich anbahnenden Holocaust informiert.

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Lindbergh stellte Juden als größte Gefahr für die USA dar

"Es ist nicht schwierig, zu verstehen, warum das jüdische Volk sich die Niederlage von Nazi-Deutschland wünscht“, sagte Lindbergh im im September 1941 in der Stadt Des Moines, im US-Bundesstaat Iowa.

"Nach der Verfolgung, die es in Deutschland erlebt hat, würde jedes Volk zum erbitterten Feind seines Peinigers werden.“

Zudem beschuldigte Lindbergh jüdische Amerikaner, das Land in den Krieg zu treiben. Die größte Gefahr drohe den USA nicht von Deutschland und dessen Verbündeten, sondern von der "jüdischen Eigentümerschaft und deren Einfluss auf unsere Filme, unsere Presse, unseren Rundfunk und unsere Regierung“, postulierte er.

"America First" wird für immer mit Antisemitismus verbunden sein

Das ist schon ziemlich grotesk – so grotesk, dass sogar ein Roman darüber geschrieben wurde. Philip Roth, der wohl bekannteste jüdische Autor Amerikas, veröffentlichte im Jahr 2004 "The Plot Against America“.

Roth gab darin der amerikanischen Geschichte eine andere Wendung: Lindbergh gewinnt 1940 die Präsidentschaftswahl gegen Roosevelt. Die Situation für jüdische Amerikaner ändert sich dadurch völlig.

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Lindbergh, der zu Lebzeiten ähnlich berühmt wie Trump war, musste für seine Rede viel Kritik einstecken, obwohl Antisemitismus damals weit mehr toleriert wurde als heutzutage.

Die Autorin Louisa Thomas des US-Magazins "New Yorker" schrieb im Juli:

"Zu Lindberghs Zeiten war Antisemitismus weit verbreitet. Sein Haltung war nicht ungewöhnlich. Er machte weder ein Geheimnis aus seinem Interesse an Eugenik, noch aus seiner rassistischen Grundhaltung, was aus heutiger Sicht nicht tolerierbar ist. Aber mit seiner Rede im Jahr 1941 schien er eine Grenze überschritten zu haben.

Er wurde wegen seiner antisemitischen und polarisierenden Worte schnell und hart verurteilt – nicht nur von Gegnern der America-First-Bewegung, sondern auch von denjenigen, die ihn kurz zuvor noch als Helden gefeiert hatten.

Im Des-Moines-Register (eine Zeitung, Anm. d. Red.) heißt es, seine Rede sei 'in ihrer Aussage derart unangemessen, derart unfair, derart gefährlich, dass Lindbergh seinem Einfluss in diesem Land unweigerlich ein Grab gegraben hat.'

Die Zeitung 'Hearst', die eigentlich mit den Unterstützern der America-First-Bewegung sympathisierte und offen ihre Abneigung gegen Roosevelt äußerte, nannte die Rede 'unamerikanisch'.“

Donald Trump macht weiter wie bisher

Trump wurde ähnlich heftig kritisiert: "Für viele Amerikaner wird der Slogan 'America First' für immer mit diesem Teil der Geschichte verbunden und davon befleckt sein“, warnte Jonathan Greenblatt, Chef der Anti-Defamation League.

"Während eines Wahlkampfs, der eine nationale Diskussion über Höflichkeit und Toleranz losgetreten hat, ist es nicht ratsam, Assoziationen zu einem historischen Ereignis wachzurufen, das mit Unhöflichkeit und Intoleranz so eng verbunden ist.“

Der neue Präsident lässt sich trotzdem nicht davon beirren.

"Für mich ist America First ein brandneuer Ausdruck“, sagte er David Sanger von der "New York Times" im Juli. "Ich habe ihn niemals mit der Vergangenheit in Verbindung gebracht.“

Aber manchmal holt einen die Vergangenheit ein. Holocaust-Leugner und der Anführer des Ku-Klux-Klans, David Duke, der Trump unterstützte und dessen Aufstieg feierte, war über lange Zeit sehr glücklich mit dem Slogan, den er übrigens auch für seine Wahlkampagne für den US-Senat verwendete.

Dieser Text erschien zunächst bei The Huffington Post USA und wurde von Agatha Kremplewski aus dem Englischen übersetzt.

(ben)