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19/01/2017 06:57 CET | Aktualisiert 19/01/2017 07:20 CET

Die erste schwimmende Stadt der Welt könnte bald Realität werden - das Projekt sorgt für Diskussionen

Die Idee erinnert an Kevin Costners legendären Hollywood-Flopp "Waterworld“ - Städte, gebaut auf dem wertvollsten Element unseres Planeten: Wasser.

Doch das, was im Jahr 1995 noch pure cineastische Science-Fiction war, könnte schon bald Realität werden.

Das Projekt zum Bau einer schwimmenden Stadt, das von US-Wissenschaftlern ins Leben gerufen wurde, steht kurz vor der Verwirklichung. Es hört auf den Namen Seasteading.

Geplant ist die Stadt in den pazifischen Gewässern um Französisch-Polynesien. Dieses Areal besteht aus einer Ansammlung kleinerer Inseln und Archipele.

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Vielleicht bald schon Realität: Eine schwimmende Stadt, mitten im Pazifik. Credit: Seasteading Institute

(Weitere Bilder und eine Zusammenfassung des Projekts zeigen wir euch auch im Video oben.)

Die wohl bekannteste und bevölkerungsreichste Insel ist Tahiti sowie das Mururoa-Atoll, auf dem die französische Armee Mitte der 1960er Jahre insgesamt 188 Atomtests durchgeführt.

Für ein neues gesellschaftlichen Bewusstsein

Anders als in Costners dystopischem Science-Fiction-Film soll das Projekt Seasteading neue Möglichkeiten für technologische Innovationen bieten und dem Zweck eines neuen gesellschaftlichen (Lebens-) Bewusstseins dienen.

Die geplanten schwimmenden Städte sollen nicht nur vollkommen unabhängig funktionieren, sondern auch ein Experiment für eine neue Art von autarken Regierungen sein.

"Seasteading soll die lokale Wirtschaft stärken, dabei aber auf keinen Fall das ökologische Umfeld beeinträchtigen." Das behaupten zumindest die zukünftigen Erbauer der kleinen Stadt auf ihrer Webseite. Die geplanten Insel-Plattformen sollen jeweils die Größe eines Fußballfelds haben, und bis zu 30 Menschen beherbergen können.

Städte inmitten des Pazifiks

Der stellvertretende Geschäftsführer von Seasteading, Randolph Hencken, gab sich in einem Interview mit der BBC zuversichtlich. "Das Projekt ist weit weniger radikal als es klingt“, räumte er mit Hinblick auf ökologische Bedenken ein. Der Städtebau könnte und sollte "als eine große Chance angesehen werden“, so Hencken.

Die teilweise sehr tief liegenden Inselgruppen Französisch-Polynesiens sind bereits seit Jahrzehnten davon bedroht, vom Wasser verschluckt zu werden. Grund ist der stetig steigende Meeresspiegel.

Hencken und sein Team argumentieren, dass sie durch den Bau der geplanten Kleinstädte dieser bedrohlichen Entwicklung entgegen wirken könnten.

Hinter der ambitionierten Idee von Seasteading steht auch, erweiterte Lebensräume in Gebieten mit hoher Bevölkerungsdichte zu schaffen. "Sobald der Bau der ersten Stadt abgeschlossen ist", so Hencken, "lässt sich dieses Konzept auch für Metropolen wie Miami oder Bangladesch fortführen.“

Eine Steuer-Oase der Superreichen?

Finanzielle Unterstützung erhält das Projekt hauptsächlich durch den bekannten Multi-Milliardär Peter Thiel. Der US-amerikanische Investor deutscher Herkunft hat bereits Millionen in das Projekt der schwimmenden Stadt investiert.

Doch es gibt auch Kritik.

Das Erschaffen von schwimmenden Inselstaaten, auf denen Milliardäre wie Thiel ihr eigenes Utopia gründen können, ist bereits seit langer Zeit ein ersehnter Traum vieler Superreicher. Kernpunkt der Kritik sind besonders die wirtschaftsliberalen Interessen, die hinter der Vision Seasteading stehen.

Das erklärte Ziel könnte sein, mit den autarken Städten eine Welt zu schaffen, in der Steuergesetze nicht gelten und politische Entscheidungen keine Rolle mehr spielen.

Bis die erste schwimmende Stadt zur Realität wird, müssen noch viele Hürden genommen werden. Die Frage, welchen Interessen hinter dem gewagten Bau-Vorhaben am Ende wirklich liegen, bleibt - wie auch die Animationen des Projekts - weiter Zukunftsmusik.

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(lk)