WIRTSCHAFT
18/01/2017 16:27 CET | Aktualisiert 18/01/2017 16:34 CET

Jetzt eskaliert die absurde Schlammschlacht zwischen dm und Rossmann

dm-Filiale
Leonhard Foeger / Reuters
dm-Filiale

  • Zwischen den zwei größten deutschen Drogerieketten dm und Rossmann eskaliert der Streit

  • dm schickt Mitarbeiter bei der Konkurrenz einkaufen - für die eigenen Läden

  • Jetzt ist eine solche Einkaufstour ein Fall für die Polizei

Seit Monaten tobt zwischen den Drogerieketten dm und Rossmann ein Krieg.

Die Kunden bekommen davon kaum etwas mit - außer vielleicht, dass Rossmann zuletzt seinen Kosmetikbereich stark erweitert hat, um dm in diesem Segment Kunden abzujagen.

Doch hinter den Kulissen ist die Auseinandersetzen der Konkurrenten verbissen - dm ist mit knappen Abstand vor Rossmann Deutschlands größte Drogeriekette. Jetzt nimmt der Kampf nahezu groteske Züge an.

Produkte von Rossmann im dm-Regal

Das ganze Ausmaß zeigt ein Vorfall in der Stadt Bedburg in Nordrhein-Westfalen: Laut Aussagen von Rossmann soll eine Mitarbeiterin einer nahe gelegenen dm-Filiale dort kürzlich versucht haben, massenhaft heruntergesetzte Produkte einzukaufen.

Ihr Ziel, so glaubt man bei Rossmann: Die günstigen Produkte sollten in ihrer dm-Filiale wieder ins Regal kommen.

Doch soweit kam es nicht. Die Rossmann-Mitarbeiter stoppten die Frau mit zwei vollbeladenen Einkaufswagen an der Kasse.

Immerhin 28 Flaschen Perwoll, 25 mal Odol, 75 mal Guhl wollte sie laut Rossmann kaufen.

Anzeige bei der Polizei

Daraufhin eskalierte der Streit zwischen den Rossmann-Mitarbeitern und der dm-Kollegin. Angeblich wurde die Sache sogar emotional.

So sehr, dass die dm-Mitarbeiterin mittlerweile gegen ihre Rossmann-Kollegen Anzeige bei der Polizei erstattet hat. Ihr Vorwurf: Sie sei von den Rossmann-Mitarbeitern beleidigt und beschimpft worden. Rossmann weist die Vorwürfe gegenüber der Huffington Post zurück. die dm-Mitarbeiterin hat bisher nicht auf eine Anfrage der Huffington Post reagiert.

Dann machte die dm-Kollegin die Sache öffentlich und schilderte den Vorfall in einem Facebook-Post, der inzwischen Tausende Male geteilt wurde.

Was wirklich an dem Tag in der Rossmann-Filiale passiert ist, wird nun die Polizei klären müssen.

Fakt ist aber: dm schickt schon seit Wochen Mitarbeiter in die Filialen von Konkurrenten, um dort heruntergesetzte Produkte zu kaufen.

"dm-Aufkäufer suchen Filialen heim"

Ein Rossmann-Sprecher beschreibt die Situation gegenüber der Huffington Post mit drastischen Worten: “Hunderte unserer Filialen werden seit Wochen von ‘dm-Aufkäufern’ heimgesucht, die im großen Stile Werbeartikel (also beworbene, heruntergesetzte Produkte, Anm. d. Red.) aufkaufen.”

Die Folge, laut Rossmann: Kunden stehen vor leeren Regalen und beschweren sich, dass die Produkte ausverkauft sind.

Ein Sprecher von dm bestätigt gegenüber der Huffington Post die Praxis. Er sagt: "Wir stellen unseren Kolleginnen und Kollegen in den dm-Märkten Informationen zur Verfügung, die es ihnen ermöglichen, die günstigste Einkaufsquelle für ihren Markt zu nutzen. Diese Quelle können auch Wettbewerber sein, wenn diese Artikel unseres Sortiments zu einem Preis anbieten, der unter unserem Einkaufspreis beim Hersteller liegt."

Schon Ende November hatte das Magazin “Focus” über die Hamsterkäufe von dm-Mitarbeitern bei der Konkurrenz berichtet.

Knallharter Preiskampf

Der klare Hinweis von dm an die Mitarbeiter also: Hat ein Konkurrent ein günstiges Produkt, dann kauft es einfach dort und stellt es bei uns ins Regal.

Hinter dem von oben verordneten Kaufrausch der dm-Mitarbeiter steckt also ein knallharter Preiskampf.

Laut dem Branchenblatt “Lebensmittelzeitung” mutmaßt dm, dass die Konkurrenz günstigere Preise bei Großhändlern bekommt - und Rossmann so einige Produkte günstiger anbieten kann als dm. Die Großeinkäufe der dm-Mitarbeiter bei den Rivalen sind quasi als Protest gegen die Großhändler gedacht.

Laut “Lebensmittelzeitung” gehen die dm-Einkäufer wie Großwildjäger bei Kaufland, Rewe, Müller und Edeka auf Schnäppchenpirsch. dm verteidigt sich gegen den Vorwurf.

Ein Konkurrent von dm klagte gegenüber der “Lebensmittelzeitung” längst, dass das Verhalten völlig “inakzeptabel” seien.

Ein dm-Sprecher sagte der Huffington Post: "Wir dürfen davon ausgehen, dass die Wettbewerber nicht unter Einstandspreis verkaufen. Daher glauben wir nicht, dass unsere Wettbewerber durch unser Verhalten Nachteile in Kauf nehmen müssen."

Unternehmen peilt Rekordumsatz an

Am Ende stellt sich die Frage: Hat dm das wirklich nötig?

Das Unternehmen ist wirtschaftlich auf Erfolgskurs und peilte für 2016 einen Rekordumsatz von 10 Milliarden Euro an.

Den anhaltenden Erfolg begründet dm-Chef Erich Harsch mit “dauerhaft günstigen Preisen”, motivierten Mitarbeitern und “dass die Leute gerne bei uns einkaufen”.

Für die dauerhaft günstigen Preise - so viel ist jetzt klar - geht dm auch ungewöhnliche Wege.

Mehr zum Thema: Pfefferspray-Eklat bei dm: Das ist der wahre Grund, warum der Drogeriemarkt Reizgas verkauft

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