POLITIK
19/01/2017 07:32 CET | Aktualisiert 19/01/2017 08:38 CET

Trotz Drohnenkrieg und Guantanamo: Warum Barack Obama ein Glücksfall war

NurPhoto via Getty Images
Trotz Drohnenkrieg und Guantanamo: Warum Barack Obama ein Glücksfall war

Es müssen vergnügliche Tage für den früheren US-Präsidenten George W. Bush sein. Der Texaner, einst als der „schlechteste Präsident aller Zeiten“ tituliert und mit viel Spott aus dem Weißen Haus verabschiedet, wirkt in diesem Tagen wie ein echter Staatsmann im Vergleich zu seinem egomanischen und völlig unberechenbaren Nachfolger Donald Trump.

Der amerikanische Satire-Kolumnist Andy Borowitz veröffentlichte am Dienstag passend dazu einen Text für den "New Yorker“.

Die Überschrift: "Bush zählt die Tage runter, bis er nicht mehr der schlimmste Präsident aller Zeiten ist“.

Selbst ein latent unterkomplex denkender Kriegstreiber wie George W. Bush, dessen Sprache bisweilen an die eines lernbehinderten Neuntklässlers erinnerte (Hunter S. Thompson nannte ihn einst einen "albernen Kinder-Präsidenten“), könnte also wieder zu einem Ehrenplatz in der Ruhmeshalle der amerikanischen Politik kommen.

All das lässt ahnen, wie sehr wir schon bald Barack Obama vermissen werden.

Ein Mann, der in Deutschland völlig zu Unrecht auf die gescheiterte Auflösung des von Bush initiierten Gefängnislagers in Guantanamo und den eskalierenden Drohnenkrieg in Afrika und Asien reduziert wurde. Besonders von der Linken, die ihn zeitweise mit all dem dampfenden Amerikahass in Verbindung brachte, der seit Jahrzehnten durch die Reihen der Friedens- und Ökobewegten wabert.

Natürlich ist auch Obama nicht unfehlbar gewesen. Die Ausweitung des Drohnenkriegs war ein großer Fehler, ebenso die Liquidierung von Osama bin Laden, den man besser vor ein Kriegsgericht gestellt hätte. Auch er war weitgehend machtlos gegen die Auswüchse des Finanzkapitalismus, den seine Vorgänger entfesselt hatten.

Die Obama-Jahre waren glückliche Jahre

Und was hätte Obama alles bewirken können, wenn er nicht ständig mit einer Blockadepolitik der Republikaner im Kongress konfrontiert gewesen wäre? So bleibt mit Blick auf seine Regierungsbilanz natürlich ein fader Beigeschmack.

Aber besonders wir Europäer konnten uns glücklich schätzen, dass es Obama gab.

Ein Mann mit echten Werten, für den die internationale Zusammenarbeit nicht eine Aneinanderreihung von "Deals“ war, sondern ein echtes Herzensanliegen.

Die Zeit, als Amerika noch ganz bei Sinnen war

Ein Mann, der während der Euro-Krise daran interessiert war, dass die Europäische Union nicht auseinanderbricht.

Ein Mann, der als erster schwarzer Präsident in der Geschichte der Vereinigten Staaten mehr für die Bürgerrechtsbewegung getan hat, als sein Nachfolger – hoffentlich – zu zerstören imstande ist.

Mit der Amtseinführung von Donald Trump am Freitag geht eine Ära zu Ende. Nicht nur für die deutsche Linke, die endlich einsehen muss, dass ihre Vorstellung von Amerika als "Hort des Bösen“ barer Unsinn war, so lange es Politiker auf der anderen Seite des Atlantiks gab, die wirklich vertrauenswürdig waren.

Für die ganze Welt wird der 20. Januar 2017 ein geschichtlicher Einschnitt sein. Ein Datum, das die Historiker in Jahrzehnten noch beschäftigen wird. Und die meisten von uns voller Wehmut auf die acht Jahre zurückblicken lassen wird, als die Vereinigten Staaten von Amerika noch ganz bei Sinnen waren.

(lp)