POLITIK
18/01/2017 09:11 CET | Aktualisiert 18/01/2017 12:31 CET

Konjunkturexpertin: "Deutschland könnte Trumps größter Profiteur sein"

A life-sized wax statue of U.S. President-elect Donald Trump is seen during an unveiling ceremony at Madrid's wax museum in Madrid, Spain, January 17, 2017. REUTERS/Susana Vera
Susana Vera / Reuters
A life-sized wax statue of U.S. President-elect Donald Trump is seen during an unveiling ceremony at Madrid's wax museum in Madrid, Spain, January 17, 2017. REUTERS/Susana Vera

Strafzölle gegen BMW, Kritik am Exportüberschuss und der Flüchtlingspolitik der Kanzlerin - wenn Donald Trump über Deutschland redet, klingt das nach großem Unheil, das da droht.

Aber: Es könnte auch ganz anders kommen.

"Trump will die US-Wirtschaft nach deutschem Vorbild umbauen"

Wenn Trump wie in dem "Bild“-Interview sagt, dass er "Deutschland liebt", dann kann das auch heißen: "Er will die US-Wirtschaft nach deutschem Vorbild umbauen", sagt Galina Kolev, Konjunkturexpertin am Institut der Wirtschaft (IW) Köln, im Gespräch mit der Huffington Post.

Er möchte Branchen wiederbeleben, die schon längst an Bedeutung verloren haben – wie etwa die Stahl- und Autoindustrie. Aus US-Sicht unwirtschaftlich, aus deutscher Sicht hingegen ein guter Deal.

Mehr zum Thema: Der Trump-Effekt: Die OECD feiert den US-Präsidenten als Retter der Weltwirtschaft

Das produzierende Gewerbe hat hierzulande einen fast doppelt so hohen Anteil am Bruttoinlandsprodukt wie in den USA. Das imponiert Trump.

"America first ist kaum ohne deutsche Maschinen zu machen"

"'America first' – oder auch 'Make America great again' - ist kaum ohne deutsche Maschinen zu machen", sagt Kolev. Selbst amerikanische Autos lassen sich nicht ohne deutsche Zulieferer bauen.

Das gelte auch für das milliardenschwere Investitionsprogramm, mit dem Trump den Industriestandort stärken will. Die Infrastruktur ist in den USA in einem katastrophalen Zustand.

In seiner Antrittsrede sagte Trump:

"Wir werden uns um unsere sozialen Brennpunkte kümmern und unsere Straßen, Brücken, Tunnel, Flughäfen, Schulen und Krankenhäuser wieder aufbauen. Wir werden unsere Infrastruktur, die übrigens allen überlegen sein wird, wieder aufbauen. Und wir werden bei diesem Wiederaufbau Arbeitsplätze für Millionen von Menschen schaffen."

Trump dürfte dafür "eher Billionen als Milliarden von Dollar verbauen und in Glasfaser, Kupfer, Stahl und Beton investieren", wie der Schweizer Ökonom Thomas Straubhaar in einem Gastbeitrag für die "Welt" schreibt.

Auch hier wird Deutschland nach Einschätzung von IW-Expertin Kolev eine zentrale Rolle spielen. "Neue Straßen, Schulen und öffentliche Gebäude – das geht nicht ohne deutsches Know How", sagt sie.

"Trumps Investitionen sind also auch Investitionen in die deutsche Industrie"

Schon jetzt beträgt der Anteil des Maschinenbaus am deutschen Warenexport in die USA fast 16 Prozent. Trumps Investitionen sind also auch Investitionen in die deutsche Industrie.

Daran werden laut Kolev auch Schutzzölle nichts ändern, sollte sie Trump denn durchsetzen. "Sie würden nicht unbedingt jemanden davon abhalten, deutsche Maschinen zu kaufen, da sie verlässlich und hochwertig sind", sagt sie.

"Deutschland könnte so auf der Welt einer der größten Profiteure von Trumps Investitionsprogramm werden", sagt Kolev - trotz allem.

(lp)