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17/01/2017 13:28 CET | Aktualisiert 18/01/2017 08:50 CET

Kein Antibiotikum konnte der Frau helfen - was sie getötet hat, bedroht uns alle

Reuters
Gefährliche Super-Erreger: Multiresistente Keime werden zu einer immer größeren Bedrohung.

Der Tod einer Patientin in amerikanischen Stadt Reno, Nevada, bedeutet für Mediziner weltweit einen schweren Rückschlag. Die Frau verstarb an einer Infektion, nachdem sämtliche bekannten Behandlungsmethoden keine Wirkung gezeigt hatten.

"Bei der Rentnerin wurde ein multiresistenter Klebsiella-Pneumoniae-Keim gefunden, der nicht wirksam mit allen 26 in den Vereinigten Staaten zugelassenen Antibiotika behandelt werden konnte“, teilte das amerikanische Seuchenabwehrzentrum CDC in einer Pressemitteilung mit.

Nach einem längeren Urlaubsaufenthalt in Indien war die Frau am 18. August 2016 wegen eines entzündeten Oberschenkelbruchs in die stationäre Krankenhausbehandlung gekommen.

Sie verstarb im September auf der Isolierstation des Hospitals.

Laut einer Meldung des CDC starb die Frau an den Folgen einer Blutvergiftung, die als Komplikation im Zuge des Krankheitsverlaufs aufgetreten war. Zuvor waren alle 26 Therapieversuche mit antibiotischen Mitteln gescheitert.

"Eine dringende Gefahr für die Gesundheit des Menschen"

Beim Klebsiella-Pneumoniae-Keim handelt es sich um ein Stäbchenbakterium, das der Erreger einer seltenen Form der Lungenentzündung ist. Auch kann es Infektionen der Harn- oder Atemwege auslösen.

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat diesen Super-Erreger bereits als "dringende Gefahr für die Gesundheit des Menschen" eingestuft.

Denn die Heilungschance liegt bei mit diesem Bakterium infizierten Menschen lediglich bei 40 bis 50 Prozent. Das macht den Keim statistisch gesehen zu einer genauso tödlichen Gefahr wie beispielsweise Darm- oder Magenkrebs.

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Eine "post-antibiotische Ära" könnte möglicherweise bald bittere Realität werden. Credit: Getty Images

"Es ist das erste Mal, dass wir uns mit einem Fall wie diesem konfrontiert sehen", sagte Randall Todd, Direktor und Epidemiologe im Washoe County Health District. "Es war kein Mittel verfügbar, mit der wir der Frau hätten helfen können."

Multiresistente Bakterien stellen die Mediziner bereits seit Jahren vor ein Problem. Wie eine Pressemitteilung der Bundesministeriums für Gesundheit belegt, herrscht in diesem Bereich ein großer Handlungsbedarf.

Demnach sterben jährlich 700.000 Menschen weltweit aufgrund von Infektionen mit multiresistenten Bakterien. Die jährlichen Kosten durch Antibiotika-Resistenzen liegen alleine in der EU bei schätzungsweise 1,5 Milliarden Euro.

Die OECD schätzt die Verluste der OECD-Länder durch Antibiotika-Resistenzen für 2050 auf insgesamt 2,9 Billionen US-Dollar, wenn in diesen Fällen nicht gegengesteuert wird.

Wenn die Medizin zum eigenen Henker wird

Jede antibiotische Behandlung geht mit einer antibiotischen Resistenz einher.

Durch das jahrzehntelange Verschreiben dieser Medikamente steuern wir nun auf eine, wie Experten sagen, "post-antibiotische Ära" zu.

In den USA hat man deshalb die ersten Schritte zur Prävention eingeleitet: Antibiotika werden weniger häufiger und nur in extremen Notfällen verschrieben.

"Leider haben wir hier mit einem globalen Problem zu kämpfen", warnt Tim Johnson, Experte für Antibiotika-Resistenz an der Universität Minnesota.

Denn in anderen Ländern, insbesondere in Europa, wurden noch keine signifikanten Schritte zur Antibiotika-Reduktion unternommen. Er sieht daher die Problematik der Super-Erreger als "schleichende aber hochgefährliche Entwicklung" an.

Zusammenfassend vergleicht er diese bedrohliche Entwicklung mit einer bekannten Metapher: "Der stete Tropfen höhlt den Stein."

Kindern helfen

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(lk)