17/01/2017 04:26 CET | Aktualisiert 11/12/2017 10:01 CET

Selbst bei diesem Teil des Lebens könnt ihr auf die Umwelt achten

Sharpham Burial Medow

Viele sprechen das Thema am liebsten gar nicht erst an – doch der Tod gehört nun einmal zum Leben dazu. Irgendwann ist jeder damit konfrontiert. Einer Erhebung des Ecology Global Network zufolge sterben von den derzeit mehr als sieben Milliarden Menschen auf der Erde täglich geschätzte 150.000. Das macht mehr als 55 Millionen Todesfälle pro Jahr. Unser Umgang mit dem Tod hat einen großen Einfluss auf die Natur – und wer jetzt schon umweltbewusst lebt, kann auch auf seiner letzten Reise einen Beitrag dazu leisten. Etwa durch Verzicht auf Grabstein und Einbalsamierungsflüssigkeiten.

Ein Blick in das Vereinigte Königreich: Dort gibt es derzeit 270 sogenannte Naturbegräbnisstätten. Die erste wurde 1993 eröffnet, seitdem ist diese Art der letzten Ruhe immer beliebter geworden. In Deutschland kennt man sie als Friedwälder.

Auf den ersten Blick wirken diese Friedhöfe wie ein typisches Stück britischer Landschaft, weil sie sich nahtlos in ihre Umgebung einfügen. Sind einmal alle Grabparzellen belegt, können sie sogar an Umweltorganisationen zur natürlichen Nutzung übergeben werden. „Es sind positive, schöne Orte, die man besuchen kann. Etwas Gutes im Traurigen“, erklärt Rosie Inman-Cook, Chefin der gemeinnützigen Organisation Natural Death Centre*. „Durch die Nutzung als Grabstätte sind die Friedwälder von der Entwicklung um sie herum geschützt. Werden sie richtig betrieben, verbessern sie den Lebensraum und in der Folge die Bedingungen für die Tierwelt.“

binning wood scotland

Für einige der Naturbegräbnisstätten, die von einer weiteren Organisation in Großbritannien betrieben werden, gelten dabei strenge Regeln: „Ein Verbot giftiger Materialien und eine Vorschrift für Särge aus natürlicher Produktion sind vernünftig. Importierte Grabsteine und Blumen aus Gewächshausproduktion sollten außerdem vermieden werden“, sagt Inman-Cook.

Doch wie funktioniert eine ökologisch korrekte Bestattung? Von der Vorbereitung des Leichnams über die verwendeten Materialien bis zum Boden, in dem Sarg oder Urne beigesetzt werden, läuft einiges anders als gewohnt.

Wer sich Gedanken über einen umweltfreundlichen Abschied machen will, muss sich zunächst zwischen einer Sargbestattung und einer Verbrennung entscheiden. Möglich ist heutzutage bereits die Verbrennung in einem Sarg aus Pappe, was wesentlich weniger Energie verbraucht. Auch bei Urnen gibt es entsprechende Alternativen: Das englische Unternehmen Green Endings bietet etwa Urnen aus nachhaltigen Materialien wie Schilf, Glas und Keramik an.

respect green burial parks lincolnshire

Bei der Umweltfreundlichkeit ist die Wahl des Materials das Wichtigste: Särge können etwa aus nachwachsendem Bambus, Weide oder Korb sein und damit deutlich verträglicher als die üblichen Modelle aus Hartholz. „Wir mussten uns jahrelang gegen das Missverständnis wehren, dass Naturbegräbnisse nur etwas für Heiden und „Baum-Retter“ wären und dass dabei nur Pappsärge zum Einsatz kämen“, sagt Inman-Cook. Weil sich die Praxis gegen althergebrachte Traditionen stellt, herrscht immer noch viel Unwissen. Doch es wird besser.

„Nach 25 Jahren natürlicher Beerdigungen in unserem Land kann man wohl sagen, dass diese Art der Bestattung langsam zum Mainstream wird. Sie gilt immer noch als nicht religiös, aber tatsächlich gibt es bei geschätzt 60 Prozent der Aussegnungen christliche Elemente.“

Mit umweltfreundlichen Bestattungen geht aber noch ein Vorteil einher: mehr Freiheit für die Angehörigen. Sie können wählen, wie die Trauerfreier abläuft. „Die Familien haben mehr Kontrolle und können den Bestattungsunternehmer wegschicken, wenn sie auf der Begräbnisstätte angekommen sind“, erklärt die Aktivistin. „Das gibt ihnen Zeit. Vermutlich können sie den Trauerfall so besser verarbeiten.“

Insgesamt wird der Kreislauf aus Leben und Tod so deutlich grüner: Zerfall, neues Wachstum, eine bessere Zukunft.

Lerne mehr über Nachhaltigkeit auf Electrify the World - a Nissan Mobility Initiative.

*Quelle: ecology.com/birth-death-rates/

Weitere Links:

www.naturaldeath.org.uk

www.greenendings.co.uk