POLITIK
17/01/2017 09:16 CET | Aktualisiert 17/01/2017 13:11 CET

Es gibt nur eine Antwort auf Trumps Hass: Make Europe Great Again!

Es gibt nur eine Antwort auf Trumps Hass: Make Europe Great Again!
HuffPost
Es gibt nur eine Antwort auf Trumps Hass: Make Europe Great Again!

Liebe Europäer!

Über Jahrzehnte haben es Politiker geschafft, euch mit Reden über das „Friedensprojekt Europa“ ins Koma zu labern.

Nichts war an diesen Reden falsch.

Und doch haben sie in den vergangenen 25 Jahren zu keinem Zeitpunkt euer Lebensgefühl getroffen.

Nun, im Jahr 2017, sind wir an einem Wendepunkt unserer Geschichte angekommen. Um uns herum tobt der nationalistische Wahnsinn, und wir müssen endlich lernen, dagegen anzukämpfen. Es kann nur eine Antwort darauf geben: Make Europe Great Again!

Zugegeben, die EU hat derzeit ein Imageproblem. Das hat auch mit uns selbst zu tun: Wir haben aufgehört, die europäische Revolution für aufregend zu halten, die nach dem Krieg aus einem zersplitterten und verfeindeten Kontinent eine echte Gemeinschaft gemacht hat.

Wir fühlten uns immun

Der Frieden war über die Jahrzehnte etwas Selbstverständliches geworden. Es schien so, als habe sich für Europa ein historischer Plan erfüllt. Wir hatten doch alle aus der Geschichte gelernt. Aus Verdun. Aus Auschwitz. Der Virus des Nationalismus hatte uns bereits befallen, und nun fühlten wir uns immun.

Unsere Demokratie war stabil. Es gab Zeitzeugen, die uns über den Wahnsinn der Vergangenheit berichten konnten. Kluge Menschen haben kluge Texte zur Entstehung von autoritären Bewegungen geschrieben. Und nicht zuletzt betonten Wissenschaftler, dass noch nie in der Geschichte zwei Demokratien gegeneinander Krieg geführt hätten.

Wir Europäer lebten doch alle in Demokratien.

Und nun müssen wir feststellen, dass wir uns fundamental geirrt haben.

Vordemokratischer Abgrund

In der EU sind mindestens zwei Länder in vordemokratische Abgründe gestürzt: Polen und Ungarn. Dort arbeiten rechtsradikale Regierungen darauf hin, die Verfassungen auszuhöhlen und Freiheiten abzubauen. Sie rüsten ihre Armeen auf und schüren gezielt Hass gegen ihre Nachbarländer.

Ein einziger Alptraum für alle, denen etwas am Frieden auf diesem Kontinent liegt.

Der Westen ist tot

In den Niederlanden, Frankreich, Griechenland und Italien haben populistische Bewegungen ebenfalls immensen Zulauf. Gleichzeitig wurde in den USA ein Mann zum Präsidenten gewählt, der sich offenbar in der Rolle des politischen Amokläufers gefällt.

Donald Trump hält die Nato für „obsolet“ und freut sich wie ein Pyromane über den Flächenbrand, den das Brexit-Votum ausgelöst hat. Ihm sind Werte in seiner Politik vollkommen egal. Was zählt, sind Deals. Das werden eines Tages auch jene in Deutschland zu spüren bekommen, die Trump nun für seine kritischen Worte über Angela Merkels (CDU) Flüchtlingspolitik feiern.

Wer denkt, dass dieser Mann unser Freund ist, der glaubt auch daran, dass der Mond aus grünem Käse besteht.

Die USA werden künftig ein Land sein, das genauso egomanisch handelt, wie Trump denkt. Der alte Westen ist tot. Die Wertegemeinschaft liberaler Demokratien unter Führung der USA gibt es nicht mehr. Und man wünscht den überzeugten Demokraten in Amerika in den kommenden vier Jahren viel Mut und Kraft, das alles zu überstehen.

Die Chance ist gekommen

Aber gerade heute ist der Moment gekommen, an dem wir umdenken sollten. Eine historische Chance: Wir können Europa wieder so stark machen, wie es einstmals war.

Die britische Premierministerin Theresa May hat heute angekündigt, dass ihr Land einen „harten Brexit“ will. In ihrer Rede sagte sie, dass sie keine "Konstruktion" haben wolle, in der Großbritannien "halb drinnen und halb draußen" ist.

Das ist bedauerlich für die Briten – aber die haben ja vergangenes Jahr selbst für einen Ausstieg aus der EU gestimmt. Sie wurden verführt von großspurigen Populisten, die falsche Versprechungen machten und Millionen Menschen hinter die Fichte führten. Und womöglich wäre dieses Großbritannien ohnehin im Weg, wenn es um den Neustart für Europa geht.

Dieses Europa, das ich meine, ist mehr als eine fixe Idee.

Petry, Trump und Le Pen sind politische Trickbetrüger

Es ist ein Kontinent, der von vielen verschiedenen Völkern bewohnt, aber doch durch eine Einsicht geeint wird: Dass wir gemeinsam stärker sind als einzeln. Auch wenn politische Trickbetrüger wie Donald Trump, Frauke Petry oder Marine Le Pen stets versprechen, dass Egoismus schnellen Profit bringen würde.

Europa hat bewiesen, dass das Gegenteil der Fall ist. Wir Europäer profitieren voneinander. Genau darin liegt ja die große Lüge des Populismus: Man will uns seit Jahren glauben machen, dass es am Ende immer nur einen Gewinner im internationalen Kampf um Macht und Einfluss geben kann.

Diese Logik ist genauso simpel wie dumm: Wenn Griechenland aus der Wirtschaftskrise geholfen wird, dann verliert Deutschland. Wenn die Ukraine per Assoziierungsabkommen an die EU gebunden werden soll, dann verlieren die Niederlande. Wie früher auf dem Dorf, wo man dem Nachbarn das Schwarze unter den Fingernägeln nicht gegönnt hat.

Das alles mag zwar einen gewissen chauvinistischen Zeitgeist treffen, widerspricht aber sämtlichen Erfahrungen, die in den vergangenen Jahrzehnten in Europa gemacht wurden. Für alles, was die Bundesrepublik aufgegeben hat, wurde sie doppelt und dreifach entlohnt.

Pointiert und meinungsstark: Der HuffPost-WhatsApp-Newsletter

2016-07-22-1469180154-5042522-trans.png

Eine Vision für das 21. Jahrhundert

Lassen wir uns von den Hetzern und Panikmachern nicht länger betrügen.

Ohne die Westintegration hätte es die Wiedervereinigung nicht gegeben.

Ohne den Abschied von der Mark wäre die deutsche Wirtschaft seit 2005 nicht so immens gewachsen.

Ohne die Tilgung von Zöllen und Handelsbeschränkungen wären europäische Unternehmen nicht konkurrenzfähig mit jenen in größeren Volkswirtschaften wie den USA oder China.

Wir müssen unsere Zukunft gestalten, sonst tun es andere

In diesem Jahr feiern wir den 60. Geburtstag der Römischen Verträge, mit denen einst der Grundstein für die Europäische Union gelegt wurde. Lasst uns gerade jetzt gemeinsam an einer Vision für das 21. Jahrhundert arbeiten.

Vielleicht wird es einige Staaten geben, die da nicht mitziehen wollen. Polen, Ungarn, vielleicht auch bald die Niederlande und Frankreich. Aber dann müssen es eben jene Nationen richten, die sich auch heute noch zur liberalen Demokratie bekennen.

Wenn wir jetzt nicht anfangen, die Zukunft zu denken, dann tun das andere.

Bei uns besteht sie aus Frieden und Freiheit. Und bei den anderen aus Angst, Angst und nochmals Angst. Es wäre eine grausame Vorstellung, wenn die Geschichte bald nicht mehr auf unserer Seite wäre.