NACHRICHTEN
17/01/2017 12:14 CET

So drastisch liest die Polizei Gaffern die Leviten

dpa
Gaffer werden auch hier nicht bedient: Ein Polizeieinsatz unter einer Brücke (Symbolbild)

  • Nach einem tragischen Verkehrsunfall mit zwei tödlich Verunglückten strömten etliche Gaffer zur Unfallstelle

  • Im Nachgang sah sich die Polizei deshalb genötigt, einen Brandbrief an die Schaulustigen zu veröffentlichen

"Hey Gaffer - Wir haben es satt!"Selten reagieren Einsatzkräfte so aufgebracht, wenn sie bei ihrer Arbeit behindert und gestört werden. Nach einem besonders drastischen Vorfall veröffentlichte die Polizei Aalen nun einen Brandbrief auf Facebook, der sich an alle Gaffer richtet:

+++ Hey #Gaffer - Wir haben es satt! Lasst die Smartphones in der Hose und haltet Euch von der Unfallstelle fern! +++ Verbreitet keine Filme im Netz! +++

+++ TEILEN ausdrücklich erwünscht +++

Was war passiert? Bereits am Sonntag ereignete sich ein tragischer Verkehrsunfall in der Nähe der baden-württembergischen Kleinstadt Lorch. Eine 72-jährige Frau war als Falschfahrerin gegen ein entgegenkommendes Fahrzeug gekracht.

Für die Unfallverursacherin und den 20-jährigen Fahrer des zweiten Autos kam jede Hilfe zu spät. Sie erlagen noch an der Unfallstelle ihren Verletzungen. Der Beifahrer im Auto des jungen Mannes musste schwer verletzt in eine Klinik eingeliefert werden.

Mehr zum Thema: Gaffer werden immer extremer - diese Maßnahme ist der einzige Weg, um sie fernzuhalten

"Schämt ihr Euch nicht?"

Soweit tragischer und trauriger Alltag auf deutschen Straßen. Doch zu dem, was nach dem Unfall passierte, konnte die Polizei nur noch "Schämt ihr Euch nicht?" fragen. Sie werfen den Gaffern ein "völlig pietätloses und distanzloses Verhalten im Angesicht des Schreckens" vor.

Denn als die ersten Einsatzkräfte an der Unfallstelle eintrafen, standen bereits die ersten Schaulustigen auf einer Brücke, so die Darstellung der Beamten. "Die tödlich Verletzten lagen zu diesem Zeitpunkt noch in ihren Fahrzeugwracks und der Schwerverletzte wurde auf der Fahrbahn vom Notarzt versorgt. Was machten die Gaffer? Sie filmten und fotografierten mit ihren Smartphones."

Auch ein Freund von Kay One unter den Opfern

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Erst als genug Einsatzkräfte vor Ort waren, konnte eine Polizeistreife abgestellt werden, um sich um die Gaffer zu kümmern - deren Zahl hatte sich inzwischen erhöht, auch Kinder wurden zur Unfallstelle mitgebracht. Erst nach mehrmaligen Ermahnungen und der Androhung eines Platzverweises zogen die Schaulustigen von dannen.

Wie sich herausstellte war der tödlich verunglückte 20-Jährige ein Freund des Rappers Kay One. Dieser bekundete auf Facebook sein tiefes Mitgefühl für seinen Kumpel: "Ruhe in Frieden ich liebe dich bro 😞 ."

(ame)